Dresden 13./14.Februar 1945
Genozid an 400.000 Deutschen
Von Dr. Claus Nordbruch
Vor 65 Jahren verwandelten die angloamerikanischen
Luftstreitkräfte in drei Angriffen die Stadt Dresden in ein Flammenmeer. Mit
einem Regen aus Phosphor-, Brand- und Sprengbomben, die orkanartige Feuerstürme
verursachten, wurden mindestens 400.000 Zivilisten, Frauen und Kinder jeglichen
Alters, Greise, Verwundete und Flüchtlinge aus dem Osten und Südosten des
Deutschen Reiches, die mit ihren Trecks Schutz in Elbflorenz gesucht hatten,
unter furchtbarsten Qualen getötet. Während die Masse dieser wehrlosen Menschen
zu lebenden Fackeln entzündet, von giftigen Rauchgasen erstickt und zu
Brandleichen von der Größe eine Hundes verstümmelt worden waren, wurden in der
Nacht und tags drauf Tausende Opfer von Tieffliegern, als sie im Großen Garten
und auf den Elbwiesen eiskalt zusammenschossen.[1]
Am 13. Februar 1945 hatten
sich in Dresden, einer der schönsten und kulturell bedeutungsvollsten Städte
Deutschlands und damit Europas, neben 600.000 Einwohnern auch etwa 500.000
Flüchtlinge aufgehalten. Die bis zu diesem Datum vom Bombenkrieg weitgehend
verschont gebliebene und zur »Lazarettstadt« erklärte Metropole, verfügte über
fast keine Flugabwehr oder Nachtjäger. Gegen 22.00 Uhr kam es zum ersten
Donnerschlag, oder Thunderclap, wie die anglo-amerikanischen
Bomberverbände ihren Terrorangriff nennen sollten. Die britischen Bomber der
Königlichen Luftwaffe (Royal Air Force) warfen in diesem Angriff zunächst
Sprengbomben auf die Innenstadt. Unmittelbar danach wurden 570.000 Stabbrand-
und 4.500 Flammenstrahlbomben auf Dresden abgeworfen. Dieses Bombardement von
Brandbomben verursachte einen verheerenden Feuersturm, der den Tod der Kunst-
und Lazarettstadt einläutete. Bis zu diesem Zeitpunkt waren noch relativ wenige
Menschenverluste zu beklagen. Den meisten Menschen war es gelungen, sich in den
Kellern in Sicherheit zu bringen. Nach dem Bombenangriff gingen sie auf die
Straßen zurück und wurden Zeugen der gewaltigen Brände. Jedoch kehrten die
Briten zurück - ohne Vorwarnung: Nun etwa 2½ Stunden später, am 14. Februar
gegen 1.30 Uhr, rollte die zweite Bomberwelle an. In rascher Folge detonierten
zunächst 4.500 Sprengbomben, die unzählige Häuser zum Einsturz brachten.
Tausende von Menschen wurden von Stahl und Beton begraben und verschüttet.
Bereits zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Briten eines Kriegsverbrechens
schuldig gemacht, da sie zielbewußt den von Zivilbevölkerung bewohnten Stadtkern
bombardiert hatten, und nicht etwa militärisch-strategische Ziele oder
Industriezentren. Das wichtigste militärische Ziel lag etwa 1,5 Kilometer vom
zerstörten Stadtkern entfernt: der Hauptbahnhof. Auf diesem tummelten sich
Zehntausende Flüchtlinge und Ausgebombte. Die Gleise, die weitgehend
unbeschädigt geblieben waren, waren mit Hunderten von Waggons verstopft, so daß
sich eine gewaltige Menschenmasse auf engstem Raume ansammelte. Auf diese
Menschen ließen die Briten vor allem Brand- und Flüssigkeitsbomben nieder
regnen. Die Bahnsteige und das nähere Umfeld des Bahnhofs waren mit Toten,
Sterbenden, Verbrennenden und Menschenteilen übersät. Die Zehntausenden, die das
Inferno überlebt hatten, flüchteten auf die Elbwiesen und in den Großen Garten.
