Zum Dritten Weltkriegoder: Was hat »der Holocaust« mit der »iranischen Atombombe« zu tun? Meine sehr verehrten Damen und Herren, als der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad Mitte Januar angekündigt
hatte, sein Land werde noch in diesem Jahr eine Konferenz über »den Holocaust«
abhalten, »um dessen Ausmaß wissenschaftlich zu bewerten und über seine
Konsequenzen zu diskutieren«,
war die in der westlichen Wertegemeinschaft öffentlich zur Schau
getragene Betroffenheit erwartungsgemäß pflichtgemäß. Freie Forschung, also
ergebnisoffene wissenschaftliche Untersuchung – gerade über »den Holocaust« –
gilt den westlichen Demokratien nicht nur als Tabubruch, sondern wird dort seit
einigen Jahren als »Haßrede« oder gar als terroristischer Akt eingestuft. Von den bundesdeutschen Medien war es Die Zeit, die zuerst zum Generalangriff
gegen die Teheraner Holocaust-Konferenz blies. »Rechtsradikale Ideologen und islamistische Antisemiten« würden diese
Konferenz planen, was nicht weiter verwundere, da ihr »Judenhaß« ja »einen
gemeinsamen Ursprung« habe. Das Ergebnis der Konferenz stünde
ohnehin längst fest: »die Relativierung und Leugnung der
nationalsozialistischen Vernichtung der Juden, um Israel als Staat der
Überlebenden und ihrer Nachfahren die Legitimität zu bestreiten«.[1]
Ich habe in meinem Buch Der Angriff zahlreiche Dokumente vorgelegt, die belegen, daß eine
kritische Betrachtung der gängigen Geschichtsschreibung über die
Judenverfolgung zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, geschweige denn abweichende
Auffassungen zur offiziellen Version der Historie, sowohl die vitalen
Interessen Israels als auch das Fundament, auf dem die BRD aufgebaut ist, in
erheblichem Maße bedrohen. Genau hier liegt das wahre Motiv für die unter
westlichen Berufspolitikern hervorgerufene Bestürzung begründet; denn es wäre
ja zumindest theoretisch möglich, daß auf der angekündigten Konferenz
Wissenschaftler Forschungsergebnisse vortragen, die mit der heute
veröffentlichten Meinung nicht in Einklang stehen und damit sowohl die gängige
Historiographie als auch viele politische Verhältnisse in Frage gestellt
würden. Insofern ist es durchaus zu verstehen, wenn der FDP-Politiker Werner Hoyer eine unabhängige
Holocaust-Forschung, die er als »Versammlungen von Holocaust-Zweiflern«
versucht zu diskreditieren, »ein ganz gefährliches Zündeln am Pulverfaß«[2]
nennt. Die maßgebliche
politische Bedeutung »des Holocaust« wird gerade von jüdischen Intellektuellen
und Funktionären nicht bestritten. Judith Miller,
Journalistin der New York Times,
erklärte in ihrem Buch One by One: Facing
the Holocaust (1990), daß die Erinnerung an »den Holocaust« eine
zuverlässige Unterstützung für Israel bedeute und faßte diese in der ebenso einfachen wie zutreffenden
Formel zusammen: »Remembering the
Holocaust leads to a staunch support of Israel.« Diese internationale
Unterstützung ist keineswegs nur auf finanzielle Hilfe begrenzt, sondern auch
als wesentliche diplomatische und politische Stütze Israels zu sehen. Für Nahum Goldmann, den ehemaligen Präsidenten
des Jüdischen Weltkongresses, stellte sich gar die Frage, »ob der jüdische
Staat ohne Auschwitz heute«[3]
überhaupt bestehen würde. Diese auf den ersten Blick geradezu grotesk anmutende
Aussage konnte Goldmann jedoch
glaubwürdig erklären, indem er die Hintergründe und das Ausmaß der
bundesdeutschen finanziellen Unterstützung für Juden und Israel beschrieb. Die Minister der BRD hätten nicht nur bereitwillig
alle an sie gestellten finanziellen Forderungen übernommen, sondern diese in
vorauseilendem Gehorsam um ein vielfaches überboten. Goldmann konnte denn zufrieden resümieren: »In manchen Jahren
überschritten die von Deutschland an Israel bezahlten Summen die vom
internationalen Judentum gespendeten Beträge – mitunter um das Zwei- bis
Dreifache […] Ohne die deutschen Wiedergutmachungsleistungen, die in den ersten
zehn Jahren nach der Gründung Israels einsetzten, besäße der Staat kaum die
Hälfte seiner heutigen Infrastruktur: alle Züge, alle Schiffe, alle
Elektrizitätswerke sowie ein Großteil der Industrie sind deutschen Ursprungs.«[4] Die gesamte Landwirtschaft und Industrie Israels
basiert vielfach auf deutschen Geldern, ebenso wie das Telephonnetz, die
Handelsflotte, Trockendocks und Kraftwerke von der BRD finanziert worden sind.[5]
An dieser solidarischen Haltung hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert.
Im Gegenteil, die totale Solidarität mit Israel seitens bundesdeutscher
Politiker hat inzwischen eine derart fragwürdige Kritiklosigkeit erreicht, daß Die Welt nichts dabei fand, am 31.
