| Der Hereroaufstand 1904 | ![]() |
| Vergriffen! | |
| Stegen am Ammersee: Vowinckel 2002 | |
| Großformat, geb., viele Abb. | |
| 154 Seiten | |
| ISBN 3-934531-11-3 | |
| Preis: 25,80 € - R240,00 |
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Verlagsankündigung Der Hererokrieg 1904 war der erste Partisanenkrieg des letzten Jahrhunderts. Im ehemaligen deutschen Schutzgebiet probten die Herero den Aufstand gegen die deutsche Schutzmacht. Bei der berühmten Schlacht am Waterberg kämpften beide Seiten einen erbitterten Kampf. Die Herero flohen in die wasserlose Omaheke. Ein Jahrhundert später fordern ihre Nachfahren Wiedergutmachung von Deutschland. Das Buch enthüllt schonungslos Lüge und Wahrheit und macht Schluß mit der Völkermordthese. Auszug aus dem Vorwort Als das Volk der Herero sich im Januar 1904 gegen die deutsche Obrigkeit in Deutsch-Südwestafrika erhob, einem Land, das mit über 820.000 km² eineinhalb mal größer ist als das Deutsche Reich in seinen Grenzen von 1914, dachte man weder in Berlin noch in Windhuk daran, daß sich aus dieser Aufruhr der Krieg der deutschen Kolonialgeschichte entwickeln würde. Man hatte von deutscher Seite her weder das Grundmotiv für den Aufstand noch die Qualität der Hererokrieger richtig eingeschätzt. Es handelte sich eben nicht um das Aufbegehren einiger Flitzebogenwilder, die aus einer Laune heraus ihren niederen Gelüsten freien Lauf ließen. Es handelte sich um nichts weniger als um den Existenzkampf eines Volkes. Wie naiv deutscherseits anzunehmen, daß der Aufstand mit der - wenn auch heroischen - Entsetzung einiger Stationen und Ortschaften bereits im Februar so gut wie niedergeschlagen worden sei! Der Militärchronist Hauptmann Maximilian Bayer gibt diese Fehleinschätzung treffend wieder: "Was Wunder, wenn viele von uns sich einbildeten, die Hauptarbeit sei getan, nun käme noch ein rasches Siegen gegen den minderwertigen Gegner, und dann, sagen wir nach einem Vierteljahr, sei alles vorüber und abgetan; dann hänge man die Mörder, stelle den Frieden her und folge wieder heim." Wie naiv andererseits von den Herero anzunehmen, daß die zur Verfügung stehende militärische Macht des Deutschen Reiches sich mit der Anwesenheit von rund 700 Soldaten der Schutztruppe bereits erschöpft haben würde! Die deutsche Geschichte ist nach den Worten des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt kein Verbrecheralbum. Richtig! Und dies gilt für die Geschichte Deutsch-Südwestafrikas nicht minder. Geschichtsschreibung, will sie die tatsächlichen Geschehnisse und Ereignisse sowie deren Ursachen und Folgen darlegen, und mit ihren Schlußfolgerungen nicht nur um die Gunst des gerade angesagten Zeitgeists buhlen, kann keine Rücksicht auf einschränkende, den Sachverhalt verfälschende Tabus nehmen. Genau diese Unterschlagungen gehören jedoch oftmals zum festen Bestandteil der gängigen Auseinandersetzung. Ein gewisses Anbiedern hat sich inzwischen bei vielen Zeitgenossen als selbstverständliche Geisteshaltung eingenistet. Wir wollen uns mit dieser ärmlichen Einstellung nicht zufrieden geben. Vielmehr wollen wir im folgenden Geschichte eben nicht als eine im Dienste vergänglicher Ideologien stehende, abstrakte Vergangenheitsinterpretation abtun, sondern Geschichte als unabdingbaren Nährboden begreifen, auf dem die Zukunft gedeiht, die heute bereits gesät wird. Wir wollen uns bemühen, Geschichte gewissermaßen ganzheitlich zu erfassen. Das stolze Volk der Herero hat dies längst begriffen: Sie ehren heute noch ihre Ahnen - auch jene, die zu Lebzeiten in Mißgunst gefallen sind, und erhalten so das eherne Band zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die Betrachtungsweise, mit der man dem Hererokrieg begegnete und über ihn berichtete, erlebte in den vergangenen 100 Jahren massive Wandlungen. Im Wilhelminischen