Wer denkt in Zeiten der Entschädigungen an deutsche Frauen und Mädchen?
(Vorliegender Artikel beruht auf den Rechercheergebnissen des Verfassers im Bundesarchiv, die bei Grabert (Tübingen) in Form eines Buches »Der deutsche Aderlaß« (ISBN 3-87847-194-7), im Mai 2001 erschienen sind. Der Artikel wurde in Signal (Heft 1/2001) abgedruckt und ist dort mit entsprechenden Fußnoten nachzulesen.)
Die Frauen werden besonders vor jedem Angriff auf ihre Ehre und namentlich vor
Vergewaltigung, Nötigung zur gewerbsmäßigen Unzucht und jeder
unzüchtigen Handlung geschützt.
Art. 27 Genfer Abkommen zum Schutze von Zivilpersonen in Kriegszeiten
Angesichts der medienwirksamen Kampagnen zur Entschädigung von Menschen, die im Dritten Reich tatsächlich oder vermeintlich unter Deutschen gelitten haben, scheint die Zeit über das Schicksal deutscher Opfer hinweggeangen zu sein. In der Vergangenheit sind zwar viele lesenswerte Aufsätze und Bücher über die Vertriebenen und - allerdings weitaus weniger - auch einige Wortmeldungen über zur Zwangsarbeit verschleppte Deutsche publiziert worden. Bei der nun zu schildernden Tragik, handelt es sich aber um eine Thematik, die bislang weder in der bundesdeutschen und österreichischen Nachkriegsliteratur noch in der historischen Wissenschaft gebührend behandelt worden ist. Dabei sind die meisten Deutschen davon betroffen: Direkt Millionen Mädchen und Frauen, indirekt Millionen Ehemänner und Nachkommen dieser Frauen.
Wir sprechen von den an Deutschen begangenen Massenvergewaltigungen während bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg. Es handelt sich hierbei nicht etwa um Einzel- oder Ausnahmefälle, sondern um Massenverbrechen. Sie gehören zu den grauenhaftesten völkerrechtwidrigen Gewalttaten der Kriegs- bzw. Nachkriegszeit überhaupt. Vergewaltigt wurden im Zuge der Befreiung die meisten der ost,- sudeten- und volksdeutschen und auch viele österreichische Frauen und Mädchen. Viele von ihnen zigfach und von dutzenden Tätern. Oftmals kam es dabei zu bestialischen Verstümmelungen, worunter aufrissene Geschlechtsorgane und abgebissene Brustwarzen zählen. Diese bestialischen Erniedrigungen und Verletzungen von Frauen und Mädchen haben in allen Besatzungszonen stattgefunden. Bisweilen versuchen politisch korrekte Gutmenschen die Vergewaltigungen, deren Zahl grundsätzlich heruntergespielt wird, mit dem Hinweis des »langjährigen sexuellen Entzugs« der Soldaten zu entschuldigen oder gar zu rechtfertigen. Es ist ohnehin fragwürdig, ob ein solcher »Mangel« berechtigt, einer Frau Gewalt anzutun. Darüber hinaus ist es jedoch zweifelhaft, daß Zehntausende Männer zur selben Zeit und gleichsam im Kollektiv von ihrer Geilheit derart geplagt werden, daß diese auf abartige Art und Weise ebenso kollektiv abreagiert werden muß. Und endlich: Selbst wenn dem tatsächlich so wäre, warum müssen angeblich »entwöhnte« und sexhungrige Männer Mädchen und Frauen zur Befriedigung ihrer sexuellen Lust die Geschlechtsteile aufreißen, die Brüste verstümmeln, während des Akts Knochen brechen und sich an Leichen verlustieren?
