Gewalt und Terror
- nicht mehr und nicht weniger

Natürlich ist jeder, der nicht ein ausgesprochener Menschenhasser oder abgestumpfter Ignorant ist, entsetzt über Bilder von Menschen, die von Bombenexplosionen zerfetzt worden sind. Das gilt für die unschuldigen Opfer des 11. September ebenso wie für die jüngsten Opfer in London. Das galt früher für die Napalmopfer Vietnams sowie gegenwärtig für die durch Splitterbomben Verstümmelten in Afghanistan und im Irak. Und es wird für die künftigen Opfer im Iran und in Syrien gelten. Aufrichtige Trauer und echtes Entsetzen über Gewalt und Terror ist wahrlich unteilbar und kennt keine ethnischen Grenzen. Und doch erweist sich die vordergründige Formel »Die Anglo-Amerikaner haben aus imperialistischen Gründen die Gewalt begonnen und ernten nun, was sie gesät haben« bei näherer Betrachtung der tatsächlichen Umstände als viel zu kurzsichtig.

Als es in der BRD noch wortgewaltige Linksintellektuelle gab, ist mit dem Thema Gewalt und Terror oftmals anspruchsvoll und vor allem öffentlich umgegangen worden. Heinrich Böll beispielsweise engagierte sich gegen die Gewalt, die in den siebziger Jahren vom Staat ausging. Peter Brückner und Jürgen Seifert – wer kennt heute noch ihre Namen? – setzten sich kritisch und konstruktiv mit dem sogenannten Verfassungsschutz auseinander, der nachweislich in vielen Gewalttaten direkt und indirekt involviert war. Diese Zeiten sind vorbei, obgleich die Geheimdienste heute mehr denn je in Terroranschläge und Attentate verstrickt sind. Diesbezüglich so dringend notwendige Hintergrundinformationen werden durch die Massenmedien bezeichnenderweise nicht verbreitet. Die Einseitigkeit und Einfältigkeit in den Medien genießt totale Luftüberlegenheit. Heute sind die ehemaligen Vertreter des Linksintellektualismus, sofern sie nicht verstorben sind, längst die Büttel des Systems, das sie einst vorgaben zu bekämpfen.

Viele Aspekte über Gewalt und Terror gehen in der gegenwärtigen Berichterstattung verloren oder werden schlicht totgeschwiegen. Es tut schon aus diesem Grunde not, sich ein ebenso unkonventionelles wie undogmatisches Denken zu leisten. Hinter den jüngeren und jüngsten Anschlägen, verbirgt sich viel mehr als uns die mediale Einheitsfront von Spiegel bis Welt von »Tagesthemen« bis »Panorama« vormachen will!

Der amerikanische Journalist und Historiker Webster Griffin Tarpley beispielsweise, seines Zeichen ein unbestrittener Experte in Sachen Hintergrundinformationen zu Terroranschlägen (vergleiche http://www.waronfreedom.org), gibt viel Detailwissen weiter, das den Redakteuren der hierzulande selbstredend »unabhängigen und freien« Presse entweder verborgen bleibt oder aber von ihr verschwiegen wird. Keiner dieser beiden Gründe gereicht ihnen zur Ehre. Bereits 1978 enthüllte Tarpley, daß die Roten Brigaden nichts anderes als die Marionetten der – heute würde man sagen: neokonservativen – Geheimloge P2 waren. Mit den Anschlägen zum 11. September verhält es sich sehr ähnlich, wie dies im deutschen Sprachraum zum Beispiel Gerhoch Reisegger, Mathias Bröckers, Gerhard Wisnewski und Andreas von Bülow überaus eindrucksvoll dargelegt haben.

Spinnen wir das Rad doch einmal weiter: Was wäre, wenn Al Qaida sich als nichts anderes als eine Filiale der anglo-amerikanischen Nachrichtendienste entpuppen würde? Dann hätte die »westliche Wertegemeinschaft« den Terrorismus selbst geschaffen und hergestellt. Tatsächlich sprechen viele Argumente für und nicht etwa gegen diesen auf den ersten Blick abstrus erscheinenden Gedanken des sogenannten »synthetischen Terrorismus«. In diesem Zusammenhang sei stellvertretend nur an das Zusammenspiel des britischen Geheimdienstes MI 5 mit Al Qaida gegen den Staatschef Libyens, Oberst Muammar al Ghaddafi, auf den 1995 ein blutiges Attentat verübt worden war, erinnert. 1998 bestätigte der frühere MI-5-Offizier David Shayler, daß der britische Geheimdienst das Attentat finanziert habe. In der Folge kam Libyen – und nicht etwa die USA! – mit dem ersten internationalen Haftbefehl gegen Bin Laden heraus. Nach dem 11. September gab Ghaddafi Al Dschasira ein Interview und erklärte bezeichnenderweise: »Wenn es Amerika ernst meinte mit der Ausmerzung des internationalen Terrorismus, sollte es als erste Hauptstadt London mit Cruise Missiles angreifen.«