Zeitalter waren oftmals allzu unkritische Darstellungen üblich. Über die von Herero an Deutschen begangenen Verstümmelungen behauptete beispielsweise der Kriegsteilnehmer Peter Rossa: "Mit den Toten und Verwundeten beschäftigten sich hauptsächlich die Weiber, die ihnen die Geschlechtsteile, Herz usw. vom Körper abtrennten, mit Rindfleisch vermengt kochten und verzehrten, um nach Ansicht der Eingeborenen sich deutschen Mut anzufressen." Der aufmerksame Leser findet in der Literatur des Kaiserreichs auch eine Fülle von Phantastereien, die als Tatsachen oder Selbsterlebnisse suggeriert werden: "Mich ängstigten immer seine Erzählungen von wilden Tieren, welche der Werft nächtliche Besuche abstatteten. Erst war es ein Tiger, der sich einige Male Lämmer holte [...]" Selbst einem erfahrenen und an den Kämpfen maßgeblich beteiligten Offizier, Oberst Berthold von Deimling, widerfuhr ein derartiger Schnitzer, als er während einer Rede 1906 allen Ernstes behauptete: "Löwen und Tiger gibt es nur noch in der Kalahari." Ein anderer Offizier berichtet in seinen "Erinnerungen" über mit Bajonetten aufgespießte, "fast zwei Meter" lange Puffottern und verkauft mehrfach seinen Lesern die Python als "die gefährlichste Giftschlange in Deutsch-Südwestafrika"! Über all diesen Mumpitz könnte man nun lächelnd hinwegsehen, wenn nicht auch vielfach bei historischen Ereignissen derartiger Unsinn verzapft worden und in Bücher mit teilweise enormer Auflagestärke als "Wahrheit" eingegangen wäre. Die Publikationen über die deutsche Kolonialgeschichte in der BRD während der fünfziger und frühen sechziger Jahre hatten dagegen einen oft eher nostalgischen Klang. Oskar Hintrager beispielsweise attestiert einem ehemaligen Offizier aus der Schweiz, der sich in Karibib freiwillig der Kompanie Franke angeschlossen hatte, daß er "durch seine Waffenbrüderschaft bekundete, daß in Afrika in Zeiten der Gefahr alle Weißen zusammenstehen müssen" und ermahnt die Ovambo nach ihrem Überfall auf Namutoni, "daß es keine leichte Sache ist, gegen die Deutschen Krieg zu führen." Mit Anbruch der siebziger Jahre mutierte die Geschichtsschreibung mehr und mehr zu "progressiveren" Formen, die sich im Laufe der achtziger und neunziger Jahre durch die sogenannte politische Korrektheit noch verstärkten und heute tonangebend sind. Wie war dieser Wandel möglich? Die Überbleibsel des Archivs des ehemaligen Reichskolonialamtes lagen seit dem Ersten Weltkrieg in Potsdam und waren nach 1945 zunächst für deutsche Wissenschaftler überhaupt nicht zugänglich. Ab 1955/56 wurden sie wenigstens für Historiker der DDR geöffnet, ohne daß diese allerdings erschöpfende Forschungsarbeit betrieben. Ihre Ergebnisse blieben weit hinter den Erwartungen zurück, die man angesichts der Fülle des auszuwertenden Materials hätte erwarten dürfen. Die ehemalige - im übrigen links, will sagen progressiv eingestellte - Nationalarchivarin in Windhuk, Frau Brigitte Lau, spricht diesen Zeitgeschichtlern denn auch mit Recht Kenntnisse über das Land selbst ab. Keiner von ihnen hatte sich je mit den geographischen, meteorologischen und demographischen Verhältnissen Südwestafrikas vertraut gemacht , geschweige denn menschliche Beziehungen im Lande aufgebaut. Die meisten hatten Südwest noch nicht einmal besucht. Es wäre allerdings ein naives Unterfangen, würde man sich ernsthaft zu der Behauptung versteifen, die Leistungen der westdeutschen Historiker seien erschöpfender gewesen als die Ergebnisse ihrer mitteldeutschen Kollegen: Die BRD-Historiker, denen der Zugang zum ehemaligen Reichsarchiv verwehrt wurde, machten es sich meist recht bequem und übernahmen oft ohne vorherige Prüfung die im Sinne der SED-Ideologie ausgerichteten Thesen ihrer Kollegen aus der DDR. Ein solches Tun spricht nun nicht gerade für ein ernstzunehmendes Berufsethos. Dies