Hier wähnten sie sich nach dem Grauen der Nacht sicher. Es blieb den
Amerikanern, genauer gesagt der 8. US-Luftflotte, vorbehalten, diesen hilflosen
Frauen und Kindern, diesen wehrlosen Männern und Greisen den Garaus zu bereiten.
Um 12.15 Uhr warfen mehr als 760 Maschinen unter anderem 50.000 Stabbrandbomben
über diese Flüchtlinge ab. Danach gingen etwa 200 Jagdbomber zum
Tieffliegerangriff über und eröffneten mit ihren Maschinengewehren das Feuer
gegen die Zivilbevölkerung.
Die
anglo-amerikanischen Bomberverbände hatten einen Massenmord begangen, freilich
ohne je hierfür zur Rechenschaft gezogen worden zu sein. Nicht nur das: »Mit den
Menschen gingen schöne und weltberühmte Gebäude und Anlagen Dresdens unter, so
der Zwinger, die Hofkirche, das Schloß, die Oper, das Grüne Gewölbe, Bellevue,
das Italienische Dörfchen, das Landtagsgebäude, das Palais Cosel und viele
andere. Das Japanische Palais, die größte und wertvollste Bibliothek ganz
Sachsen, war ausgebrannt. Die Brühlsche Terrasse hatten schwere Bomben
zerrissen. Das Belvedere lag mit leeren Fensterhöhlen da. Die Kuppel der
Frauenkirche war eingestürzt und der Schloßturm sowie ein Turm der Sophienkirche
waren ausgebrannt. Vom oberen Teil des Rathausturmes stand nur noch das
Gerippe.«[2]
Bei dem dreifachen Terrorschlag gegen Dresden, als nichts anderes kann er
bezeichnet werden, handelte es sich mitnichten um eine militärische
Notwendigkeit. In der angegriffenen Innenstadt hatte es weder nennenswerte
Industrie noch Ansammlungen von Waffen und militärischem Gerät gegeben. Die
Tatsache, daß die Infrastruktur verhältnismäßig wenig zu Schaden gekommen war –
von den Verkehrswegen war nur der Hauptbahnhof zerstört worden, die Elbbrücken
waren allesamt heil geblieben -, deutet ebenfalls eindeutig daraufhin, daß der
anglo-amerikanische Angriff auf Dresden ein ebenso sinnloser – der Krieg wurde
hierdurch ja nicht verkürzt -, wie durch nichts zu rechtfertigender Akt der
Zerstörung und des Mordes war.
Dem Bericht der Ordnungspolizei zufolge waren bis
zum 22. März 1945 insgesamt mehr als 200.000 Menschen tot geborgen worden. Diese
Zahl konnte wegen weiterer Bergungsarbeiten jedoch noch nicht als die endgültige
gelten. Spätere Schätzungen bzw. Zählungen gehen von bis zu 400.000 Toten aus.
Von den geborgenen Toten konnten nur 35.000 identifiziert werden. Es
widerspiegelt das fragwürdige Verständnis von Wissenschaftlichkeit und das
Verhältnis zu authentischer Geschichtsschreibung in der BRD, offiziell lediglich
diese relativ kleine Anzahl von Toten als Gesamtzahl der zu beklagenden
Opfer anzugeben. Strafrechtlich gesehen handelt es sich hier
offensichtlich nicht um den Tatbestand der Verunglimpfung
Verstorbener.