Januar den Israel-Besuch der deutschen Bundeskanzlerin mit der Aussage zu
krönen: »Merkel bekennt sich zu Israel«. Dieses Bekenntnis, meine sehr
verehrten Damen und Herren, muß man sich auf der Zunge zergehen lassen! Diese unbedingte
Solidarität mit Israel, vielfach als »Kontinuität aller deutschen
Bundesregierungen« gepriesen, zieht sich wie ein roter Faden durch alle im
Bundestag vertretenen Parteien. Christian Schmidt,
ehemaliger Außenpolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag,
stimmte beispielsweise Ex-Bundesaußenminister Joschka Fischer bei, daß »das Existenzrecht Israels über eine
vermeintlich einheitliche europäische Nahostpolitik« stehe. Insbesondere müsse
»die Bundesregierung auch den Anspruch Israels auf gesicherte Grenzen mit
vertreten.«[6]
Joschka Fischer
betonte zu allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten: »Wir haben als
Deutsche eine besondere Verantwortung gegenüber Israel«. Dieser Satz zählt
längst zum Standardrepertoire jedes bundesdeutschen Politikers und ist von der
gleichen Dämlichkeit wie die »uneingeschränkte Solidarität« des ehemaligen
Bundeskanzlers Gerhard Schröder
gegenüber den USA.[7] Tatsächlich
zeugen die obligatorischen Solidaritätserklärungen von Fischer und Konsorten mit Israel und dem jüdischen Volk –
keineswegs »Gesellschaft«! – von einer erschreckend einseitigen
Geschichtsauffassung! Im November 1998, nach dem Regierungswechsel in
Berlin, erklärte Fischer, die
»neue deutsche Regierung« fühle Israel gegenüber »eine besondere
Verantwortung«. Wer hatte daran je gezweifelt? In einer Ansprache vom dem Jewish Community Relations Council
betonte er im März 1999 in New York, daß die jüdisch-deutschen Beziehungen für
ihn zu den wichtigsten seines politischen Lebens gehörten, um anschließend klar
zu machen, daß es »keinen Schlußstrich« geben könne. Damit gemeint sind die
anhaltenden »Wiedergutmachungszahlungen« an Israel und jüdische Organisationen
ebenso wie Gedenkfestwochen, Mahnstunden, Fernsehdebatten usw. Ein ganz besonderes Dokument bundesdeutscher Realpolitik
ist die Rede von Angela Merkel
auf dem 5. Europäisch-Israelischen Dialog am 7. Dezember 2003. Auf dieser
Veranstaltung sagte die heutige Bundeskanzlerin: »Aber wir haben unsere
Demokratie auch auf den Lehren aus der Geschichte aufgebaut. Dazu gehört
unverrückbar die Anerkennung der Singularität des Holocaust. Sie war und ist
die Voraussetzung dafür, daß wir frei und souverän sein können. Aus diesem
Verständnis der Einzigartigkeit des Holocaust erwächst eine ganz spezielle
Beziehung Deutschlands zu Israel: Wir stehen nachdrücklich zu einem jüdischen
und demokratischen Staat Israel. Und gerade wir Deutschen müssen uns immer
wieder vor Augen führen, in welcher existenziell gefährlichen Situation Israel
sich befindet. [...] Daraus folgt, daß wir grundsätzlich für die Anliegen
Israels eintreten [...] Deutschland muß eine Politik machen, die im
Zweifelsfalle für die Belange Israels eintritt und keine
Neutralitätsbetrachtungen zuläßt. Israel ist eine Demokratie – die
palästinensische Administration ist das nicht.«[8]
Es wäre aufschlußreich zu sehen, wie Frau Merkel in einer Diskussion mit Juden
bestehen würde, die im Gegensatz zu ihr Ahnung über die tatsächlichen
Verhältnisse in Israel haben. Beispielsweise mit dem israelischen Philosophen
und Theologen Jeshajahu Leibowitz,
der bekannte: »Nach meiner Meinung ist Israel als jüdischer Staat eine Gefahr
nicht nur für sich selbst und seine Einwohner, sondern auch für alle Juden und
andere Völker im Mittleren Osten. Der Staat Israel ist keine Demokratie, da er
eine Demokratie anwendet, die sich gegen alle Nichtjuden und auch gegen jene
Juden richtet, die sich dieser Ideologie widersetzen.« Ein interessanter
Gesprächspartner für Merkel und
Konsorten wäre gewiß auch der Abgeordnete im Knesset Roman Bronfman, der Israel »den letzten
totalitären Staat der westlichen Welt« bezeichnet hatte. Oder der israelische
Historiker Ilan Pappe, der gern
auf die Gründung des Staates Israel verzichtet hätte, »wenn er vorher um den
hohen Preis der Entwurzelung des palästinensischen Volkes gewußt hätte.«[9]
Dessen ungeachtet fordert die BRD von der Hamas, immerhin der stärksten
palästinensischen politischen Volksvertretung, die Anerkennung des
Existenzrechtes Israels. Mehr noch: die BRD propagiert gar die »unkündbare
Solidarität« mit dem zionistischen Judenstaat, wie Bundesaußenminister
Frank-Walter Steinmeier diesen
bundesdeutschen Standpunkt jüngst in Israel ausdrücklich bekräftigt hat.[10]
Dabei wird selbst unter Hunderttausenden, wenn nicht Millionen Juden, ein
mögliches Existenzrecht Israels in Abrede gestellt. Viele orthodox gläubige
Juden betrachten den Zionismus als Gefahr für das eigentliche Judentum und
erkennen den Staat Israel nicht an. Ihre einflußreichste Organisation nennt
sich Neturei Karta, deren Argumente
im übrigen vielfach den Worten des iranischen Präsidenten gleichen. Um darzulegen, was diese
Umstände mit einem wahrscheinlichen Angriff auf den Iran und gar mit dem
Ausbruch eines Atomkrieges zu tun haben, müssen wir unseren Blick sowohl auf
die Entstehung des zionistischen Judenstaates als auch auf das Machtgefüge im
Vorderen Orient richten. Bereits unmittelbar nach der Gründung des
zionistischen Staates Israels im Mai 1948 wurde es deutlich, daß israelische
Politik, weniger eine Politik der »Sicherheit Israels« ist, die sich gegen eine
vermeintliche »arabische Bedrohung« richtet, als vielmehr die Verwirklichung
eines rücksichtslosen Imperialismus. Die territoriale Expansion Israels konnte
erstrangig durch zionistische Provokationen erfolgen. Diesen folgten Vorwände
für militärische Interventionen, welche nicht nur zu arabischer Feindschaft,
sondern letztlich zur Bedrohung für den Weltfrieden führten. Zu diesem Urteil
kommt der unvoreingenommene Beobachter jedenfalls, wenn er sich die wahren
geschichtlichen Hintergründe israelischer Politik und die tatsächliche
Kaltblütigkeit israelischer Politiker vor Augen hält. Es waren nicht die Araber und Perser, die nach dem
Grauen des Zweiten Weltkrieges, alle Kraft daransetzten, sich die
Massenvernichtungswaffe par excellence anzueignen! 1949, also nur wenige
Monate nach der Gründung des Staates Israel, waren es vielmehr die Israelis,
die mit der Entwicklung einer eigenen Atombombe begonnen hatten, wobei sich der
sozialdemokratische Politiker und spätere Friedensnobelpreisträger Shimon Peres als die treibende Kraft hinter
dem Nuklearwaffenprogramm profilierte.[11]
Zuerst lieferte die US-Regierung 1956 den 5 Megawatt-Forschungsreaktor in
Nachal Schurek bei Tel Aviv im Rahmen eines amerikanischen Programms mit dem
geistreichen Namen Atome für den Frieden.
