Die Atommacht Israel, palästinensische Katjuschas und Obamas Zionisten
Angesichts der »andauernden Raketenangriffe«, so wollen westliche Medien Glauben machen, sei Israel »gezwungen« gewesen, zu »Vergeltungsmaßnahmen« zu greifen. Diese Behauptung ist ebensowenig originell wie tatsachenbezogen. Bei diesem von Zionisten in die Welt gesetzten und seit Jahren monoton wiederholten Scheinargument handelt es sich um einen kriegspropagandistischen Vorwand, um einen neuen israelischen Angriffskrieg rechtfertigen zu können.
In Israel übertreffen die Rüstungsausgaben alle anderen Ausgaben des Staates, die Sozialausgaben inklusive. Die israelische Armee zählt, dank massiver US-amerikanischer und bundesdeutscher Unterstützung, gegenwärtig zu den bestausgerüsteten Streitkräften der Welt. Ihre besondere Stärke beruht auf modernen High-Tech-Waffen. Israel verfügt über etwa 200 Atombomben, die mit Jericho-Raketen bis zu 1500 Kilometer weit ans Ziel gebracht werden können. Rückgrat des 125.000 Mann starken Heeres sind 3.600 Kampfpanzer, darunter etwa 1.200 amerikanische M-60 und M-48 sowie mehr als 200 britische Centurion. Eine Eigenentwicklung ist der schwere Typ Merkava. Diese 1.680 Kettenfahrzeuge haben eine zusätzliche Panzerung und eine Reichweite bis zu 500 Kilometer. Die israelische Luftwaffe kann unter anderem auf etwa 400 Kampfflugzeuge, darunter 110 der US-Typen F-16 Falcon und 89 F-15 Eagle zurückgreifen. Für bodennahe Kämpfe eignen sich die nahezu 40 Skyhawk und Dutzende Angriffshubschrauber der Typen Apache, Cobra und Black Hawk. Die israelische Marine zählt 8.000 Mann und verfügt über je drei mit Raketen bestückte U-Boote und Korvetten sowie mehrere Dutzend Patrouillen- und Schnellboote für den Einsatz in Küstennähe.
Es ist aufschlußreich, diesem gigantischen Waffenarsenal die Bewaffnung der Palästinenser gegenüberzustellen, um sich ein sachliches Bild über »andauernden Raketenangriffe« bilden zu können, die ja als Grund herhalten müssen, daß Israel nun »gezwungen« gewesen sei, zu »Vergeltungsmaßnahmen« zu greifen.
Die Palästinenser verfügen über keinerlei Panzer, keinerlei Flugzeuge, keinerlei Kampfhubschrauber, keinerlei Kriegsschiffe, keinerlei U-Boote. Ihren Kampf führen sie mit Steinen, Molotowcocktails, Handgranaten, Sturmgewehren und Kurzstreckenraketen. Diese »Raketen« sind im wesentlichen in zwei Typen aufzugliedern. Erstens handelt es sich um Katjuscha-Raketen, ein Sammelbegriff für kleinkalibrige Bodenraketen. Die Hisbollah soll über etwa 12.000 Katjuschas verfügen. Katjuschas leiden an einer großen Flächenstreuung, das heißt, sie besitzen nur geringe Treffergenauigkeit. Ihre Reichweite liegt zwischen 25 und 50 Kilometer. Die Raketen sind 1,5 bis 2 Meter lang und haben ein Kaliber von 122 Millimetern. Zweitens handelt es sich um die Kassam-Boden-Boden-Raketen. Diese verhältnismäßig einfache Kurzstreckenwaffe besteht aus einem mit Treibstoff gefüllten Rohr und einem Sprengkopf. Die Raketen (Kassam-3) sind mit rund 20 Kilogramm Sprengstoff beladen. Die Kassam-4 soll bis zu 15 Kilometer weit fliegen können. Die Zielgenauigkeit des mehr als zwei Meter langen Flugkörpers ist äußerst gering.
Soviel zur Bewaffnung der beiden ungleichen Gegner. Ende Dezember hat nun der zionistische Staat einmal mehr seine Streitkräfte gegen die seit Jahrzehnten unterdrückten und hoffnungslos unterlegenen Palästinenser in Marsch gesetzt. Diesmal scheint dem palästinensischen Volk im Gazastreifen-Freiluftkonzentrationslager, nichts anderes sind die »palästinensischen Territorien«, im wahrsten alttestamentarischen Sinne der Garaus gemacht zu werden.
Wie in allen seinen Kriegen und Überfällen schert sich Israel einen Dreck um internationale Vereinbarungen oder das Kriegsvölkerrecht. Die Zivilbevölkerung wird erbarmungslos bombardiert, Kinder mit Maschinengewehrgarben beschossen, Krankenhäuser, Schulen und Gebetshäuser, in denen oftmals Frauen, Kinder und hilfsbedürftige Menschen Zuflucht suchen, dem Erdboden gleichgemacht. Sogar dem Internationalen Roten Kreuz sind unlängst diese Verbrechen aufgefallen. Israels Armee habe Helfern Zugang zu Opfern verwehrt, Kinder seien bei ihrer toten Mutter beinahe verhungert, Lastwagen mit Hilfslieferungen seien beschossen worden. So verurteilenswert diese Verbrechen ohne Frage sind, neu sind sie nicht. Belesene Beobachter wissen längst, daß israelische Soldaten gezielt auf ihre Opfer schießen, nicht etwa um sie zu töten, sondern in der Absicht, sie so schwer wie möglich zu verletzen, zu verstümmeln und für den Rest ihres Lebens zum Pflegefall zu machen. Schüsse mit Hochgeschwindigkeits- und Explosivmunition oder die Verwendung von Dum-Dum-Geschossen in die Gelenke oder in die Muskeln von Armen und Beinen sehr häufig. Gezieltes Schießen in die Augen von Kindern wird in der israelischen Armee sogar intensiv trainiert.