Dabei handelte es sich bei dieser Art des ethnic
cleansing keineswegs um eine Ausnahme, sondern um die Umsetzung eines vom
Luftkriegsberater Churchills, Frederick A. Lindemann, penibel ausgetüftelten
Planes zur Flächenbombardierung deutscher Städte.[3]
Die Alliierten gingen dabei gleichsam nach Schema F vor, wie beispielsweise
stellvertretend auch die Zerstörung Stettins im August 1944 aufzeigt: Gezielte
Treffer auf Wohngebiete und historische Bauten nach menschenverachtender
Methode. Zuerst werden Luftminen und Sprengbomben, danach Phosphorkanister
abgeworfen. Diese Taktik verfehlt ihre hundertprozentige tödliche Wirkung nie:
Um sich zu retten, klettern die wehrlosen Menschen aus zertrümmerten
Kellergewölben, werden im Freien jedoch von dem Feuersturm erfaßt und winden
sich vor Schmerzen brüllend als lebende Fackeln bis der Tod sie endlich
erlöst.[4]
In diesem Zusammenhang müssen neben vielen anderen auch die
kriegsvölkerrechtswidrigen Bombardierungen beispielsweise auf Köln, Ulm,
Magdeburg, Aachen, Graz, Kiel, Dortmund, Hamburg, Nürnberg, Klagenfurt,
Würzburg, Kassel und Potsdam, aber auch viele andere, vor allem kleinere Städte,
wie z.B. Hanau, Pforzheim, Bingen, Darmstadt, Heilbronn, Villach, Nordhausen,
Hildesheim, Freiburg i. Br., Halberstadt, Emden, Frankfurt/Oder, aufgeführt
werden, die keinerlei militärischen Nutzen hatten, sondern ausschließlich der
Vernichtung von Menschen dienten.
Der österreichische Historiker und
Luftkriegsexperte Maximilian Czesany hat bezüglich dieser Terrorangriffe
dankenswerterweise die gröbsten der durch die Anglo-Amerikaner begangenen
Rechtsbrüche in knapper Form zusammengestellt: »Mit ihrer Luftkriegsführung
verletzten die USA und Großbritannien die folgenden von ihnen erst Jahrzehnte
zuvor ratifizierten Bestimmungen und Normen des Kriegsrechtes […]:
·
die allgemeinen Grundsätze des Kriegsrechtes,
wonach militärische Kampfhandlungen direkt nur gegen Kombattanten,
Quasikombattanten und militärische Objekte gerichtet werden dürfen, und alle
Kampfmittel verboten sind, die unnötige Leiden oder Schäden verursachen
[…]
·
der Artikel 27 HLKO, demzufolge verschiedene
Gebäude und Bauten, wie Kirchen, Lazarette, geschichtliche Denkmale u.a., soviel
wie möglich zu schonen sind, wenn diese nicht militärische Verwendung finden;
der Artikel 46 HLKO, wonach das Leben der Bürger und deren Privateigentum zu
achten sind;
·
das Genfer Protokoll 1925, welches unter
anderem die Verwendung von giftig oder erstickend wirkenden Flüssigkeiten,
Stoffen oder Verfahrensarten untersagt.«[5]
Mit dem uneingeschränkten
Luftkrieg der Alliierten gegen wehrlose Zivilbevölkerung machten sich
insbesondere die Anglo-Amerikaner des Genozids, des Ausrottungskrieges
schuldig.
Quelle: Claus Nordbruch, Der deutsche Aderlaß, Tübingen 2003 (2.
Aufl.), S. 91ff.
Zusatzmaterial:
Am 13. Februar 1945 haben sich über eine halbe Million Flüchtlinge in Dresden
aufgehalten. Zusammen mit 600 000 Einwohnern waren schließlich 1 100 000
Menschen den Bombenangriffen an 3 Tagen ausgesetzt (vgl. Rodenberger und Veale).
Die großen Trecks stellten ihre Pferdefuhrwerke im „Großen Garten“ und auf
anderen Grünflächen ab oder hatten sie noch in den Straßen und auf den Plätzen
der Stadt stehen, wo es vielfach zu Verstopfungen kam. Andere Flüchtlinge hatten
im Ausstellungspalast mit seinen riesigen Hallen, in Schulen, Sälen oder
Privathäusern Unterschlupf gefunden.