Nach der Suezkrise 1956 unterzeichneten Frankreich und Israel ein
Geheimabkommen über den Bau eines Atomreaktors und einer
Plutoniumsgewinnungsanlage in Dimona (Nukleares Forschungszentrum Negev), mit
dem die Israelis Zugang zu nuklearem Material gewinnen konnten. Mitte der
fünfziger Jahre kam es zu ersten konkreten Entwicklungen einer
nukleartechnischen Zusammenarbeit zwischen Südafrika und Israel. Eventuell
1957, mit Sicherheit aber 1962 setzten die südafrikanischen Uranlieferungen
nach Israel ein. 1972 wurde ein Geheimabkommen über nukleare und konventionelle
militärische Zusammenarbeit zwischen Israel und Südafrika unterzeichnet,
weitere Geheimabkommen traten 1976 in Kraft. 1979 kam es zu gemeinsamen
Atombombentests beider Länder.[12]
Seither gab es ein reges gegenseitiges Waffenlieferungs- und
Agentenaustauschpropramm. Die südafrikanischen Uranlieferungen an Israel trugen
entscheidend dazu bei, daß israelische Atomwaffenprogramm zu entwickeln und zum
erfolgreichen Abschluß zu bringen. Die israelischen Atomsprengkörper wurden in zwei
Forschungslabors konstruiert, namentlich im Nuklearforschungszentrum Nachal
Schurek sowie bei der Abteilung 20 der Waffenentwicklungsbehörde Rafael.[13]
Um aus einem Bombenplan tatsächlich eine Nuklearwaffe zu bauen, mußte Israel
einen umfangreichen nuklear-industriellen Komplex errichten: Im Jahre 1962
wurde mit französischer Hilfe der EL-3 Atomreaktor von Dimona fertiggestellt.
Hier wurde das Plutonium für die Atomsprengköpfe »erbrütet«. Offiziell gehört
der Reaktor zum Israelischen Kernforschungszentrum Kirya Le'Mechkar Gariini (KAMAG), der zur Tarnung mal als
»Nähmaschinenfabrik«, mal als »agrochemischer Betrieb« dargestellt wurde. In
unmittelbarer Nähe des Atomreaktors befindet sich außerdem eine unterirdische
Wiederaufbereitungsanlage. Mit dem gewonnenen Plutonium werden dann die
Atomsprengsätze in einer Nuklearfabrik in Jodfat zusammengebaut.[14]
Die erste Atombombe, aus französisch-israelischer Koproduktion hervorgegangen,
wurde in der Sahara Anfang der sechziger Jahre gezündet. Zentrum der israelischen Nuklearflugzeuge ist der
Fliegerhorst Tel Nof. Die ersten atomar-bewaffneten Jagdbomber der israelischen
Luftwaffe waren 48 A-4E Skyhawk, die die US-Regierung 1966 lieferte. Später
kamen noch weitere Maschinen hinzu, von denen heute noch neunzig Flugzeuge der
Version A-4N bei fünf Staffeln im Einsatz sind. Diese werden ergänzt durch
amerikanische F-4E Phantom II, die von den Israelis weiterentwickelt wurden zur
F-4E-2000. Die 53 Flugzeuge sind auf die beiden Staffeln 119 und 201 in Tel Nof
verteilt. Außerdem verfügt die Luftwaffe über 98 Flugzeuge F-15 Eagle in
verschiedenen Varianten, mit der drei Staffeln ausgerüstet sind. Durch
Luftbetankung kann die Reichweite der F-15I auf 4.000 Kilometer ausgedehnt
werden. Elf Staffeln sind mit 229 Exemplaren des Jagdflugzeuges F-16 Falcon
ausgestattet. Bewaffnet sind die Flugzeuge mit Atombomben, die wie die
Nagasaki-Bombe eine Sprengkraft von 20 Kilotonnen haben. Das Depot für die
Atombomben der Jagdbomber befindet sich auf dem Fliegerhorst Tel Nof.[15]
Die atomare Einsatzzentrale ist der unterirdische Bunker Bor in Tel Aviv. Ein
Ausweichgefechtsstand befindet sich auf dem Fliegerhorst Nevatim, außerdem
dient eine Boeing EC-135 als fliegende Kommandozentrale.[16] Die israelische Regierung schweigt sich über ihr
Atomwaffenprogramm natürlich strikt aus. Die Geheimhaltung ist schier perfekt.
Zuverlässige Informationen aufzudecken, ist äußerst schwierig. Nur in seltenen
Ausnahmefällen sickern Informationen durch. Einen der wichtigsten Einblicke in
den nuklearindustriellen Komplex Israels gewährte der sogenannte Atomspion
Mordechai Vanunu. Dieser
arbeitete von 1976 bis November 1985 in Dimona. Im September 1986 gab er der Sunday Times ein Interview über die
israelische Nuklearwaffenfabrik in Dimona. Damit wurde unter anderem offenbart,
daß Israel tatsächlich zwischen 100 bis 200 atomare Sprengköpfe besaß und
Lithium Deuteride und Tritium – Grundbestandteile für die Herstellung
thermonuklearer Waffen – herstellte.[17]
Weiter verschärft wurde diese Sensationsmeldung durch heimlich aufgenommene und
aus Israel geschmuggelte Photographien von dem Anwesen.[18]
Zwei Tage später wurde Vanunu in
England vom israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad entführt und auf
abenteuerliche Weise nach Israel verschleppt.[19]
Am 24. März 1988 wurde Vanunu in
einem Geheimprozeß zu einer achtzehnjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, die er
bis auf den letzten Tag absaß. Dem schwedischen Rundfunk gegenüber erklärte er am 7. Oktober 2004, daß Israel eine
viel größere Nukleargefahr sei als der Iran und forderte, daß beide Länder ihre
Atomarsenale zur internationalen Inspektion freigeben und beide Länder zu
atomwaffenfreien Zonen umgewandelt werden müßten. Während der Iran
Zusammenarbeit signalisiert habe, weigere Israel sich jedoch, dies zu tun.[20] Die Frage ist
freilich, was eine Untersuchung in Israel wirklich bringen würde. Vanunu erklärte dem Spiegel TV
gegenüber, daß sogar die CIA und viele
andere Spionageorganisationen nicht wußten, wo die israelische
Nuklearwaffenfabrik gelegen war. »Ich habe in diesem Haus gearbeitet. Es war 23
Meter unter der Erde, es gab zwei oberirdische Geschosse.« US-Senatoren hätten
die Anlage in der Zeit zwischen 1964 und 1969 mehrmals inspiziert. »Aber immer
bevor die Inspektoren erschienen, hatten sie die Türen zugemauert. Man konnte
nur das obere Stockwerk sehen, mit den Klimaanlagen. Von den sieben