ist für unsere Arbeit freilich sekundär. Wesentlich bleibt aber, daß auf diese Weise die marxistischen oder "fortschrittlichen" - und immer antideutschen! - Ansichten auch Zugang in westdeutsche Schul- und Sachbücher gefunden haben. Der einflußreichste jener Geschichtswissenschaftler aus der DDR war Horst Drechsler, der Mitte der 1950er Jahre begann, die Akten des ehemaligen Deutschen Reichskolonialamtes auszuwerten und nach staatlich gewünschter Vorgabe zu interpretieren. Originalton Drechsler: "Wenn die nationale Befreiungsbewegung in den kolonialunterdrückten Ländern sowie der Zusammenbruch des imperialistischen Kolonialsystems auf dem XXII. Parteitag der KPdSU als bedeutendstes welthistorisches Ereignis nach der Sozialistischen Oktoberrevolution und der Entstehung des sozialistischen Weltsystems eingeschätzt worden sind, legt diese Einschätzung den fortschrittlichen Historikern die Verpflichtung auf, sich nicht nur mit der nationalen Befreiungsbewegung und dem Zusammenbruch des imperialistischen Kolonialsystems in der zweiten und dritten Etappe der allgemeinen Krise des Kapitalismus zu beschäftigen, sondern den verhaßten Kolonialismus in allen seinen Spielarten zu entlarven. So haben die marxistischen Historiker der Deutschen Demokratischen Republik in den letzten Jahren eine Reihe von Arbeiten vorgelegt, in denen sie an Hand der Akten des Reichskolonialamtes die Kolonialpolitik des deutschen Imperialismus vor dem ersten Weltkrieg analysierten. Damit leisteten sie zugleich den Afrikanern eine besondere Form der Hilfe, indem sie ihnen bei der Herausbildung ihres nationalen Geschichtsbildes halfen." Drechsler veröffentlichte zwei "akademische" Schriften zur Geschichte Deutsch-Südwestafrikas. Da sie vielfach zu keinen neuen Erkenntnissen führten, teilweise sogar im exakten Wortlaut zueinander verfaßt waren und sich vor allem durch Unsachlichkeit und Verdrehungen auszeichneten, müßte man die Anforderungen, die an eine Habilitationsarbeit gestellt werden, neu definieren. Bezeichnenderweise wurden diese Publikationen immer wieder, auch in Westeuropa, als Standardwerke suggeriert. Diese Leichtfertigkeit hat wesentlich zur heutigen Einseitigkeit über die deutsche Kolonialgeschichte beigetragen. Jenes durch seine Einseitigkeit und ideologische Dogmatik gekennzeichnete und seit Jahrzehnten vorherrschende Bild hinterläßt beim unvoreingenommenen Leser mehr und mehr den schalen Geschmack von Unglaubwürdigkeit und Übersättigung. Helga und Ludwig Helbigs Schrift Mythos Deutsch-Südwest beispielsweise ist getränkt von inflationär gebrauchten und abgedroschenen Schlagworten wie Völkermord, Faschismus, deutsche Gewaltherrschaft, Ausrottungspolitik und natürlich Holocaust. Wolfgang Mayer, einem "Redakteur einer großen Tageszeitung und Mitarbeiter einer historischen Zeitschrift", Franz Metzger, "Chefredakteur einer historischen Zeitschrift" und Jürgen Wilhelmi "Verfasser zahlreicher Artikel und Beiträge zur Geschichte, von Rezensionen und wissenschaftlichen Arbeiten" kann man zu geistigen Ergüssen wie diesen nur gratulieren: "Für von Trotha waren die Aufständischen nichts als eine Horde wildgewordener 'Nigger', deren Rebellion nur durch die Vernichtung angemessen bestraft werden konnte." Ein überzeugender Beleg sachlicher Publizistik - vom Wert der Wissenschaftlichkeit ganz zu schweigen. Da wirkt es dann schon nebensächlich, daß die Herren Wissenschaftler und Redakteure noch nicht einmal den Namen des kriegführenden Oberhäuptlings der Herero richtig schreiben können. Wenn wundert es bei soviel geistiger Größe noch, daß es selbstredend auch möglich ist, mit einer Dissertation The Herrenvolk Mentality in German South West Africa 1884-1914 zu promovieren!? [...] Das ist jedoch nicht die einzige Schwierigkeit, mit der wir uns konfrontiert sehen: Leider