Am Abend des 13. gab es um 21.15 Uhr Luftwarnung, darauf die furchtbare
Meldung: „Bomberströme im Anflug auf Sachsen mit Spitzen bei Zwickau und Ende
bei Göttingen.“ Plötzlich Vollalarm und kurz darauf die sog. „Lichterbäume“ der
feindlichen Flugzeuge zur Erhellung des Abwurfraumes. Gegen 22 Uhr brach die
Hölle los. Tausende Häuser standen in kürzester Zeit in Flammen. Viele Menschen
verließen noch während des Angriffs die Keller der brennenden Häuser und
stürzten sich auf die Straßen, wo sie jedoch häufig der nächsten Bomberwelle zum
Opfer fielen. Viele gingen aber schon in den Kellern zugrunde. Andere konnten
die Häuser, die zu Feueröfen geworden waren, nur mehr als brennende Fackeln
verlassen. „Hunderte brennende, schreiende Fackeln stürzten zusammen,
verstummten. Und immer neue folgten, und keiner kam mit dem Leben davon.“
(Rodenberger Axel, Der Tod von Dresden, 1953) Bald kam der Feuersturm auf und
brachte zum Brennen, was noch nicht brannte.
Furchtbar wütete auch der Tod unter den Flüchtlingen, die bei ihren
Pferdefuhrwerken im „Großen Garten“ geblieben waren. In den Hallen des
Ausstellungspalastes am Rande dieses Parkes gab es weder Keller noch
Splittergräben, noch weniger einen Bunker. Durch die leichten Dächer sausten die
Bomben und zerfetzten die Menschen. Große Kanister mit Phosphor gefüllt,
zerplatzten unter den Menschen , die, von wenigen Spritzern getroffen, sofort in
Flammen standen. (Rodenberger S. 67 ff.)
Grauenvolles ereignete sich auch in den Dresdner Lazaretten und
Krankenhäusern, die alle, genau nach den Vorschriften, mit dem roten Kreuz im
weißen Feld in riesigen Dimensionen auf den Dächern gekennzeichnet waren. In
einem dieser Lazarette lagen Blinde und an beiden Beinen Amputierte
nebeneinander. „Aus den Gluten der Baracken flohen die Kriegsversehrten. Blinde
trugen Beinamputierte, die ihnen den Weg wiesen…. Später fand man sie. Lebende
und Tote. Zwischen verkohlten Bäumen und Büschen und schwarzem Gras.“
Quelle:
Maximilian Czesany, Nie wieder Krieg gegen die Zivilbevölkerung, Eine
völkerrechtliche Untersuchung des Luftkrieges 1939-1945, Graz 1964
Ein Leser aus 99817 Eisenach schrieb in der WELT am 20.2.1999 u.a.: „Der
Obergärtner des Friedhofs von Dresden hat in seinem Bericht darauf hingewiesen,
daß die aus den Kellern geholten verstümmelten und verbrannten Leichen, bei
denen auch der Kopf verbrannt oder zerfetzt war, ebensowenig mitgezählt werden
konnten wie die im Feuersturm Verbrannten, von denen nichts als ein Häufchen
Asche übriggeblieben war.“ (http://de.altermedia.info/general/dresden-13-14-februar-1945-der-genozid-an-400-000-menschen-07-02-10_40050.html#comments)
ERSTENS:
Dresden am 12. Februar 1945
Dresden am 15. Februar 1945
Zwei aufschlussreiche Dokumente:
Ein realistisches Bild vom Ausmaß des Massenmordes in Dresden
gibt der
nachstehend wiedergegebene Auszug aus dem Tagesbefehl
Nr.47, dessen
Richtigkeit vom Sohn des als verantwortlich
Zeichnenden, dem Historiker Dr.
Grosse, ausdrücklich bestätigt wurde:
Der höhere Polizei- und SS-Führer
Der Befehlshaber der
Ordnungspolizei
Dresden, den 22.3.45
Tagesbefehl Nr.47
1.Luftangriff auf Dresden.