unterirdischen Etagen sahen sie nie etwas.«[21] Seit 1974 verfügt Israel also über einsatzfähige
Atomwaffen, darunter auch mit Atomsprengköpfen bestückbare Marschflugkörper,
die von fahrbaren Lafetten oder auch Sattelschleppern abgeschossen werden
können. Die israelischen Lagerbestände dürften gegenwärtig rund 200 bis 300
Kernwaffen umfassen. Man wird die Meinung vertreten dürfen, daß dies für einen
Staat, der gerade mal so groß ist wie das Bundesland Hessen und kaum über sechs
Millionen Einwohner verfügt, ein stattliches Arsenal darstellt! Für Israel ist
der Besitz der Atombombe von entscheidender Bedeutung: Sie ist weniger im Sinne
der Abschreckung eines möglichen Angreifers zu verstehen, als vielmehr darin,
daß Israel damit in der Lage ist, durchaus im talmudischen Sinne an einem
potentiellen siegreichen Feind, Vergeltung üben zu können.[22]
In diesem Zusammenhang ist der Hinweis, daß der zionistische Judenstaat sich bis
heute weigert, den Atomwaffensperrvertrag zu unterzeichnen, nicht gerade
ermutigend. Israels Atomwaffenarsenal besteht aus Kernspaltungs-,
Wasserstoff- und Neutronenwaffen, die auf Minen, Granaten, Bomben und
Raketengefechtsköpfe verteilt sind. Schon in vier Nahost-Kriegen hat die
israelische Regierung den Einsatz ihrer Atomwaffen erwogen.[23]
Mit talmudischer Zweideutigkeit erklärte der damalige Ministerpräsident Yitzhak
Rabin 1975: »Israel wird nicht
als erstes Land Atomwaffen im Nahen Osten einführen. Wir können es uns aber
auch nicht leisten, die zweiten zu sein.«[24]
Das Votum der Politiker findet Unterstützung bei der Bevölkerung: Bei
repräsentativen Umfragen in der Vergangenheit fand sich zumindest eine kleine
Mehrheit, die keine moralischen Skrupel hätte, wenn Israel in einem Krieg
Massenvernichtungswaffen einsetzen würde.[25] Daß Israel bezüglich des Einsatzes von atomaren Waffen
tatsächlich keine Skrupel kennt, ist vielleicht selbst bei westlichen
Berufsdemokraten noch nicht ganz aus der Erinnerung verdrängt worden: Während
des Jom-Kippur-Krieges im Oktober 1973 wurde von der israelischen Regierung ein
Atomangriff nicht nur erwogen, sondern der Einsatzbefehl tatsächlich erteilt:[26]
Am 6. Oktober 1973 griffen die syrischen und ägyptischen Streitkräfte Israel an.
In diesem Zweifrontenkrieg konnten die Angreifer zunächst große Geländegewinne
erzielen. Als der Oberbefehlshaber des Nordkommandos Generalmajor Yitzhak Hofi an das israelische Hauptquartier
in Tel Aviv funkte, die Stellungen nicht mehr lange halten zu können, befahl
die damalige Premierministerin Golda Meir
nach einem Gespräch mit Kriegsminister Moshe Dayan
in der Nacht zum 9. Oktober den Einsatz von 13 Atomwaffen. Nur aufgrund
massiver US-Nachschublieferungen glückte den Israelis eine Gegenoffensive, so
daß am 14. Oktober der Atomalarm wieder aufgehoben wurde.[27]
Mitnichten ist die immanente Drohung der Israelis, atomare Waffen einzusetzen,
eine Ausnahme. Auch während des Krieges gegen den Libanon 1982 erwog
der damalige Verteidigungsminister Ariel Sharon,
Syrien mit Nuklearwaffen anzugreifen.[28]
Eine vernichtende Absicht, die sich sowohl von israelischen Politikern als auch
jüdischen Generalen immer wieder vertreten wird: Bereits 1980 waren die
Israelis zu dem »Untersuchungsergebnis« gekommen, daß der Irak zur stärksten
Macht am Golf würde. Vor allem gelte es, die »Atomrüstung Iraks zu bremsen«.[29]
Israel konnte und kann sein eigenes Atombombenmonopol nur durch eine aggressive
Präventivpolitik aufrechterhalten, indem es die ABC-Programme der arabischen
Nachbarstaaten sabotierte. So bombardierte die israelische Luftwaffe –
selbstredend ohne vorherige Kriegserklärung – am 7. Juni 1981 den im Bau
befindlichen Atomreaktor Osirak bei Bagdad, um auf diese Weise die Entwicklung
einer irakischen Nuklearbombe auf Jahre hinaus zu verhindern. Bereits am 28.
September 1998 machte der gerade zum Generalstabschef ernannte Generalleutnant
Shaul Mofaz den Vorschlag, auf
gleiche Weise den Iran anzugreifen: »Ein Präventivschlag war immer ein Teil von
Israels strategischen Optionen. Die Ausrüstung eines extremistischen Landes wie
dem Iran mit weitreichenden Raketen, die mit nicht-konventionellen
Raketengefechtsköpfen ausgestattet werden können, könnten auf längere Sicht zu
einer existentiellen Bedrohung Israels werden.«[30]
Als am 18. Januar 1991 die irakischen Streitkräfte im
Golfkrieg erstmals Al Hussein-Raketen auf Israel abfeuerten, wurden die
israelischen Streitkräfte in volle Gefechtsbereitschaft versetzt. Während der
17 Angriffe mit rund 40 Raketen hielt sich der Personen- und Sachschaden zwar
in Grenzen. Aber hätte der Irak seine Flugkörper mit chemischen Kampfstoffen
gefüllt oder den israelischen Atomreaktor Dimona zerstört, hätten die Israelis
mit aller Wahrscheinlichkeit mit
Nuklearwaffen zurückgeschlagen. Die israelische Zielliste jedenfalls umfaßte
rund 100 irakische Objekte.[31]
Zu guter Letzt: Während des NATO-Angriffskrieges gegen Serbien wollte der
Oberbefehlshaber der NATO-Truppen in Europa, der jüdische US-General Wesley K. Clark die im Raum Priczina operierenden
russischen Streitkräfte angreifen und bombardieren. Lediglich aufgrund der
Befehlsverweigerung des ihm unterstellten britischen General Michael Jackson wurde die immanente Gefahr
eines Atomkriegs auf europäischen Boden vereitelt – »I’m not going to start World War III«.[32] Alle vorgenannten Umstände wirken sich auf das
Bewußtsein der europäischen Völker aus. In einer europaweiten Umfrage der
Europäischen Union zum Thema »Irak und der Weltfrieden« vom Oktober 2003[33]
wurde den Befragten eine Liste mit Ländern genannt und gefragt: »Wer stellt
