Das krisengebeutelte Südafrika, gilt der westlichen Wertegemeinschaft seit der 1994 erfolgten Machtübernahme durch die ehemalige Terrororganisation African National Congress (ANC) unter Nelson Mandela und seinen kommunistischen Verbündeten bekanntlich als ein demokratisches Land. Die im vergangenen April durchgeführten Allgemeinen Wahlen, in Österreich mit den Nationalratswahlen, in der BRD mit Bundestagswahlen zu vergleichen, verliefen nach afrikanischem Standard tatsächlich relativ ruhig und in geordneten Verhältnissen. Will sagen, es wurden keine Oppositionellen auf offener Straße erschossen oder verbrannt, keine Geschäfte unliebsamer politischer Gegner geplündert und abgefackelt und auch keine Wahlurnen mit eigens vorgefertigten ausgetauscht. Ist damit alles Butter?
Das in früheren Zeiten fraglos zur Ersten Welt zählende Land am Kap erfreut sich inzwischen an den fragwürdigen Errungenschaften der »Befreiung« vom Faschismus, Verzeihung, von der Apartheid. In vielerlei Hinsicht steht der unausweichliche Kollaps bevor. Ist das Schwarzmalerei? Schwarzseherei vielleicht? Die Wirklichkeit spricht eine gnadenlose Sprache:
Ø die ausufernde, vom Staat nicht unter Kontrolle zu bringende Kriminalität,
Ø die in allen Ministerien, Ämtern und Behörden – vor allem bei der Polizei – übliche und tagtäglich zu erlebende Korruption
Ø sowie die quasi als Staatsräson gehandhabte rassistische Quotenregelung Affirmative Action, der zufolge aufgrund der schwarzen Hautfarbe und nicht aufgrund Leistung und Qualifikation ausgeschriebene Arbeitsplätze und Posten vergeben werden,
zählen zu den Grundübeln des hierzulande praktizierten Demokratieverständnisses. Ganz zu schweigen von der sich stetig ausbreitenden Aidsseuche, die als gewaltige Bedrohung die gesamten Strukturen des südafrikanischen Gesundheits-, Sozial- und Wirtschaftssystems wie ein gewaltiger Tsunami unter sich wegzuspülen droht.
Ende September nahm der ANC den neuesten Kriminalbericht zum Anlaß sich selbst zu feiern: Die jährliche Mordrate sei um einige Hundert gefallen. Tatsächlich! Und zwar von 18.487 auf 18.148 Mordopfer um genau zu sein. Wenn das kein überzeugender Erfolg der hiesigen Sicherheitsbehörden ist! Im gleichen ernüchternden Verhältnis stehen andere Kapitalverbrechen, die sich im Vergleich zu den Vorjahren nur unwesentlich verändert haben: versuchter Mord über 18.000, Raub mit schwerer Körperverletzung über 200.000, gewöhnliche Körperverletzung über 192.000, Autodiebstahl fast 76.000, Autoeinbruch über 109.000. Noch weniger Anlaß zu enthusiastischen Freudegesängen – in Südafrika gewöhnlich durch das Toi-Toi-Gehüpfe demonstriert - bieten die Statistiken zu den übrigen Verbrechen. Im Vergleich zum Vorjahr (Zeitraum jeweils April bis März) stieg die Zahl der Sexualverbrechen von über 63.800 auf über 70.500, Raub mit erschwerenden Umständen von über 118.000 auf über 121.000, Einbruch in Geschäftsräume von über 62.000 auf 70.000, Einbruch in Privathäuser von über 237.000 auf über 246.000, Car-hijacking von 14.2000 auf 14.900, Raubüberfälle auf Geschäfte von 9.800 auf 13.900, Raubüberfälle auf Privathäuser- und Wohnungen von über 14.000 auf über 18.000 – nur um einige Beispiel zu nennen.[1]
Die Unzufriedenheit, auch und gerade unter schwarzen Einwohnern Südafrika brodelt bedrohlich. Nicht zuletzt in der 75.000 Mann starken »Armee«, die in ihrem Ausbildungsstandard und in ihrer Schlagkraft nicht mit der früheren südafrikanischen Wehrmacht zu vergleichen ist. Ende August kam es zu einem ersten gewalttätigen Schlagabtausch zwischen einigen Tausend »«protestierenden Soldaten« und der Polizei am Unionsgebäude in Pretoria als eine »Demonstration« der gewerkschaftlich organisierten Armeeangehörigen ausuferte, so daß die Polizei Gummigeschosse und Tränengas einsetzen mußte, um die öffentliche Sicherheit wieder herzustellen. Abgesehen davon, daß es ein Unikum sein dürfte, daß sich Soldaten in Gewerkschaften organisieren, und für mehr Sold streiken – in diesem Fall wurde eine Erhöhung von 30% gefordert! –, glich das Erscheinungsbild der »Soldaten« eher einem Haufen wild gewordener Marodeure, denen ohnehin nicht die Verteidigung des Landes zuzutrauen ist.