In ihrer größten Häufigkeit fanden die Vergewaltigunmgen vor und während der Besetzung Ostdeutschlands, des Sudetenlandes und der volksdeutschen Gebiete in Mittelosteuropa statt, wo sie fast überall durch Soldaten und Offiziere der sowjetischen Nachschubformationen verübt worden waren, »vielfach bereits bei deren Begegnung mit Trecks auf den Landstraßen. Sie vollzogen sich oft in brutalster und schamlosester Weise, insbesondere, wenn die Täter unter Alkoholeinfluß standen. Nicht verschont blieben Schwangere, Minderjährige, Insassinnen von Altersheimen, Schwestern in Krankenhäusen und in Klöstern. Viele Frauen mußten in vielfacher Folge nacheinander Vergewaltigungen erdulden, selbst bis zur Todesfolge. Auch wurden Frauen nach den Vergewaltigungen getötet und ihre Leichen in sadistischer Weise geschändet. Viele Frauen sind durch Geschlechtskrankheiten infiziert worden. In erheblicher Anzahl haben die Frauen Selbstmord verübt, um den wiederholten Vergewaltigungen zu entgehen.« Andere wiederum versteckten sich in ihrer Not und nahmen andere Strapazen auf sich - was oftmals bleibenden Schaden nach sich zog: »Nacht für Nacht kamen die Russen. Und wir waren nahe dran, mit unserem Leben Schluß zu machen. Überall fanden sie uns. Oft legten wir uns des nachts auf den Balkon, deckten uns zu und ließen uns einschneien. Dort fand man uns nicht, aber mein Bein ist heute noch Zeuge von diesen kalten Nächten. Es war von oben bis unten erfroren.« Viele vergewaltigte Frauen fanden die Kraft und haben ihre traumatischen Erlebnisse in Berichten und Dokumentationen festgehalten. Unterscheiden sie sich bisweilen im Stil der Schilderung, mal nüchtern, fast distanziert und aus den Augen einer dritten Person, mal emotionell, so dokumentieren sie doch alle das unmenschliche, viehische Verhalten der Vergewaltiger, die oftmals ihre abartigen pädophilen und nekrophilen Neigungen an wehrlosen Frauen und Mädchen befriedigten. Aus dem ostpreußischen Perwissen beispielsweise ist jenes Grauen überliefert worden: »Russische Soldaten stürzten sich immer wieder ins Zimmer und rissen die Töchter raus, welche sich versteckt hielten. Die jüngste, elfjährige Tochter klammerte sich an ihre Eltern, als wieder neue Horden einbrachen. Das Kind schrie: Würg mich tot Mutti, schnell, die schleppen mich wieder raus. Die Eltern nahmen es in die Mitte, die Mutter legte schnell ein großes Umschlagtuch um ihr Kind, so daß es etwas gedeckt [war], schon waren die Unholde im Zimmer, rissen die beiden älteren Mädels, 16 und 18 Jahre, unter dem Sofa an den Beinen hervor, als der eine [Soldat] auch schon das Kind entdeckte und es von den Eltern loszureißen suchte. Es ist doch noch ein Kind, bettelte der Vater. Im übrigen war diese[r Sowjetsoldat] ein Offizier, anscheinend dauerte es ihm zu lange, er zog seine Pistole und schoß [den Vater] wie einen tollen Hund nieder, ein Herzschuß hatte ihm ein schnelles Ende bereitet, dann schoß er auf die Mutter, es war ein Armstreifschuß, der zweite Schuß ging in den Hals. Nun schleppten zwei Männer das Kind raus. Nach einer halben Stunde kam das Kind wieder zurück, blutunterlaufen am ganzen Unterkörper. Die Unterwäsche zerrissen. Sie stürzte sich auf ihre sterbende Mutter, mir klingen heute noch die Schreie jenes Kindes in den Ohren. Nach zwei Stunden tat ihre Mutter die Augen für immer zu. Schon kamen wieder neue Soldaten und schleppten die selben Mädel mit, ich habe sie dann nicht wieder gesehen.