Ihrer Meinung nach von diesen Ländern eine Bedrohung des Weltfriedens dar.« 59
Prozent der Europäer benannten Israel. »65
Prozent der Deutschen fühlen sich der Umfrage zufolge von Israel bedroht«[34],
wobei der zionistische Judenstaat unangefochten in der Mißgunst stand, noch
weit vor den USA, Nordkorea, dem Iran, dem Irak und Rußland. In Österreich und
in den Niederlanden waren die Prozentsätze mit 69 bzw. 74 noch deutlicher
ausgefallen. Die Reaktion seitens zionistischer Funktionäre war eindeutig:
»Dieses schockierende Ergebnis«, daß Israel als größere Bedrohung empfunden
werde als der Iran und Nordkorea, so fauchte Rabbi Marvin Hier, Leiter des Simon Wiesenthal Zentrum in Los
Angeles, entbehre »jeder Logik« und stelle »eine rassistische Flucht der
Phantasie dar.« Es belege, »daß Antisemitismus tiefer in der europäischen
Gesellschaft verwurzelt« sei, als zu jeder anderen Zeit nach dem Zweiten
Weltkrieg – dies ist eine Behauptung, die natürlich auf die uneingeschränkte
Zustimmung zionistischer Organisationen stieß. Der Europäische Jüdische Kongreß
(EJC) faselte von einer »brandstifterischen Umfrage«, die nicht auf den
Nahostkonflikt ziele und allein Israel in den Vordergrund gestellt habe.[35]
Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses Edgar M. Bronfman bescheinigte Europa »ein riesiges
Antisemitismusproblem«. Der israelische Premierminister Ariel Sharon »warnte« die Europäer
unverzüglich vor ihrem »Antisemitismus«. Die Jordan Times
hingegen kommentierte das beeindruckende Umfrageergebnis mit den Worten: »Eine
mögliche Erklärung ist, daß 59 Prozent aller Schweden, Holländer, Spanier und
Italiener rasende Antisemiten sind, die ihre Zeit damit verbringen, jüdische
Friedhöfe zu schänden. Eine andere Möglichkeit ist, daß sie tatsächlich glauben,
Israels derzeitige Regierung stelle eine Bedrohung des Weltfriedens dar.« So
ist es! Man sollte die europäischen Völker nicht für dumm verkaufen. Den
Europäern – vor allem den europäischen Völkern im Mittelmeerraum, ist durchaus
klar, daß sie alle in Reichweite von Israels Atomraketen liegen. Diese Raketen
seien, so die jordanische Zeitung weiter, obendrein in die von Deutschland als Geschenk gelieferten
Delphin-U-Boote eingebaut worden, so daß prinzipiell jedes Land angegriffen
werden könnte. Dies ist mitnichten eine polemische Scharte, sondern eine
nüchterne Feststellung darüber, von wem eine tatsächliche Bedrohung im Vorderen
Orient ausgeht. Der Professor für Militärgeschichte an der Hebräischen
Universität Jerusalem und Israels bekanntester Militärhistoriker, Martin van Creveld,
bestätigte 2003 dieses Gefahrenpotential: »Wir besitzen mehrere hundert atomare
Sprengköpfe und Raketen, die wir auf alle Ziele in alle Richtungen abfeuern
können, sogar auf Rom,« schrieb van
Creveld in der Neuauflage von
David Hirsts klassischem Buch The Gun and the Olive Branch (Gewehr und Olivenzweig) zum
arabisch-israelischen Konflikt: »Die meisten europäischen Hauptstädte sind
Ziele unserer Luftwaffe«, bekannte van
Creveld und fuhr fort: »Ich möchte General Mosche Dayan zitieren:
›Israel muß sein wie ein tollwütiger Hund, zu gefährlich, um sich mit ihm
anzulegen.‹ [...] Unsere Armee ist nicht die 30-stärkste der Welt, sondern die
zweit oder drittstärkste. Wir haben die Fähigkeit, die Welt mit uns in den
Untergang zu reißen. Und bevor Israel untergeht, wird die Welt untergehen.‹«[36]
Werfe man nun nicht ein, diese morbide Vorstellung sei irreal! Israel hat in
den sechzig Jahren seines Bestehens aus seiner offensiven Militärdoktrin nie
einen Hehl gemacht. »Präventivschläge« gegen Nachbarländer gehören seit
Jahrzehnten zum festen Repertoire israelischer Außenpolitik. Rücksicht auf
Völkerrecht wird hierbei grundsätzlich keine genommen. Schon 1999 hatte der
israelische Premierminister Benjamin Netanjahu
gedroht, sollten auf Israel auch nur ein einziges Mal Katjuscha-Raketen
abgefeuert werden, »schlagen wir tausendfach zurück.«[37] Diese Aussagen
sind nicht als großmäuliges Geschwätz abzutun! Sie sind, wie Noam Chomsky
feststellt, Bestandteil der sich zunehmend radikalisierenden öffentlichen
Meinung in Israel. Der Ansicht vieler israelischer Gebildeter zufolge sollte
Israel ein »wahnsinniger Staat« werden, damit die Leute »begreifen, daß wir ein
wildes Land sind, gefährlich für unsere Nachbarn, nicht normal«, durchaus in
der Lage, »die Ölfelder abzufackeln« oder »den dritten Weltkrieg zu beginnen«,
einfach nur so, wenn nötig, mit Atomwaffen. Dann »werden sie vorsichtig mit uns
umgehen, um das verwundete Tier nicht zu reizen«.[38] Schon der faschistische Rabbiner Wladimir Jabotinski hatte am 27. Januar 1935 im Jewish Daily
Bulletin klargelegt: »Es gibt nur eine Macht in der Welt, die
wirklich zählt. Dies ist die Macht des politischen Drucks. Wir Juden sind die
mächtigste Nation der Welt, weil wir diese Macht haben und sie anzuwenden
verstehen.« Vor siebzig Jahren war damit primär die politische Macht gemeint
gewesen. Heute verfügt »die mächtigste Nation der Welt« über ein modernes
Atomwaffenpotential. Bei der Atombombe
als Massenvernichtungsmittel ist Israel freilich nicht stehengeblieben. In dem
bereits erwähnten Nuklearforschungszentrum Dimona ist auch eine unterirdische
Produktionsstätte für chemische Waffen untergebracht.[39]
Daß die Israelis an Giftgas arbeiten, wurde freilich nur zufällig – erst in
Folge eines Flugzeugabsturzes! – international bekannt: Nachdem ein Jumbo Jet
der israelischen Luftfahrtgesellschaft El Al am 4. Oktober 1992 in Amsterdam
abgestürzt war, kam es anschließend zu zahlreichen mysteriösen Krankheitsfällen