Nichtsdestotrotz erfreuen sich die Südafrikaner aller Volksangehörigkeiten - will sagen zumindest die 66%, die als registrierte Wähler im April Jacob Zuma zum Präsidenten gewählt haben -, nun an einer wahren Frohnatur. Vergessen sind unzählige Fälle Korruption und Sexverbrechen, deren der praktizierende Poligamist noch bis vor kurzen angeklagt war. Heute stützt sich Südafrika auf einen unterleibgesteuerten, aber charismatischen Politiker, der bekanntlich als Schutzmaßnahme gegen Aids »Duschen nach dem Sex« empfohlen hat und seitdem in den meisten Karikaturen mit einer Dusche über dem Kopf abgebildet worden war. Doch all der Spott konnte seine Wahl zum Staatsoberhaupt nicht verhindern, was das Niveau der hiesigen Bevölkerung widerspiegelt. Ehre wem Ehre gebührt – oder anders ausgedrückt: das Wahlvolk hat den Repräsentanten bekommen, den es verdient.
In Südafrika soll bekanntlich kommendes Jahr die Fußballweltmeisterschaft ausgetragen werden. Sollten sich tatsächlich Sportbegeisterte aus Europa der Gefahr aussetzen, zum Zipfel des afrikanischen Kontinents zu fliegen, könnte dies zu einem Schlüsselerlebnis für sie werden. Nicht nur für ihren Geldbeutel, denn die Hotelbranche, Autovernietungen und Fluggesellschaften haben schon jetzt massive Preiserhöhungen ins Auge gefaßt. So wird man kommendes Jahr für eine Rückflugkarte Johannes-Kapstadt rund 10.000 Rand berappen müssen, während die Karte heute etwa ein Fünftel davon kostet. Für diejenigen unter ihnen, die Südafrika vor 1994 bereist und liebgewonnen haben, könnte die Reise allerdings einem Kulturschock gleichkommen.
An Bettler und Straßenverkäufer an faktisch jeder Straßenkreuzung, wird man sich vielleicht noch gewöhnen. Auch wenn nach dem zehnten Halt an einer Ampel die Nerven blank liegen dürften, die auf Mitleid erregend getrimmten und sich emsig zwischen den Autos bewegenden zwielichtigen Gestalten abzuwimmeln. Diese Adrenalinstöße sind aber noch nichts im Vergleich zu den Fahrten auf Überlandstraßen und Autobahnen. Gewiß, hier wird man weniger von Schmuddelkindern mit klimpernden Spendendosen oder Billigware wie Plastikkleiderbügeln und hüpfende Spielzeugaffen belästigt. Dafür muß man um so mehr die Fahrbahn im Auge behalten. Und zwar konzentriert, wenn man nicht mit voller Geschwindigkeit in eines der plötzlich auftretenden Schlaglöcher geraten will, die schon mal einen Meter lang und dreißig oder vierzig Zentimeter tief sein können. Auch sollte man auf zunächst noch freundlich winkende Fußgänger auf Brücken achten – diejenigen, die sich hinter Büschen verstecken um plötzlich vorzupreschen, sieht man in der Regel ja nicht. Diese Zeitgenossen haben sich darauf spezialisiert, mit Farbbeuteln auf Autoscheiben zu werfen, um so den Fahrer zum Anhalten zu zwingen und ihn überfallen und ausrauben zu können. Nein, ein Miesmacher derjenige, und ein undemokratischer noch dazu, der behauptet, Südafrika habe Probleme, nicht wahr?!
Der Nationalsport, zumindest unter der Mehrheit der weißen Südafrikaner, ist bekanntlich Rugby. Die Stadien sind samstags bis auf den letzten Platz ausgebucht, und das, obwohl die meisten Sportbegeisterten klagen, nicht mehr die Kosten für Miete, Darlehenstilgung oder Schulgelder aufbringen zu können. Na ja, solange Rugby gespielt wird, ist die Welt halt noch in Ordnung! Das war sie kürzlich auch in Pretoria, als die Blou Bulle, die Kultmannschaft der Hauptstadt, im Endspiel um die Meisterschaft einen sensationellen Rekordsieg von dannen trugen. Wie Name der Mannschaft bereits sagt, sind die Vereinsfarben blau. Folglich war das Stadion gefüllt mit einem Meer von blauen Fahnen und T-Shirts. Unter den Zigtausenden Fahnen war allerdings eine, die aus dem Rahmen fiel: Ein Junge schwenkte die bis 1994 gültige Nationalflagge Südafrikas Oranje-Blanje-Blou. Dieser zehnjährige Rugby-Anhänger sorgte damit für einen Eklat.