Dieser Vernichtungswahn in talmudischem Geiste durchläuft die ganze Geschichte Israels. Den von der New York Times am 23. Oktober 1979 veröffentlichten unzensierten Tagebuchaufzeichnungen des ehemaligen israelischen Premierpräsidenten Jitzhak Rabin zufolge, hatte seinerzeit der erste israelische Premierminister David Ben-Gurion auf die Frage, wie mit den Palästinensern zu verfahren sei, gesagt: »Schmeißt sie raus!« Die augenblickliche Bombardierung des Gazastreifens ist der letzte Schrift, dieses zionistische Ziel endlich zu erreichen und den seit 60 Jahren schwelenden Völkermord abzuschließen. Seit Jahrzehnten sind die Palästinenser im Gazastreifen eingepfercht. Sämtliche Ein- und Ausgänge werden von Israel kontrolliert. Damit natürlich auch jede Einfuhr von Lebensmitteln und Medikamenten. Die Palästinenser sind auf Gedeih und Verderb den in Israel herrschenden Zionisten ausgeliefert. Wenn sie, wie in der Vergangenheit an der Tagesordnung war, nach Gutdünken die Grenzposten schließen, sitzen die Palästinenser in der Falle, aus der es kein Entweichen gibt. Unter solchen Umständen brauchen die israelischen Kampfflugzeuge und Panzer nur drauf zu halten. Getroffen wird immer.
Und »die Welt« schaut diesem Abknallen gelangweilt zu. Oder solidarisiert sich gar mit dem Tyrannen. Joschka Fischer beispielsweise hatte vor wenigen Tagen die Chuzpe, die Merkelregierung für ihre Solidarität mit Israel zu loben: »Wir sind parteiübergreifend solidarisch mit Israel, und das ist Teil unserer Staatsräson seit Gründung der Bundesrepublik«. Angesichts solch notorischer Hörigkeit, wäre ein grundsätzlicher Wechsel in Berlin dringend geboten! Oder ein change, wie in den USA eine elementare Veränderung bezeichnet wird, und die mit Barack Obama nun eintreten soll.
Optimistische Erwartungen sollten diesbezüglich nicht zu hoch geschraubt werden. Der Einfluß der Zionisten auf Obama ist wenigstens so groß wie er in der Vergangenheit auf alle Präsidenten der USA seit Woodrow Wilson gewesen ist. Die amerikanische jüdische Wochenzeitung Forward hatte bereits 2002 klargestellt, an welche Richtlinien sich US-Präsidenten zu halten haben und nach wessen Fidel hier getanzt wird. Starke Konsequenzen würden folgen, wenn sich die Unterstützung Israels bloß in der banalen Unterstützung des jeweiligen israelischen Premiers zeigte. Amerikanische Juden und pro-Israel eingestellte konservative Christen seien mächtig genug, derartigen Druck auszuüben, daß ein Präsident gezwungen wäre, zurückzutreten oder nicht mehr gewählt werden würde. Von den USA werde nichts weniger als die bedingungslose Solidarität erwartet!
Unter solchen Umständen überrascht es kaum, daß auch in Obamas Kabinett die jüdischen und nichtjüdischen Zionisten die Schlüsselpositionen sowohl in der Regierung als auch in den Denkfabriken (think-tanks) halten: Vize-Präsident wird bekanntlich Joseph Biden. Seit den frühesten Jahren seiner Senatorenzeit ist er als fanatischer Unterstützer Israels und der zionistischen Politik aufgefallen. 2007 trat er mit dem bezeichnendem Bekenntnis hervor: »Ich bin Zionist. Man muß kein Jude sein, um Zionist sein können«. Über die Außenministerin Hillary Clinton muß nichts mehr gesagt werden. Sie ist in der Vergangenheit auf unzähligen Veranstaltungen als fanatische Sympathisantin des Zionismus und mit geradezu unglaublichen Solidaritätserklärungen für Israel unangenehm aufgefallen. Der demokratische Kongreßabgeordnete Rahm Emanuel wird Stabschef im Weißen Haus. Dies ist ein Schlüsselamt in der Besetzung der neuen Regierung. Übrigens entstammt Emanuel, der »jüdische Stern, der über dem Capitol« aufgegangen sei (Jewish Journal), einer einschlägigen Familie. Sein Vater, Benjamin M. Emanuel, war Mitglied der militanten zionistischen Terrororganisation Irgun, welche vor der Gründung Israels unzählige Greuel in Palästina begangen hatte. Die Sprengung des King David Hotels zählt zu diesen ungesühnten Verbrechen ebenso wie das Massaker von Deir Yassim, bei dem Hunderte palästinensische Dorfbewohner regelrecht abgeschlachtet wurden. Wobei wir wieder bei den gegenwärtigen barbarischen Angriffen der israelischen Armee auf die Palästinenser im Freiluftkonzentrationslager Gaza angekommen wären.
Es wird keinen »Wechsel« unter Präsident
»Change« Obama geben. Israel kann ganz beruhigt sein: Das israelische Militär
und die zionistischen Siedler werden auch künftig an ihrer
menschenrechtsverletzenden und gewalttätigen Politik gegenüber Palästinensern
festhalten können, ohne auch nur im geringsten Sanktionen oder Repressionen
erwarten zu müssen. Ob die arabischen Staaten und der Iran diesem todbringenden
Treiben allerdings weiterhin tatenlos zusehen werden, bleibt
abzuwarten.
Claus Nordbruch, verfaßt am 9. Januar 09 für den Euro-Kurier (Tübingen)