Um den wilden Gerüchten entgegentreten zu können,
folgt nachstehender
kurzer Auszug der Schlussaufstellung
des Polizeipräsidenten von Dresden über
die vier Angriffe
am 13.,14.,15.2.1945 auf Dresden.
Bis zum 2.3.45 abends wurden 202.040 Tote, überwiegend
Frauen und Kinder,
geborgen. Es ist damit zu rechnen, daß
die Zahl auf 250.000 Tote ansteigen
wird. Von den Toten
konnten nur annähernd 30 Prozent identifiziert
werden.
Für den Befehlshaber der Ordnungspolizei
Der Chef des Stabes
G R O S S
E
ZWEITENS:
Wer sich mit der Geschichte des Bombenterrors eingehend beschäftigt, der
weiß, daß ein bestimmter Prozentsatz der Opfer erst nach und nach bei den
späteren Aufräumarbeiten gefunden wird, welche unter Friedensbedingungen
ablaufen. Dazu kommt noch ein Prozentsatz von Toten, welche nie aufgefunden
werden. Militärisch seriös belegt kann man diesen Gesamtprozentsatz mit 30
Prozent, das heißt 60.000 angeben. Damit wäre man bei 260.000. Hinzu kommt noch
die Anzahl der Toten, welche an den Folgen des Terrorangriffes starben. Und auch
dabei gibt es empirische, militärische Erfahrungswerte von 50 Prozent. Damit
käme man auf 260.000 + 130.000 = 390.000 Bombentote. Im speziellen Fall vom mit
Flüchtlingen überfüllten Dresden und dem endkampfbedingten Chaos kann man diese
Opferzahl noch mal um durchaus seriös 20 bis 30 Prozent erhöhen, so daß die
tatsächliche Zahl aller Dresdener Bombenopfer zwischen 500.000 und 600.000
liegen dürfte.
DRITTENS:
Ein Vergleich der beiden Angriffe 43 auf Hamburg und 45 auf Dresden kann bei
der historischen Wahrheitsfindung hilfreich sein. Hamburg war keine
Lazarettstadt und die Kinderlandverschickung hatte die ursprüngliche
Einwohnerzahl schon ausgedünnt. Außerdem war die Hafenstadt mit Flak geschützt,
es gab eine Feuerwehr, und es herrschte Ordnung. In der flüchtlingsfreien
Hansestadt kamen durch nur einen einzigen Angriff etwa 35 000 Menschen um. Im
der Lazarettstadt Dresden, welche zudem mit Flüchtlingen vollgestopft war, und
nicht mit Flak geschützt wurde, kamen bei vier Angriffen jedenfalls wesentlich
mehr um. Ich lernte in der Nachkriegszeit, daß in den Angriffen etwa 400 000
Menschen ihr Leben verloren. Die heute offiziell genannte Zahl bezieht sich nur
auf die eindeutig identifizierten Opfer. Verbrannte Leichen kann man aber nur
bedingt identifizieren, und das wissen unsere Besatzungshistoriker ganz genau.
(Übrigens gab es früher in den Lesebüchern für das Gymnasium bis zu der Zeit, da
unser “Willy Brantwein” “Bundesquanzler” wurde, eine sehr ausführliche
Beschreibung vom Angriff auf Hamburg, vor allem aber über die Mühen, welche die
Bergung der Leichen bereitete. Diese mußten aus Seuchengefahr teilweise in den
Kellern an Ort und Stelle mit Flammenwerfern ganz verbrannt werden. Da gab es
nichts mehr zu identifizieren!) Wer sich weiter informieren möchte, kann dies
hier tun.