Der stellvertretende Sportminister Gert Oosthuizen hyperventilierte förmlich und bezeichnete es als »absolut tragisch, daß es immer noch Menschen gibt, die so etwas tun«. Das sei besonders schade, da ja der südafrikanische Sport international so erfolgreich sei, ließ sich der in der Nationalen Partei aufgestiegene und zum ANC übergewechselte Parlamentarier in der afrikaansen Tageszeitung Die Burger zitieren. Für Außenstehende ist der tiefe Gehalt diese Aussage nicht von vornherein erkennbar. Denn man muß wissen, daß das heutige Regime auch nach 15 Jahren an der Macht, eine immense Angst davor hat, daß sich der wirtschaftstragende Teil des Landes auf die Tage besinnen könnte, als man beispielsweise abends beruhigt schlafen gehen konnten, ohne Angst haben zu müssen, in der Nacht von organisierten Verbrecherbanden überfallen und zu Tode gefoltert zu werden. Die 1994 durch eine »afrikanischere« Flagge ersetzte, in orange, weiß und blau gehaltene Nationalflagge steht heute, wenigstens für die besagte wirtschaftstragende Bevölkerungsgruppe, mehr denn je als Symbol für ein ehemals hochqualifiziertes, funktionierendes und sicheres Land. Für die andere Gruppe, die sich gern als »ehemals benachteiligte« bezeichnet und generell alle Unzulänglichkeiten und Fehler in der Sicherheits-, Wirtschafts- und Erziehungspolitik auf die »Schuld der Apartheid« schiebt, ist sie es natürlich nicht. Da ist es auch unerheblich, daß jene in der Regel gar kein Rugby mag, sondern lieber Fußball spielt. Allerdings sitzen ihre Vertreter heute an den Machthebeln der Redaktionen, Direktionen und Ministerien.
Und nicht zuletzt auch in den Sportverbänden. Die Vereinsführung der »Blauen Bullen« distanzierte sich umgehend von »solchen Aktionen« und wies darauf hin, daß es ihr Standpunkt sei, »alte südafrikanische Flaggen nicht mehr in Stadien zuzulassen«. Das mag politisch korrekt und zeitgeistgerecht gedacht sein. Anderseits hat man bislang noch nichts darüber vernommen, daß sich die Führung von Fußballvereinen davon distanzierte, geschweige denn, daß sie um Verbote ringen würde, wenn auf den Rängen ihrer Arenen aus den Kehlen der Fans schallende Schlachtrufe wie »Kill the Farmer! Kill the Boer!« ertönen. Das zeigen der alten südafrikanischen Fahne, so die opportunistischen Funktionäre, würde »Bevölkerungsteile« an die Apartheid erinnern und deshalb zu »Rassenhaß und Gewalt« anstacheln. Deshalb sei ein Flaggenverbot zu befürworten. Erinnern sich aber nicht auch »Bevölkerungsteile« an Bombenanschläge und Halskrausenmorde, wenn – wie in Fußballstadien keine Seltenheit – freudig ANC-Flaggen geschwenkt werden?
Aus den Reihen der Regimebefürworter sind Forderungen zu vernehmen, daß sich »die Weißen, Inder und Mischlinge« bei »den »Schwarzen« für die Apartheid entschuldigen sollten. In der Tat, hierfür wäre es wirklich mal an der Zeit – und eine passende ließ nicht lange auf sich warten. In Form eines Leserbriefes hieß es in der in Durban erscheinenden Tageszeitung Natal Mercury:
Ø »Wir entschuldigen uns dafür, daß unsere weißen Vorfahren, intelligent, entschlossen und wagemutig waren, über die wilden Ozeane in unbekannte Gebiete vorzustoßen und diese zu kultivieren.
Ø Wir entschuldigen uns dafür, daß jene, die vor uns kamen, Euch aus dem Busch geholt und Euch gelehrt haben, daß es im Leben noch mehr gibt, als Buschtrommeln zu schlagen, sich gegenseitig umzubringen und Tiere mit Stöcken und Steinen zu jagen.
Ø Wir entschuldigen uns dafür, daß sie Straßen, Städte, Minen, Fabriken, Flughäfen und Häfen entwickelt und finanziert haben – alles Errungenschaften, von denen Ihr behauptet, sie seien Eurer altes Erbe, was Euch das Recht gebe, sie nach Belieben mit neuen Namen zu versehen.