am Unfallort. Später stellte sich heraus, daß das Flugzeug 190 Liter Dimethylmethylphosphonat
(DMMP) von der Firma Solkatronic Chemicals im amerikanischen Morrisville
geladen hatte. DMMP wird zur Herstellung des Nervengases Sarin benötigt.[40] 1998 drang an die Öffentlichkeit – freilich ohne
weltweites Entsetzen zu verursachen –, daß israelische Wissenschaftler in Nes
Tziyona, dem Hauptforschungszentrum für chemische und biologische Waffen,
fieberhaft an der Entwicklung einer biologischen Waffe arbeiten, die nur
Araber, nicht aber Juden verletzt oder gar tötet. So futuristisch es klingen
mag; es handelt sich hierbei um eine Waffe, die sich ihre Opfer aufgrund
rassischer Zugehörigkeit »aussucht«. Die Idee der »Ethnobombe« fußt auf der
Tatsache der unterschiedlichen genetischen Merkmale der einzelnen
Menschenrassen. Die Technik basiert darauf, bestimmte (distinctive) nur von Arabern getragenen Gene zu identifizieren und
dann ein genetisch abgewandeltes (modified)
Bakterium oder einen Virus herzustellen, der die genetische Struktur des
Feindes verändert. Ein namentlich nicht genannter israelischer Wissenschaftler
gab zu, daß dieses Projekt extrem schwierig durchzuführen sei, da bekanntlich
sowohl Juden als auch Araber Semiten seien. Er fügte allerdings hinzu, daß
inzwischen ein genetischer Unterschied bei irakischen Arabern gefunden worden
sei. Die Waffe könnte über die Luft verteilt oder in das Wassersystem geleitet
werden um den Feind anzugreifen.[41]
Alle diese Warnungen und Drohungen sollten sehr Ernst genommen werden! Israel
ist kein unterentwickelter Wüstenstaat in Vorderasien, sondern eine der acht
oder neun Mächte auf dieser Welt, die über real existierende
Massenvernichtungswaffen verfügen, und sie einzusetzen bereit sind! Die arabischen Staaten und der Iran hingegen haben
sich längst kompromißbereit gezeigt. Nach dem im Dezember 2003 angekündigten
Verzicht Libyens auf Massenvernichtungswaffen hatten Iran und die Arabische
Liga berechtigterweise einen solchen Schritt auch von Israel gefordert. Hamid
Resa Assefi, Sprecher des
iranischen Außenministeriums, forderte weise, der gesamte Nahe Osten müsse eine
Region ohne Massenvernichtungswaffen werden. Die »internationale Gemeinschaft«
und die Verbündeten Israels müßten Druck ausüben, damit »das zionistische
Regime seine Massenvernichtungswaffen vernichtet«. Dies war eine Forderung, die
der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa,
bekräftigte. Auch er forderte die »internationale Gemeinschaft« auf, mehr Druck
auf Israel auszuüben, damit das Land den Atomwaffensperrvertrag unterzeichne.
Die Entscheidung Libyens reihe sich ein in die arabische Haltung, nach der der
Nahe Osten frei von Massenvernichtungswaffen sein solle. Internationaler Druck
auf Israel sei deshalb wichtig. Es sei unlogisch, für Israel eine Ausnahme
gelten zu lassen, während andere Staaten der Region zur Abrüstung aufgefordert
würden.[42]
Diese Forderung ist im Prinzip natürlich richtig – nur ist sie weltfremd, denn
sie übersieht die Machtverhältnisse in der mittlerweile fast vollendeten One World, die nicht zuletzt durch eine
vereinheitlichte Gesetzgebung und Geschichtsschreibung gekennzeichnet ist. Wobei wir wieder beim Iran angekommen wären. Präsident
Mahmud Achmadinedschad hatte im
Dezember 2005 das Recht auf freie Meinungsäußerung für sich in Anspruch
genommen und bekannt: »Einige europäische Länder pochen darauf, daß Hitler
Millionen unschuldiger Juden in Öfen getötet hat und sie pochen darauf so sehr,
daß sie jeden verurteilen und ins Gefängnis werfen, der etwas Gegenteiliges
beweist. Wir akzeptieren diese Behauptung nicht.«[43]
Die Reaktion, die dieses aufsehenerregende
Bekenntnis in Israel auslöste, ist in ihrer Diktion eindeutig und widerspiegelt
einmal mehr, von wem eine atomare Gefahr wirklich ausgeht. Der israelische
Außenminister Silvan Shalom
behauptete, »daß die Worte des iranischen Präsidenten eine klare Leugnung des
Holocaust darstellten und internationales Gesetz verletzten«. Er schlußfolgerte
daraus (!), daß der Iran daran gehindert werden müsse, »in den Besitz von
Nuklearwaffen zu gelangen.« Dieser Wink mit dem Zaunpfahl wurde vom
israelischen Kriegsminister Shaul Mofaz
umgehend angenommen. Mofaz
philosophierte, »daß die Kombination von extremem Haß und nuklearen Kapazitäten
sowohl den Staat Israel als auch westliche Staaten bedrohe. Angesichts der
iranischen Drohgebärden müsse Israel auch nicht-diplomatische Lösungen
vorbereiten.«[44] Diese
Ankündigung wiederum war ihrerseits eine echte Drohung – die in der westlichen
Wertegemeinschaft freilich keine Bestürzung hervorrief. Der »Holocaust« wird, wie dies beispielsweise Norman Finkelstein unumwunden erklärt, von den
Israelis als politische Waffe eingesetzt, um die Existenz ihres Staates zu
rechtfertigen.[45] Sie wird
aber auch eingesetzt, um den alttestamentarischen Glauben zu rechtfertigen: Die
Schaffung von Eretz Israel,
Groß-Israel, das sich vom Nil bis zum Euphrat erstreckt. Eine solche Absicht
verleiht auch dem Angriff auf den Irak im März 2003 einen tieferen Sinn, denn
Massenvernichtungswaffen hat es dort niemals gegeben und das hatten die
Aggressoren der westlichen Wertegemeinschaft natürlich vor Beginn ihres Angriffskrieges
gewußt. Die Invasion des Irak ist als nichts anderes zu sehen, wie dies der
deutsch-australische Revisionist Fredrick Töben
richtig darstellt, als ein im Auftrag Israels durchgeführter
Stellvertreter-Krieg der USA und ihrer »willigen Koalition« mit