findet es sich in der Sekundärliteratur (auch und gerade bei solchen Büchern, die als "Standardwerke" gelten) immer wieder, daß Zitate - häufig sogar gravierend! - falsch wiedergegeben werden. Es wurde deshalb wenn irgend möglich versucht, die Originalquellen einzusehen. Dies ist nicht immer gelungen. Wir können uns deshalb bei Zitaten, die in der Sekundärliteratur wiedergegeben werden ("Zitiert nach ..."), nicht dafür verbürgen, daß diese auch tatsächlich dem Original getreu entnommen worden sind, und geben sie deshalb lediglich nach bestem Wissen und Gewissen wieder. Um das Lesen zu erleichtern, werden Eigennamen durchgehend einheitlich wiedergegeben. Der Verfasser hat sich für folgende Schreibweisen entschieden: Nicodemus statt Nikodemus, Otjimbingwe statt Otjimbingue, Ovambo statt Owambo und Oviumbo statt Owiumbo. Sofern hiervon Zitate betroffen sind, wurde der entsprechend angeglichene Buchstabe kursiv gedruckt, um die Veränderung zum Original anzudeuten. Dem Unverständnis und Unwissen vieler Deutscher zur Zeit des Wilhelminischen Kaiserreiches nicht unähnlich, macht man sich selbstverständlich auch in der vom Spaß- und Schuldsyndrom befallenen G'sellschaft der BRD keine Vorstellungen über die Strapazen der jungen, meist unerfahrenen Soldaten der Kaiserlichen Schutztruppe und ihrer Kameraden von der Marineinfanterie. Man hat im allgemeinen keinen blassen Schimmer von den übermenschlichen Leistungen dieser Männer. Aber auch das unermeßliche Leid, das über die Herero gekommen war, wird in der gängigen Literatur meist nicht unter dem menschlichen Aspekt behandelt, was man eigentlich erwarten sollte, sondern wird lediglich aus der Position der Ankläger gegen Deutschland dargestellt. Es geht vielen Publizisten denn auch weniger um eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Schicksal der Herero, als vielmehr darum, dieses gegen eine andere Nation, die deutsche nämlich, zu mißbrauchen. Angewandt wird diesbezüglich eine ebenso einfache wie falsche Faustregel: hier die Eingeborenen in der Rolle der unschuldigen Opfer, dort die Deutschen als ewige Aggressoren und Unterdrücker. In der "Bewältigungsliteratur" der BRD wird bezüglich des Hereroaufstandes und der Niederschlagung desselben denn auch mit erhobenem Zeigefinger auf ein selbstredend "dunkles Kapitel" deutscher Kolonialgeschichte verwiesen. Mit dieser schon obligatorischen Betroffenheitshaltung wird jedoch übersehen, daß diese zwar mit den Anforderungen des augenblicklichen Zeitgeists konform gehen mag und auch politisch korrekt sein dürfte, aber mit historischer Wahrhaftigkeit und einem ausgeprägten Geschichtsbewußtsein nichts gemein hat. Die zur Norm gewordene einseitige Schuldzuweisung ist reine Schwarzweißmalerei. Wir wollen ihr hiermit entschlossen entgegentreten. Dem daraufhin einsetzenden Tadel des politisch korrekten Berufsgutmenschentums will ich mich gern stellen. Aus den Rezensionen Claus Nordbruch hat mit dieser Studie über den Hereroaufstand nicht nur
eine minutiöse Darstellung der Ereignisse und ihrer Vorgeschichte vorgelegt,
sondern auch eine sachliche Richtigstellung jener Legenden, die die Spuren
deutscher Menschheitsverbrechen auch im südlichen Afrika wittern. Nordbruch
weist nach: weder gab es den von den späteren Alliierten, aber auch von
linksgestrickten Nachkriegshistorikern behaupteten »Vernichtungsbefehl«
des deutschen Oberbefehlshabers von Trotha noch die Phantasiezahl von