Quelle: http://nonkonformist.net/forum/index.php?topic=361.0
(http://de.altermedia.info/general/dresden-13-14-februar-1945-der-genozid-an-400-000-menschen-07-02-10_40050.html#comments)
DRESDEN
von Ulrike Meinhof
Vor zwanzig Jahren, am 13. und 14. Februar 1945, in der Nacht von
Fastnachtdienstag auf Aschermittwoch, ist der größte Luftangriff der alliierten
Bomberkommandos im Zweiten Weltkrieg auf eine deutsche Stadt geflogen worden:
Der Angriff auf Dresden. Dreimal innerhalb von 14 Stunden wurde die Stadt
bombardiert. Von 22 Uhr 13 bis 22 Uhr 21 dauerte der erste Schlag. Als die
englischen Bomber abflogen, hinterließen sie ein Flammenmeer, das über 80
Kilometer weit den Himmel glühend machte. Der zweite Schlag erfolgte von 1 Uhr
30 bis 1Uhr 50. Die abfliegenden Bomber haben die Feuer von Dresden über 300
Kilometer weit beobachten können. Den dritten Angriff flog ein amerikanisches
Bombengeschwader am nächsten Vormittag zwischen 12 Uhr 12 und 12 Uhr
23.
Über 200 000 Menschen sind in den Flammen von Dresden umgekommen. Der
Engländer David Irving schreibt in seinem Buch „Der Untergang Dresdens“: „Zum
ersten Mal in der Geschichte des Krieges hatte ein Luftangriff ein Ziel so
verheerend zerstört, daß es nicht genügen unverletzte Überlebende gab, um die
Toten zu begraben.“
Dresden hatte 630 000 ständige Einwohner. Als es
zerstört wurde, hielten sich über eine Million Menschen in dieser Stadt auf. Man
schätzt 1,2 bis 1,4 Millionen. Flüchtlinge aus Schlesien, Pommern und
Ostpreußen, Evakuierte aus Berlin und dem Rheinland, Kindertransporte,
Kriegsgefangene und Fremdarbeiter. Dresden war eine Sammelstelle für genesende
und verwundete Soldaten. Dresden hatte keine Rüstungsindustrie. Dresden war eine
unverteidigte Stadt ohne Luftabwehr. Dresden galt in ganz Deutschland als eine
Stadt, die nicht bombardiert werden würde. Es gab Gerüchte, wie: Die Engländer
würden Dresden schonen, wenn Oxford nicht angegriffen würde - oder: Die
Alliierten würden Dresden nach dem Krieg zur deutschen Hauptstadt machen und
deshalb nicht zerstören. Es gab noch mehr Gerüchte, aber vor allem konnte sich
kein Mensch vorstellen, daß eine Stadt, die täglich neue Krankenhäuser und
Lazarette einrichtete, in die täglich Hunderttausende von Flüchtlingen,
hauptsächlich Frauen und Kinder, einströmten, bombardiert werden
würde.
Militärisch interessant an Dresden war höchstens ein größerer
Güter- und Truppenumschlagbahnhof. Aber in den drei Angriffen, als man zuerst
Sprengbomben abwarf, um Fenster zum Platzen zu bringen und Dächer zum Einsturz,
um Dachstühle und Wohnungen den folgenden Brandbomben um so schutzloser
auszuliefern, als das alles planmäßig mit höchster Präzision ablief, da wurde
dieser Bahnhof kaum getroffen. Als Tage darauf Berge von Toten aufgeschichtet
wurden, waren die Gleise schon wieder repariert. - Dresden hat sieben Tage und
acht Nächte lang gebrannt.
Man hatte den englischen Soldaten, die die
Angriffe geflogen haben, nicht die Wahrheit gesagt. Man hat gesagt: Ihre Flotte
greift das Oberkommando des Heeres in Dresden an. Man hat gesagt, Dresden sei
ein wichtiges Nachschubzentrum für die Ostfront. Man hat gesagt, das
Angriffsziel sei ein Gestapo-Hauptquartier im Stadtzentrum, ein wichtiges
Munitionswerk, ein großes Giftgaswerk.