expansionistischer Absicht. Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der
hochstilisierte Iran-Konflikt ist von grundsätzlicher Aussagekraft! Er
verdeutlicht nicht nur, auf welchem Fundament die BRD und die gesamte westliche
Wertegemeinschaft aufgebaut ist, er zeigt vor allem auf, wie sehr in der
»internationalen Gemeinschaft« gelogen wird! Am 2. Februar hieß es bei Spiegel
Online, daß der Iran weder über
Atomwaffen noch Material zur Herstellung derselben verfüge: »Iran verfügt nach
Einschätzung der US-Geheimdienste bisher weder über Atomwaffen, noch über das
dafür erforderliche Material.« Spiegel Online gab diese Erkenntnis mittels eines Zitats
von dem Geheimdienstdirektor
John Negroponte vor dem
Geheimdienst-Ausschuß des US-Senats in Washington wieder: »Wir schätzen, daß
Teheran wahrscheinlich noch keine Atomwaffe hat.« Iran habe wahrscheinlich auch
noch kein für die Atomwaffen-Produktion notwendiges spaltbares Nuklearmaterial
produziert oder erworben.[46]
Nur fünf Tage später, meine sehr verehrten Damen und Herren,
schlagzeilte yahoo.de das exakte Gegenteil: Washington
sei der Auffassung, daß der Iran sehr wohl Atomwaffen produzieren könne! »Der Iran verfügt nach Einschätzung des US-Außenministeriums
über die wissenschaftlichen und technischen Voraussetzungen zur eigenständigen
Produktion von Atomwaffen. Das Land habe ›enorme Ressourcen‹ sowohl in
finanzieller als auch in wissenschaftlicher und technischer Hinsicht, sagte der
im Ministerium für die Nicht-Verbreitung von Atomwaffen zuständige Beamte Robert
Joseph. Mit diesen Mitteln sei Teheran in der Lage, Atomwaffen zu entwickeln
und zu nutzen.«[47] Das mutige Bekenntnis Achmadinedschads steht im eklatanten Widerspruch zu der
offiziellen Geschichtsschreibung in den westlichen Demokratien, in denen –
allen voran bezüglich »des Holocaust« – historische Deutungen vorgeschrieben
und abweichende Meinungen hiervon als Verbrechen stigmatisiert werden, und
oftmals von strafrechtlicher Relevanz sind. Dabei fußt die Meinungsäußerung des
iranischen Präsidenten keineswegs auf Provokation oder Unwissen, sondern ist
fundiert, sagt sie doch nichts anderes aus, als das, was unter anderem der
Experte in Sachen Holocaustfragen Raul Hilberg
bereits vor 20 Jahren festgestellt hatte: Die Toronto Sun
berichtete am 18. Januar 1985, daß Hilberg
vor Gericht eingeräumt habe, »no
scientific study or autopsy has ever been done to prove the existence of Nazi
gas chambers.« Wäre es nicht längst
angeraten, diesen Mißstand endlich aus der Welt zu räumen? Freilich, ansatzweise machen sich sogar in der BRD
Wissenschaftler kritische Gedanken über den veröffentlichten Kenntnis- und
Forschungsstand und damit über die gängige Historiographie. Werner Maser beispielsweise hat als einer der
wenigen ernstzunehmenden Historiker im bundesdeutschen Establishment zumindest
die Kontroverse bezüglich der Zahlen angeblicher Opfer mutig geführt, und
darüber hinaus neue Perspektiven offengelegt: Er hatte beispielsweise die
Zivilcourage zuzugeben, daß die »Zeugenberichte über die Anzahl der Öfen, das
Fassungsvermögen der Gaskammern und Krematorien, die Anzahl der jeweiligen
Vergasungsopfer, die Gassubstanzen, die Dauer der Vergasungen, die Herausnahme
der vergasten Opfer und die Verbrennungsvorgänge usw.« sich vielfach einander
erheblich widersprechen. Natürlich war sich Maser
seiner Gratwanderung bewußt und klug genug, um hierauf lapidar festzustellen:
»[W]orauf hier nicht weiter einzugehen ist.«[48] Einen Schritt weiter ging jedoch im Frühjahr 2002 der Spiegel-Redakteur Fritjof Meyer. Sich auf bislang
unveröffentlichte Dokumente und Archivfunde stützend, stellte er fest, daß in
Auschwitz »mutmaßlich 510.000 Tote« zu beklagen seien, wovon es »wahrscheinlich
356.000 im Gas ermordete« Menschen gegeben habe. Nach dem Stand der Dinge
handelt es sich heute, schenkt man dem Beitrag Meyers Glauben, also um 356.000 vergaste Menschen. Abgesehen
davon, daß diese Forschungsergebnisse geradezu sensationell sind, da sie anders
lautenden seit Jahrzehnten als historische Tatsachen manifestierte Behauptungen
eklatant widersprechen, ist man damit selbst in der zeitgeistkonformen
Forschung inzwischen bei einer Opferzahl angelangt, die äquivalent zu anderen
Greueln während des Zweiten Weltkrieges ist: so kamen am 6. August 1945 in
Hiroshima binnen weniger Stunden weit über 350.000 Japaner um, mindestens
ebenso viele Menschen sind zuvor am 13./14. Februar 1945 während des
anglo-amerikanischen »Bomben-Holocaust« in Dresden getötet worden. Derartige mutige Vorstöße, wie von Maser und Meyer, finden sich bei bundesdeutschen Berufspolitikern und Juristen
in der Regel nicht. Nicht die so dringend nötige geistig-politische
Auseinandersetzung steht bei ihnen auf der Agenda, sondern Drohung,
Einschüchterung und Eingriffe in grundgesetzlich geschützte Bürgerrechte!
Hierzu ein jüngstes Beispiel: Auf Weisung des Brandenburgischen
Innenministeriums wurde Ende Januar 2006 dem potentiellen deutschen
Gastsprecher in Teheran, Horst Mahler,
der Reisepaß entzogen. In der Begründung des Ministeriums heißt es, daß die
Teilnahme Mahlers an einer
solchen Konferenz »zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Belange der
Bundesrepublik Deutschland« führen und »dem internationalen Ansehen
Deutschlands schaden«[49]
würde. Die Durchführung der besagten Konferenz in Teheran
wäre von immenser Bedeutung! Um den Vorwurf der Einseitigkeit von vornherein zu
umgehen, sollten die iranischen Organisatoren jedoch unbedingt darauf achten,
ein möglichst breites Spektrum von Wissenschaftlern und Forschern einzuladen.