« Lisa Glahs aus Königsberg berichtet ihr traumatische Erlebnis, nachdem sie und ihr sechsjähriger Sohn in einem Kellerversteck von einem Sowjetsoldaten entdeckt worden war: »Er führte uns etwas abseits und nahm dann einen Strick heraus und erklärte mir, daß er mich aufhängen und meinen Sohn erschießen würde. Darauf habe ich sehr geweint und bin vor ihm auf die Knie gefallen und habe ihn gebeten, mein Kind und mich am Leben zu lassen. Er forderte mich dann auf, mit ihm zu gehen. Er vergewaltigte mich und schickte mich dann nach Hause. Ich zog mit meinem Kind los und wollte mich beim Arzt im Katharinenkrankenhaus melden. Unterwegs bin ich dann 30 Russen begegnet, die mich alle vergewaltigten. 2 Stunden dauerte es, bis ich im Katharinenkrankenhaus ankam. Mein Kind mußte sich dieses alles ansehen. Ich konnte kaum noch gehen und blutete stark.« In Fällen, bei denen die Einführung des männlichen Geschlechtsteiles nicht möglich war, wurde die Scheide des weiblichen Opfers oftmals aufgeschnitten und die Vergewaltigung auf diese Weise vollzogen. Einen solchen abartigen Fall im Juni 1945 schildert eine Augenzeugin aus Stettin: »In der frühen Morgenstunde hörten wir von der Straße her ein sich uns näherndes gellendes Schreien. Ich ging sofort hinunter, da ich ohnehin zum Bürgermeister gehen mußte. Diesen traf ich stark angetrunken auf der Straße. Dann entdeckte ich auf der Straße starke Blutspuren, denen ich nachging. Bei der Kirche fand ich ein junges, etwa 17-18 Jahre altes Mädchen, in Blut gebadet, auf der Straße liegen, das völlig erschöpft zusammengebrochen war und vor Schmerzen stöhnte. Es liefen mehrere Leute, darunter auch ihre Mutter, hinzu, die alle in einer nahen, offenen Scheune hausten. Die Mutter schrie vor Entsetzen auf und stellte fest, daß ihr armes Kind nicht nur geschändet, sondern auch ganz aufgerissen war. Das junge Mädchen hatte keine Hose, sondern nur ihre Oberbekleidung an. Als die Muter das Kleid hochhob, sah ich selbst, daß die Scheide, wenn sie auch stark mit Blut bedeckt war, weit aufgerissen war. Wie ich von den Umstehenden erfuhr und mir später auch von russischen Soldaten bestätigt wurde, hatten 5 betrunkene russische Offiziere das Mädchen aus der Scheune herausgeholt, damit es bei ihrem Gelage servieren solle. Dabei hatten sie alle es vergewaltigt und der letzte von ihnen hatte noch mit aller Gewalt mit der Faust in die Scheide gestoßen, wodurch diese ganz aufgerissen war.« Ein Augenzeuge aus Kurwien, Kreis Johannisburg, berichtet von einer Massenvergewaltigung, die nicht weiter kommentiert werden kann. Eine Frau mit zwei kleinen Kindern wurde auf der Straße zwischen Puppen und Sysdräu von einer großen Gruppe Rotarmisten angegriffen und vergewaltigt. Die Kinder fingen an zu schreien, woraufhin sie buchstäblich zerrissen wurden und die Frau solange mißbraucht wurde bis sie tot war. Auch nach Eintritt des Todes ist sie weiter vergewaltigt worden. Ingeborg K.-S. war Zeitzeugin in Granow im Kreis Arnswalde in Ostbrandenburg. Sie gibt die grauenhaften Ereignisse mit Abscheu wieder und meint, daß mit dem Einfall der Roten Arme, »der ungleiche Kampf wehrloser Zivilisten gegen ständig unter Alkohol stehender, von frevelhaften Gelüsten in Extase geratener Unmenschen begann. [...] Die gellenden Frauenstimmen, das Fluchen und Toben der erregten Überwältiger lockten zu diesen Häusern immer neue Horden. Sie kamen einzeln und in Scharen. Fenster samt Fensterkreuz krachten in das Innere der Stuben, wenn sie hinter den Fenstern Licht erblickten und nicht schnell genug die Türen fanden. Die zum Gotterbarmen um Hilfe flehenden Frauen wurden einfach gewürgt oder man steckte ihnen einen dreckigen Fetzen Stoff in den Mund. Hintereinanderstehend, mit heruntergelassenen Hosen warteten die Bestien sprunghaft auf ihr Opfer.«