über 80.000 umgekommenen Einheimischen. Im ehemaligen Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika probte das stolze Volk der Herero 1904 den Aufstand gegen die deutsche Schutzmacht, die Kaiserliche Schutztruppe. Der Hererokrieg war der erste Partisanenkrieg des XX. Jahrhunderts, der mit unerbittlicher Härte ausgetragen wurde. Die berühmte Schlacht am Waterberg im August 1904 stellte den Höhepunkt des Kampfes dar. Die Herero flohen letztlich in die wasserlose Wüste Omaheke. 100 Jahre später fordern namibische Politiker Wiedergutmachung von Deutschland. Kuaima Riruako, nicht uneingeschränkt akzeptierter »Häuptling« des Volkes der Herero, beabsichtigt die Deutsche Bank und die Reederei Deutsche Afrika Linie wegen »Versklavung, Völkermord und Raub« vor einem Bundesgericht in Washington auf zwei Milliarden Dollar Entschädigung zu verklagen. Die Chance, vor einem amerikanischen Gericht Recht zu bekommen, hält er für »möglich, denn wir gehen ja denselben Weg wie die Juden. Der Genozid an unserem Volk war Vorreiter des Holocaust.« . Starker Tobak, der es wert ist, einer Analyse unterzogen zu werden. Diese vollzieht der unkonventionelle deutsch-südafrikanische Publizist Dr. Claus Nordbruch in seinem flüssigen Schreibstil jenseits von Denkverboten und Tabuvorgaben. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hat gerade der Aufruf an das Volk der Herero vom 2. Oktober 1904 des deutschen Befehlshabers General Lothar v. Trotha immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen geführt. Im günstigsten Falle hieß es, daß es sich hierbei um einen Schießbefehl gehandelt habe. Meist war die Ausgangsposition jedoch, daß dieser Aufruf ein Befehl zur Völkervernichtung gewesen und damit der Grundtenor der politisch-militärischen Intention v. Trothas bewiesen sei: Er »steckte sich zum Ziel, die Herero auszurotten.« Und deshalb stehe selbstredend fest: »Die Herero wurden die Opfer eines verbrecherischen Staates, der jene beseitigte, die seinen wirtschaftlichen Interessen im Wege standen.« Ob explizit darauf hingewiesen oder lediglich unbewußt miteingearbeitet, die meisten dieser voreiligen bzw. diffamierenden Urteile fußen, wie Nordbruch eindrucksvoll belegt, erstens auf den Behauptungen der englischen Kriegspropaganda unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg und zweitens auf einseitigen Darstellungen marxistisch-leninistischer Historiker und Publizisten. Diese meist unsachlichen, teilweise sogar volkverhetzenden Darlegungen und Mutmaßungen, wurden von vielen Verfassern der gängigen bundesdeutschen und österreichischen Literatur teils aus Leichtsinnigkeit, teils weil sie in die eigene Ideologie passen, unkritisch übernommen. Nordbruchs Schlußfolgerung:
Der Hereroaufstand 1904 ist ein für jeden geschichtsinteressierten Leser
eine wertvolle Quelle, die beide Seiten zu Wort kommen läßt und die Gründe,
die zu diesem grausamen Krieg führten, seinen bewegten Verlauf und seine
einschneidenden Konsequenzen darlegt. Entgegen fragwürdiger Denkschablonen
der Politischen Korrektheit basiert Dr. Nordbruchs These auf der Erkenntnis
des großen Gelehrten Wilhelm von Humboldt: »Der Historiker muß sich in
das Innere der Personen und Epochen, mit denen er zu tun hat, hineinversetzen,
wenn er mehr als eine zusammenhanglose Aufzählung äußerer Ereignisse bieten
will.« Damit belegt Dr. Nordbruch mit seinem neuesten Buch nicht zuletzt
die Richtigkeit eines Bekenntnisses des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers
Helmut Schmidt, der den Mut fand zu erklären, daß die deutsche Geschichte
kein Verbrecheralbum ist. Dies gilt für die Geschichte Deutsch-Südwestafrikas
nicht minder. Nüchtern und ohne ideologische Scheuklappen schildert Nordbruch Ursachen
und Verlauf des Aufstandes der Herero im ehemaligen Schutzgebiet Deutsch-Südwest-Afrika
gegen die deutsche Schutzmacht im Jahre 1904. Der Autor trägt alle Argumente
und Gegenargumente zusammen. Ihm gelang anhand von Dokumenten und Aussagen
ehemaliger Angehöriger der deutschen Schutztruppe der Nachweis, daß die
nach dem I. Weltkrieg entstandene These vom geplanten Völkermord an den
aufständischen Herero, in der immer wieder vorgetragenen Form historisch
unhaltbar ist. |