Ø Wir entschuldigen uns, daß uns unsere Eltern den Wert von kleinen, aber starken Familien gelehrt haben, und es nicht angeraten ist, sich wie die Kaninchen fortzupflanzen, um am Ende als unterernährte, kranke und ungebildete Wellblechhüttenbewohner in Armut sein Dasein zu fristen.
Ø Wir entschuldigen uns dafür, daß das bösartige Apartheidregime Euch mit Schulen versorgt hat. Ihr hattet Euch entschieden, daß sie besser ohne Fenster und Balken aussehen würden.
Ø Wir haben mit Freude die schrecklichen Tage hinter uns gelassen, in denen wir in unseren weißen Schulen Streitigkeiten noch mit den bloßen Fäusten geregelt haben. Wir bevorzugen nun die Tage der Freiheit, in denen solche Reibereien mit Messern und Pistolen gelöst werden.
Ø Es tut uns leid, daß es schwerfällt, die Bitterkeit der Vergangenheit abzuschütteln, während Ihr unsere Freunde und Familienangehörigen vergewaltigt, foltert und ermordet und Euch danach mit einem Lächeln auf den Lippen hinter dem Schild ›Menschenrechte‹ versteckt.
Ø Es tut uns leid, daß wir nicht der Regierung trauen. Wir haben überhaupt keinen Grund mißtrauisch zu sein, weil keiner dieser armen ›hart arbeitenden Intellektuellen‹ jemals in einen Korruptionsfall verwickelt war.
Ø Es tut uns leid, daß wir nicht den Polizeikräften vertrauen, obwohl sie öffentlich zugegeben haben, den Krieg gegen das Verbrechen und die Verbrecher verloren zu haben.
Ø Wir sollten nicht so pessimistisch sein, die Korruption in der Polizei einfach vergessen und eher auf das Gute hoffen. Es tut uns leid, daß es für Euch wichtiger ist, eher farbige Spieler in unseren Nationalmannschaften einzusetzen als ein Spiel zu gewinnen und damit den Patriotismus zu födern. Wir wissen, daß die Unterstützung einer Mannschaft nichts mit deren Erfolg zu tun hat.
Ø Es tut uns leid, daß unsere Grenzen nunmehr offen für jeden sind und Ihr Euch jetzt mit illegalen Einwanderern aus unseren wunderbaren Nachbarländern um die Arbeitsplätze streiten müßt. Alle diese Länder haben sich zu wahren Wirtschaftsbollwerken entwickelt, nachdem die weißen Siedler rausgeschmissen worden waren.
Ø Es tut uns leid, daß wir nicht an die Kunst des Medizinmannes glauben oder an die Heilkuren von Roter Beete und Knoblauch, an Jungfrauenuntersuchungen, an das Schlachten von Tieren auf unserem Hinterhof und den Tausch von Frauen gegen Vieh und an andere barbarische Verhaltensweisen. Vielleicht sind wir ja nur unterschiedlich groß geworden.
Ø Es tut uns leid, daß Eure medizinische Versorgung, die Wasserversorgung, die Straßen, die Eisenbahnen und die elektrische Versorgung den Bach runtergehen, da ausgebildete Kräfte, die diese Mängel hätten abstellen können, wegen ihres verkehrten ethnischen Hintergrunds, gezwungen wurden, in anderen Ländern einer Arbeit nachzugehen, wo ihr Wissen und Können allerdings mit Handkuß aufgenommen wird.
Ø Es tut uns leid, daß wir möchten, daß unser Land aus seinem ganzen Potential schöpft, so daß wir dereinst wieder sagen können, stolze Südafrikaner zu sein«.
An das alles mag der Junge im Rugbystadion nicht gedacht haben. Aber all das haben die Opportunisten und Apologeten des herrschenden Regimes angstvoll vor Augen gehabt.
Nachtrag: Wenn es tatsächlich Fußballbegeisterte unter Ihnen geben sollte, die die Reise nach Südafrika nächstes Jahr nicht scheuen, empfehle ich Ihnen frühzeitig, Ihre Übernachtungen beim deutsch-afrikaansen GÄSTEHAUS HARMONIE in Pretoria zu buchen. Dort wohnen Sie unter Freunden und für Ihr Wohlergehen wird gesorgt. Eine Selbstverständlichkeit, die in Südafrika leider keine mehr ist.
Nähere Informationen unter:
Ø http://www.safarinow.com/go/GastehausHarmonieGastehuis/
Ø http://www.places.co.za/html/10597.html
Oder stellen Sie Ihre Anfragen direkt an: harmonie_guesthouse[AT]yahoo.de