Der Blutrausch der sowjetischen Kulturbringer machte auch vor nichtdeutschen Frauen nicht halt. Mißbraucht, gequält und vergewaltigt wurden generell Frauen und Mädchen, die den Unmenschen in die Hände fielen. In Merzdorf zwischen Hirschberg und Waldenburg in Niederschlesien beispielsweise wurden 500 jüdische Zwangsarbeiterinnen, meist aus den Niederlande stammend, von den Sowjets überfallen und viehisch vergewaltigt. Die Brutalität gegenüber Frauen und Kindern kannte keine Grenzen: »Nicht einmal im tiefsten Wald waren die nach Holz suchenden Frauen vor Überfällen sicher. Auf der Stelle wurden sie von den Horden umgeworfen und vergewaltigt. Die laut um Hilfe schreienden Kinder warf man ebenfalls auf den Boden und schlug ihnen den Stiefelabsatz ins Gesicht. Sich heftig zur Wehr setzende Frauen wurden auf den Kopf gestellt. Zwei Iwans vollbrachten immer ein solches Martyrium. Mittels eines Dolches wurden die Kleider aufgeschlitzt. Der Unterleib wurde solange mit den Händen bearbeitet, bis die Frauen blutüberströmt bewußtlos wurden.« In einer eidestattlichen Erklärung beschreibt die Ostpreußin Erna H. aus Eromeiken das Grauen ihrer Vergewaltigung: »Es war einige Tage nach dem Einmarsch der Russen, als zwei Russen zu uns in die Wohnung kamen und mir Gewalt anzutun versuchten. Da ich mich nicht ergeben wollte, wurde ich solange geschlagen und mit Füßen getreten, bis ich fast bewußtlos war. Daraufhin wurde ich aus der Wohnung herausgeschleppt und in ein zerschossenes Haus, in dem sich kein Mensch befand, gebracht. Einer der Russen hielt mich fest, so daß ich mich nicht rühren konnte, der andere steckte mir sein Geschlechtsteil in den Mund, anschließend vergewaltigte er mich. Ich bekam einen Nervenzusammenbruch.«
Bestialisch vergewaltigt wurde auch die 39jährige zweifache Mutter Elfriede O. aus Elbing, die Ende Januar 1945 eine ganze Nacht ihren sowjetischen Peinigern ausgeliefert war: »Ich wurde abends geholt und morgens entlassen. Ich wurde am Geschlecht ganz aufgerissen und hatte armstarke Geschwülste vom Geschlechtsteil an beiden Oberschenkeln bis an die Knie, ich konnte nicht mehr laufen und nicht liegen.« Die Elbingerin Edith R. flüchtete aus ihrer Heimatstadt und fand Zuflucht in der Reiterkaserne in Danzig - bis auch dort Mitte März 1945 die Sowjets eindrangen und massenweise Mädchen und Frauen schändeten, die hilflos um ihre Ehre und ihr Leben schrien: »Ich selbst wurde auch gepackt, aber mit Rücksicht auf meine Kinder, die schrien und sich festklammerten, wieder losgelassen. Dafür nahmen die Russen meine 20jährige Hausgehilfin mit, die sich erst man Morgen zufällig bei uns einfand, ohne Schuhe, trotz des Schnees auf Strümpfen. Das Mädchen war in eine Fleischerei geschleppt und über einem Hauklotz wohl 25 mal hintereinander vergewaltigt worden. Sie war stark verblutet und völlig verwirrt. Dann hat sie noch 8 Tage gelegen, bis sie in ein Lager verschleppt wurde. Das früher gesunde Mädchen ist infolge ihrer furchtbaren Erlebnisse geistesgestört und lebt jetzt in einem bayerischen Kloster.«
Charlotte P. aus dem westpreußischen Riesenburg schildert die Entsetzlichkeiten, die sie während ihres Fluchtweges Anfang März 1945 von Putzig über Neustadt (Westpreußen) nach Stolp erlebt hatte. Kurz nach Putzig wurde der Flüchtlingszug von der Roten Armee eingeholt. »Das gutturale 'Frau komm' liegt mir noch heute in den Ohren ... In der gleichen Nacht (die Belästigungen dauerten die ganze Nacht an, wobei verschiedene Frauen bis zu 40 Malen vergewaltigt wurden) wurde gegen ¼ nach 1 Uhr auch die Frau eines unter uns befindlichen Apothekers herausgegriffen. Der anwesende kriegsbeschädigte Ehemann, dessen rechtes Bein bis zum Oberschenkel amputiert war und der den Marsch auf zwei Krücken mitmachte, versuchte, sich