Schon 1943 hatte es in der
britischen Öffentlichkeit Proteste gegen die Bombardierung der deutschen
Zivilbevölkerung gegeben. Der Bischof von Chichester, der Erzbischof von
Canterbury, der Kirchenpräsident der Church of Scotland erhoben ihre Stimme.
Ihnen aber ebenso wie einem Labourabgeordneten im englischen Unterhaus wurde
gesagt, das sei nicht wahr, daß ein Befehl ergangen wäre, Wohngebiete statt
Rüstungszentren zu zerstören. Es ist der englischen Regierung unter ihrem
Premierminister Sir Winston Churchill bis zum Ende des Krieges, bis März 45,
gelungen, den tatsächlichen, absichtlichen, planmäßigen Charakter der britischen
Bombenangriffe auf deutsche Städte geheim zu halten. Dresden war der Höhepunkt
dieser Politik. Dresden ging in Schutt und Asche, zwei Jahre nachdem der Ausgang
des Zweiten Weltkrieges in Stalingrad entschieden worden war. Als Dresden
bombardiert wurde, standen die sowjetischen Truppen schon an der Oder und Neiße,
lag die Westfront am Rhein. Der Oberbefehlshaber der Royal Air Force, Sir Arthur
Harris, der den Einsatz gegen Dresden geleitet hatte, ging ein Jahr danach, am
13. Februar 1946, in Southhampton an Bord, um das Land zu verlassen, das nicht
mehr bereit war, seine Verdienste zu würdigen. Als die deutsche Bevölkerung die
Wahrheit über Auschwitz erfuhr, erfuhr die englische Bevölkerung die Wahrheit
über Dresden. Den Tätern wurde der Ruhm versagt, der ihnen von den Regierenden
versprochen worden war. Hier und dort.
In Dresden ist der
Anti-Hitler-Krieg zu dem entartet, was man zu bekämpfen vorgab und wohl auch
bekämpft hatte: Zu Barbarei und Unmenschlichkeit, für die es keine
Rechtfertigung gibt.
Wenn es eines Beweises bedürfte, daß es den
gerechten Krieg nicht gibt - Dresden wäre der Beweis. Wenn es einen Beweises
bedürfte, daß der Verteidigungsfall zwangsläufig zu Aggression entartet -
Dresden wäre der Beweis. Wenn es einen Beweises bedürfte, daß die Völker von den
kriegsführenden Regierungen selbst mißbraucht werden - Dresden wäre der Beweis.
Daß an der Bahre Sir Winston Churchills das Stichwort Dresden nicht gefallen
ist, legt den Verdacht nahe, Dresden sollte immer noch dem Volk angelastet
werden, das doch selbst betrogen worden ist. Es ist der gleiche Takt, den die
Bundesregierung praktiziert, wenn sie die Verjährungsfrist für in der NS-Zeit
begangenen Mord nicht aufhebt. Wer die Täter nicht denunziert, denunziert aber
die Völker.
Quellenangabe:
Ulrike
Marie MEINHOF, Die Würde des Menschen ist antastbar. Aufsätze und
Polemiken. Mit einem Nachwort von Klaus Wagenbach, Berlin 1980, S.
62-64.
Erstmalig erschienen in konkret Nr.
3/1965.
[1] Vgl. Deutsche Hochschullehrer-Zeitung, Heft
1/1959, S. 22.
[2] Maximilian Czesany, Die Feuerstürme von Dresden
und Tokio. – in: Deutsche
Monatshefte, Heft 2/1985, S. 38.
[3] Vgl. Erich Kern, Von
Versailles nach Nürnberg. Der Opfergang des deutschen Volkes. 3. verb. Aufl.
– Preußisch Oldendorf: Schütz 1971, S. 417f.
[4] Vgl. Ilse Gudden-Lüddeke, Recht auf Heimat niemals
aufgeben. - in: Die Pommersche
Zeitung v. 5.8.1995, S. 1.
[5] Maximilian Czesany, aaO., S. 40.