Andernfalls verfiele dieses intellektuelle Zusammenkommen, dessen Bedeutung gar
nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, wie viele andere Konferenzen zum
diesem Thema, zu einer Farce. Das fanatische Festhalten der westlichen
Wertegemeinschaft an der tabuisierten »Holocaust-Religion«, die internationale
Durchsetzung derselben gar unter Androhung des Einsatzes von Atomwaffen zu
erzwingen, belegt, daß das »Holocaust-Dogma« längst zu der politischen
Waffe der Globalisten geworden ist. Dieser Aufnötigung stellt sich der
souveräne Staat Iran selbstbewußt entgegen – nicht mehr und schon gar nicht
weniger, und schon deswegen gebührt ihm unser Respekt und unsere Solidarität. [1] »Aus trüber Quelle«, in: Die Zeit v. 1.2.2006. [2] Vgl. »›Ungezügelte Politik antisemitischer Verhetzung‹«, in: Spiegel Online v. 17.1.2006. [3] Nahum
Goldmann, Das jüdische Paradox. Zionismus und Judentum nach Hitler, Köln
1978, S. 126. [4] Ebenda, S. 171. [5] Vgl. Nana Sagi,
Wiedergutmachung für Israel. Die deutschen Zahlungen und Leistungen,
Stuttgart 1981, S. 208. Siehe auch Moshe Brilliant, Portrait of
Israel, New York 1970, S. 254f. [6] Vgl. Jüdische
Allgemeine v. 2.2.2002, S. 1 [7] Vgl. Harald Neubauer,
»Wer stoppt Israel?«, in: Nation &
Europa, Heft 5/2002, S. 3-4. [8]Angela Merkel, »Deutschlands geschichtliche und gegenwärtige Verantwortung«, in: Die Welt v. 11.12.2003. [9] Georg Wiesholler, Israel. Eine historisch-kritische Betrachtung, Ottobrunn 42004, S. 47f. [10] Thorsten Schmitz, »Solidarität mit Israel ist ›unkündbar‹«, in Süddeutsche Zeitung v. 14.2.2006, S. 8. [11] William E. Burrows & Robert Windrem,
Critical Mass, London 1994, S. 292f. [12] Vgl. Benjamin
Beit-Hallami, Schmutzige Allianzen. Die geheimen Geschäfte Israels,
München 1988, S. 138 und 159f. [13] Avner Cohen, Israel and the
Bomb, New York 1998, S. 441. [14] Heinz Kozak & Mosche Meisels, »Israel«, in: Österreichische Militärische Zeitschrift, Heft 4/1998, S. 464. [15] Vgl. ebenda, S. 464. [16] Martin Streetly, World
Electronic Warfare Aircraft, London 1983, S. 35f. [17] Vgl. Yoel Cohen,
The Whistleblower of Dimona. Israel,
Vanunu, and the Bomb, New York 2003, S. 299. [18] Vgl. Jürgen Streich,
Die neuen Atommächte. Wer sie sind und
was sie wollen, Hamburg 1993, S. 74. [19] Vgl. Victor Ostrovsky, Geheimakte
Mossad - Die schmutzigen Geschäfte des israelischen Geheimdienstes, München,
1994, S. 266ff. und Victor Ostrovsky & Claire
Hoy, By Way of Deception. The Making and Unmaking of a Mossad Officer, New York 1990, S. 150f. [20] »Israel bigger nuke threat«, in: The Citizen (Johannesburg) v. 8.10.2004,
S. 13. [21] »Atomspion Vanunu hofft auf Ausreisegenehmigung« [Interview mit Mordechai Vanunu.], in: Spiegel TV, zitiert nach www.spiegel.de. [22] Vgl. Benjamin
Beit-Hallami, o.o.A., S. 161. [23] »Israels Atomstreitkräfte«, in: http://www.antimilitarismus-information.de/ausgaben/2001/3-01_2.htm [24] Yoel Cohen, Die Vanunu-Affäre. Israels Geheimes Atompotential, Heidelberg 1995, S. 9. [25] William E. Burrows & Robert Windrem,
Critical Mass, London 1994, S. 313. [26] Vgl. Yossi Melman, The New
Israelis. An Intimate View of a Changing People, New York 1992, S. 80. [27] Vgl. Jürgen Streich, a.a.O., S. 72 [28] Yoel Cohen, Die Vanunu-Affäre. Israels Geheimes Atompotential, Heidelberg 1995,
S. 24 [29] Ephraim Lahav, »Israelische Analyse: Irak wird stärkste Macht am Golf«, in: Die Welt, 26.9.1980, S. 1. [30] Ed Blanche, »Israel mulls strike on Iran«, in: Jane’s Defence Weekly v. 7.10.1998, S.
27. [31] Warner D. Farr,
»The Third Temple's Hoy of Holies: Israel’s Nuclear Weapons, US Air Force
Counterproliferation Center«, in: Maxwell
AFB, Nr. 9/1999, http://www.fas.org/nuke/guide/israel/nuke/farr.htm [32] »Robert Fisk on Wesley Clark & Iraq: ›What is Happening Is An Absolute
Slaughter Every Night of Iraqi People‹«, in: Democracy now! v. 18.9.2003, in:
http://www.democracynow.org/article.pl?sid=03/09/18/1757243 [33] www.nahost-politik.de/europa/eu-studie.htm [34] Katja Ridderbusch, »Laut Umfrage sehen EU-Bürger in Israel die größte Gefahr für den Weltfrieden«, in: Die Welt, 4.11.2003, S. 6. [35] Vgl. Danièle
Weber, »Israel: Feind Nummer eins«, in: Jungle World v. 12.11.2003. [36] Gwynne Dyer, »Europas Antisemiten«, in: The Jordan Times v. 5.11.2003, in:
http://jordantimes.com/Wed/opinion/opinion4.htm [37] »Netanjahu stellt baldigen Rückzug aus
Südlibanon in Aussicht«, in: Süddeutsche
Zeitung v. 3.3.1999, S. 8. [38] Noam Chomsky, Keine Chance für Frieden. Warum mit Israel
und den USA kein Palästinenserstaat zu machen ist, Leipzig 2005, S. 104. [39] William E. Burrows
& Robert Windrem, Critical Mass, London 1994, S. 286. [40] Martijn Delaere & Tamir Eshel,
»Chemical cargo report prompts crash inquiry« in: Jane‘s Defence Weekly v. 14.10.1998, S. 6. [41] Uzi Mahnaimi und Marie Colvin,
»Israel planning ›ethnic‹ bomb as Saddam caves in«, in: The Sunday Times (London) v. 15.11.1998. vgl. David Duke, Jewish
Supremacism, S. 238. [42] »Israel soll auf Massenvernichtungswaffen verzichten«, in: Die Welt v. 21.12.2003. [43] Zitiert nach »Scharon droht mit Israels Militärmacht«, in: Spiegel Online v. 14.12.2005. [44] »Neue Grobheiten
Ahmedinedjads gegen Israel«, in: Neue
Zürcher Zeitung v. 10.-11./12.2005, S. 1. [45] Siehe Norman Finkelstein,
The Holocaust Industry. Reflections on the Exploitation of Jewish Suffering, London/New York 2000. [46] »Iran hat weder Atomwaffen noch Material dafür«, in: Spiegel Online vom 2.2.2006 [47] »Washington: Iran kann Atomwaffen
produzieren« in: www.yahoo.de v. 7.2.2006,
08:30 Uhr [48] Werner Maser, Fälschung, Dichtung und
Wahrheit über Hitler und Stalin,
München 2004, S. 350. [49] Mariam Lau, »Mahler
darf nicht zur Holocaust-Konferenz«, in: Die Welt v. 31.1.2006. © Dr. Claus Nordbruch Februar 2006 Zur detaillierten Vertiefung des Themas: Claus Nordbruch, Der Angriff, Tübingen 2003, Klappenbr., viele Abb., 444 Seiten, 19,80 € Claus Nordbruch, Zündeln am Pulverfaß, in: Deutschland in Geschichte und Gegenwart, Nr. 1/2006, S. 2-10. |