der Vergewaltigung seiner Frau zu widersetzen. Er erhielt jedoch einen Kolbenschlag in den Rücken, so daß er zusammensackte. Dann wurde er von dem russischen Offizier, der mit zwei Mann zur Frauenjagd erschienen war, und einem weiteren Soldaten ins Freie geschleppt. Während der dritte Soldat die Frau wegführte, ließ der Offizier den Apotheker gegen eine vor der Schule stehende Eiche stellen und schoß ihn kaltblütig mit seinem Gewehr nieder. [...] In Neustadt angekommen, nahm uns sofort die russische Besatzung in Beschlag. Die ersten 8 Tage brachten wir in einem großen Steinhause zu. Wir dienten hier (wie schon vorher) den Offizieren und Soldaten als Freiwild. Mit brutalsten Mitteln zwangen sie uns, ihren sexuellen Wünschen zu entsprechen. Nach etwa 14 Tagen übergab man uns den Polen. [...] Im Verlaufe der nächsten Rage holte man die Frauen des Dorfes zur Arbeit heran. Ich mußte mit einem jungen Mädchen namens Frida Klink aus Rastenburg gebürtig, in der Zezenower Spritbrennerei arbeiten. Wir wurden von dem die Brennerei leitenden Litauer Oskar Wingendorf darauf hingewiesen, daß kein Russe auf Grund eines russischen Kommandaturbefehls die Brennerei betreten durfte. Eines Tages, ich befand mich gerade mit dem genannten Mädchen im Keller (es war April 1946) um die mit Sprit gefüllten Kannen leerzumachen, hörten wir, daß durch die versehentlich offengebliebene Tür zur Brennerei zwei russische Offiziere hineinkamen. Sie stürzten gleich in den Keller, fielen über uns her, steckten uns, um uns am Schreien zu hindern, ein Taschentuch in den Mund und vergewaltigten uns. Es gelang mir aber, mich von dem Tuch zu befreien und zu schreien. Hierauf ergriff der eine der Offiziere schnelle eine mit Sprit gefüllte 60-Liter-Flasche und goß den Sprit über uns aus. Der andere entzündete daraufhin blitzsdchnell ein Streichholz und warf es in den auslaufenden Sprit. Darauf ergriffen sei eiligst die Flucht. In Sekundenschnelle entzündete sich der Sprit und wir erlitten schwerste Brandwunden an den Beinen. Mit Mühe und Not gelang es uns, ins Freie zu entkommen. Der Litauer, der uns Schreien hörte, lief in den Keller, um uns zu suchen und erlitt ebenfalls schwere Brandverletzungen. Wir beiden Frauen kamen sofort ins Lazarett nach Poblotsk. 7 Monate dauerte es, ehe wir halbwegs wiederhergestellt waren. In diesen Monaten stellte ich dann auch fest, daß ich durch die dauernden Vergewaltigungen schwanger geworden war.«
Mit der abschließenden Schilderung von zwei an der Elbinger Haffküste erfolgten Vergewaltigungen, soll nochmals die rücksichtlose Frauenverachtung, mit der diese Verbrechen ausgeführt wurden, hervorgehoben werden: »In unserem Dorf lag eine jüngere Frau schwer an Lungen-Tbc krank. Sie lebte in einem etwas abgelegenen, kleinen Haus. Ohne Rücksicht auf ihre Krankheit wurde sie Tag und Nacht von russischen Soldaten vergewaltigt, so daß sie bald starb. Ihre, einige Dörfer weiter wohnende Schwester, kam nun, um sie zu beerdigen. Als die wiedereindringenden Russen, diese bei der Leiche fanden, vergewaltigten sie sie auf demselben Bett in welchem die Schwester aufgebahrt lag.« Ein weiterer Fall mit entsetzlichen Folgen: »Trautchen P., ca. 18 Jahre alt. Sie war mit den Eltern und einem Bruder zusammen als russische Soldaten in das Haus drangen. Der Bruder wurde vor ihren Augen erschossen, der Vater fortgeschleppt. Sie selbst wurde mit ihrer Mutter von vielen Soldaten vergewaltigt. Die Mutter war so verzweifelt, daß sie, als sie endlich allein waren, erst der ohnmächtigen Tochter beide Pulsadern öffnete, dann sich selbst auch. Beide Frauen lagen in ihrem Blut, als sie gefunden wurden. Die Mutter war tot, Traute blieb leben, da die Schnitte nicht so tief waren, daß sie tödlich wirkten, aber nun beide Hände unbrauchbar blieben, weil Sehnen und Muskeln zerschnitten waren.«
