Heinrich Böll
Heinrich Böll
Seine Staats- und Gesellschaftskritik im Prosawerk der sechziger und siebziger Jahre
Eine kritische Auseinandersetzung
Frankfurt/Main: R.G. Fischer 1994
Br.
194 Seiten
ISBN 3-89406-939-2
Preis: 19,80 € - R150,00

 

Aus der Verlagswerbung:

Nach der bewußt provokativ gehaltenen Aussage Nordbruchs gilt es, das in der etablierten Literaturkritik gängige Pauschalurteil vom "Gewissen der Nation - Heinrich Böll" kritisch in Frage zu stellen.

Der Autor deckt die Einseitigkeit des Schriftstellers Böll auf, ohne dabei dessen gerechtfertigte Kritik am bundesdeutschen Staat und seines Gesellschaftsleben zu unterschlagen. Diese liegen vor allem in fragwürdigen journalistischen Praktiken, im Opportunismus, in der Bürokratie und im Verlust von Menschlichkeit und Liebe begründet.

Nordbruch distanziert sich aber, sobald Böll sich aufgrund ideologischer Enge und Subjektivität in Einseitigkeit verliert. Dies geschieht vor allem auf dem Felde der sogenannten Vergangenheitsbewältigung.

Aus dem Vorwort:

Zeitgenössische Literatur behandelt in erster Linie Themen der Gegenwart. Wie jeder Schriftsteller betrachtet auch Heinrich Böll diese von einem ganz persönlichen und einem ideologischen Blickwinkel aus, ohne allerdings deswegen in eine der "ideologischen Schubladen" gesteckt werden zu können, nach welchen man Intellektuelle gerne klassifiziert. Zu umfangreich sind Bölls Gesichtspunkte. Seine Darstellung der deutschen bzw. westdeutschen Gesellschaft, der Staatsbürger Deutschlands und deren Lebensgewohnheiten, Wesensmerkmale und Einstellungen, beruht auf den sozialen, politischen wie wirtschaftlichen Verhältnissen in der BRD. Diese sind nach Böll vor allem in der jüngsten deutschen Geschichte geformt worden und haben sich seitdem nicht verändert.
Gegenwart ist ohne vorausgegangene Vergangenheit nicht möglich. Die Vergangenheit prägt die Gegenwart. Dies gilt um so mehr beim Menschen. Bölls Helden werden fast ausschließlich durch Erlebnisse und Konfrontationen aus der Vergangenheit reflektiert. So kommt es in der Gegenwart aufgrund unterschiedlicher Auffassungen und Interpretationen jener Erlebnisse zu Konfliktsituationen, deren Geburtswehen eben in der Vergangenheit, bei Böll meistens im Dritten Reich liegen. Daraus ergibt sich eine entsprechende Staats- und Gesellschaftskritik, die Bölls literarisches Schaffen zumindest seit Beginn der sechziger Jahre stark charakterisiert. Sich mit dieser Kritik auseinanderzusetzen ist Thema der hier vorliegenden Studie.

Buchbesprechungen

Zu Bölls Auffassungen über Staat und Gesellschaft gibt es bisher keine abschließende Darstellung. Nordbruchs Buch stößt in diese Forschungslücke.
Das Argument

Nordbruch arbeitet die Wirkweisen der Böllschen Solidarität mit seinen Helden heraus.
Der Literat

Eine bemerkenswerte Untersuchung.
Rundy Informationsdienst für Medien und Politik