Die Täter und die Auftraggeber sind beim synthetischen Terrorismus ganz unterschiedliche Leute. Als Täter instrumentalisiert man gerne labile Menschen, die sich gut als Sündenbock eignen und mit deren Hilfe man Spuren in die falsche Richtung legen kann. Hierzu zählen etwa Lee Harvey Oswald, der Kennedy-Mörder, der im übrigen ausgezeichnete Beziehungen zur Sowjetunion unterhielt. Dies gilt nicht minder für die zweifelhafte Gestalt Demetrio Tsafendas, den Mörder des Ersten Ministers Südafrikas, Dr. H. F. Verwoerd, welcher von jenem am 6. September 1966 im Parlament erstochen wurde. Weder Oswald noch Tsafendas hätten allein auf sich selbst gestellt ihre Attentate, die das Weltgeschehen verändern sollten, ausführen können. Genausowenig wie Mohamed Atta am 11. September 2003 ein Passagierflugzeug ins World Trade Center hätte steuern können. Die Auftragstrottel, wie Tarpley diese Sorte Attentäter in einem jüngst erschienenen Interview in der jungen Welt bezeichnet, sind, meist ohne sich dessen selbst bewußt zu sein, nur die Bauern in einem großen Spiel. An der Richtigkeit dieser Feststellung kann nicht ernsthaft Zweifel bestehen.

Dennoch bleibt freilich die Frage offen, wer nun hinter diesen und ähnlichen Anschlägen tatsächlich steht. Tarpley gibt hierfür eine Antwort, die dankenswerterweise nicht mit der längst überfälligen Deutlichkeit hadert: »Ich gehe von einer Geheimregierung in den USA aus, die sich spätestens zu Beginn der 60er Jahre etabliert hat. Gründer waren CIA-Chef Allan Dulles, Außenminister John Forster Dulles und Lyman Lemnitzer, der die Operation Northwood erfunden hat – mit entführten Flugzeugen sollten US-Städte angegriffen und das Ganze Kuba in die Schuhe geschoben werden. Später gründete er als NATO-Oberbefehlshaber Europa die bereits erwähnten Gladio-Einheiten für verdeckte Operationen. Diese klandestine Struktur hat alles angezettelt: den Kennedy-Mord, den Tongking-Zwischenfall zur Entfesselung des Vietnamkrieges, die Iran-Contra-Affäre, den 11. September.« (junge Welt v. 26.7.2005)

Daß das politische Mittel Gewalt und Terror von, nennen wir sie ruhig, sinisteren Kräften geplant und vorbereitet und mit Hilfe nützlicher Idioten immer wieder rigoros durchgesetzt wird, ist freilich keine einzigartige Erscheinung der Gegenwart. In den dreißiger Jahren waren die bestialischen polnischen Übergriffe gegen Deutsche in den seit dem Ersten Weltkrieg besetzten Gebiete Ostdeutschlands gezielte Mittel, einen Krieg zu provozieren. Einen Krieg zu provozieren mit einem Staat, der sich als das gefährlichste Bollwerk gegen die Errichtung der One World entpuppt hatte.

Und heute? Gegen welche Länder richtet sich gegenwärtig der Terror? Wofür stehen diese Staaten ein und gegen wen oder was begehren sie auf? Wem nützen die Terroranschläge von New York und London? Was anderes sollten die jüngsten Anschläge zum Ziel haben, als Verunsicherung unter der jeweiligen Bevölkerung zu schaffen, eine weitere Verschärfung sogenannter Sicherheitsgesetze durchzusetzen, die in der endlichen Abschaffung bürgerlicher Freiheiten mündet? Nennen wir das Kind doch endlich beim Namen: Die Anschläge – Gewalt und Terror – dienen als vermeintliche Rechtfertigung, souveräne Staaten, die sich der Errichtung des anvisierten globalen Einheitsstaates noch entgegenstellen, auszulöschen bzw. zu transformieren. Nicht mehr und nicht weniger.

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