Mitnichten fielen nur die Sowjets wie Bestien über deutsche Frauen und Mädchen her. Auch in den westlichen Besatzungszonen vergriffen die Befreier sich in Massen an wehrlosen Mädchen und Frauen. Die Angehörigen der demokratischen Streitkräfte, selbst ernannte »Kreuzritter« für eine »saubere Welt«, vergewaltigten bereits jenseits der deutschen Grenzen. Der französische General Alphonse P. Juin beispielsweise hatte seinen Truppen im Mai 1944 im Gebiet südlich von Cassino und Frosinone für 50 Stunden freie Hand für Vergewaltigung und Plünderung gegeben, was zu einer entsetzlichem Rausch und einer blutigen Orgie geführt hatte: 60.000 Frauen und Mädchen wurden Opfer von Bestien. Diese Art der sanktionierten Verbrechen wurden auf deutschem Boden fortgesetzt. Den Polizeiberichten zufolge wurden während der französischen Besetzung alleine in Stuttgart 1.198 Frauen und Mädchen vergewaltigt - vor allem durch marrokanische Kolonialtruppen. Karl Hartenstein, Prälat der Evangelischen Kirche, sprach sogar von 5.000 Frauen. Auch in kleineren Städten waren Vergewaltigungen an der Tagesordnung. In Vaihingen beispielsweise, einem Ort mit damals 12.000 Einwohnern, wurden 500 Fälle von Vergewaltigung gemeldet.
Mit der amerikanischen Besetzung des Deutschen Reiches breiteten sich Geschlechtskrankheiten wie Buschfeuer aus. Waren hiervon zunächst meist deutsche Frauen betroffen, so stellten im August 1946 deutsche Männer bereits 41% der Geschlechtskranken dar; ihre Frauen hatten sie angesteckt. Einen entscheidenden Anteil an der Ansteckung und der Verbreitung der Krankheiten hatten, dem amerikanischen Publizisten Ralph Franklin Keeling zufolge, die farbigen Truppen der Amerikaner, unter denen Geschlechtskrankheiten wesentlich häufiger vorkamen als bei ihren weißen Kameraden. Im Juli 1946 war die jährliche Infektionsrate unter weißen Soldaten 190 pro 1.000, was bedeutet, daß im Laufe eines Jahres etwa jeder fünfte GI sich ansteckte. Im Vergleich hierzu ist die Rate unter schwarzen in der amerikanischen Zone in Deutschland stationierten Truppen zu sehen: sie betrug 771 pro 1.000. Diesem Problem hatte sich der Auslandskorrespondent der CHICAGO DAILY NEWS, Lee Hills, angenommen: »Zwei der größten Kopfschmerzen in der amerikanischen Betzung Deutschlands sind Probleme, die wir selbst mitgebracht haben. Zum einen ist es die extreme Jugend und Unerfahrenheit unserer Truppen (...) Das andere Problem - und das ist politisch so angreifbar, daß das War Department sich scheut, es abzustellen - ist der gewaltige Einsatz schwarzer amerikanischer Soldaten. Das Ergebnis hiervon ist, daß, trotz bisweilen hervorragender Führung an der Spitze der Amree, das amerikanische Prestige seit der Invasion stetig gefallen ist. Die Spitzenleute in Deutschland meinen fast ohne Ausnahme, daß es ein Fehler sei, derart viele (42.000) schwarze Besatzungssoldaten stationiert zu haben. ‚Sie sind einfach nicht ausgebildet und diszipliniert für diese Aufgabe, die viel komplizierter und delikater ist als der Kampf', meinte ein General. Sie haben eine höhere Kriminalitätsrate, eine vielfach höhere Geschlechtskrankheitsrate als der weiße Soldat und eine größere Veranlagung, Unfug anzurichten.« Anders als bei anderen schweren Körperverletzungen, bei denen die Wunden meist verheilen und zu Narben werden, quälen bei Vergewaltigungen vor allem die bleibenden seelischen Schäden die Opfer. Fühlt sich niemand dazu aufgerufen, für die Frauen, die einst durch die Hölle gingen, eine Lanze zu brechen?
© Dr. Claus Nordbruch 3/2001