Beleidigung der Intelligenz
Man soll das Christentum nicht schmücken und herausputzen: es hat einen Todkrieg gegen [den] höheren Typus Mensch gemacht, es hat alle Grundinstinkte dieses Typus in Bann getan, es hat aus diesen Instinkten das Böse, den Bösen herausdestilliert: der starke Mensch als der typisch Verwerfliche, der 'verworfene Mensch'. Das Christentum hat die Partei alles Schwachen, Niedrigen, Mißratenen genommen, es hat ein Ideal aus dem Widerspruch gegen die Erhaltungsinstinkte des starken Lebens gemacht; es hat die Vernunft selbst der geistig stärksten Naturen verdorben, indem es die obersten Werte der Geistigkeit als sündhaft, als irreführend, als Versuchungen empfinden lehrte. (Friedrich Nietzsche)
Nachdem ich mich mit der vom Christentum vertretenen Werte- und Lebensauffassung
nie habe anfreunden können, habe ich die Konsequenzen gezogen und
bin vor 15 Jahren aus der christlichen Kirche ausgetreten. Zwei Wochen
nach meinem Austritt fand ich im Briefkasten
ein Schreiben vor, das vom Herrn Pfarrer der für mich »zuständigen« Gemeinde
unterschrieben war. In dem Serienbrief (!) hieß es unter anderem: »Als
Pfarrer der Gemeinde Rosenkranzkönigin Neubiberg habe ich erfahren,
daß Sie Ihren Austritt
aus der katholischen Kirche erklärt haben. Ihr Schritt ist mir nicht
gleichgültig.
Vielleicht sagen Sie: ›Jetzt auf einmal interessiert sich der Pfarrer
für mich.‹ Nehmen
Sie mir bitte ab, daß ich Ihnen nicht wegen der verlorenen Kirchensteuer
schreibe [...]
Vielleicht war Ihr Austritt nur die Konsequenz, weil Sie schon länger den Glauben
verloren und den Kontakt zur Kirche aufgegeben haben. Als Seelsorger bedaure ich
verständlicherweise diese Entwicklung, respektiere aber Ihren Schritt, da auch mir an
einer ehrlichen Entscheidung gelegen ist [...]
In jedem Fall möchte ich Ihnen sagen, daß die Gemeinschaft der Kirche auch
weiterhin für Sie offen bleibt. Wenn Ihnen aufgrund dieses Briefes an einem
Gespräch gelegen ist, geben Sie mir bitte davon Kenntnis, ich würde mich
darüber freuen.«
In meinem Antwortschreiben, auf das ich bezeichnenderweise niemals eine Antwort erhalten
sollte, klärte ich den scheinbar so besorgten und verständnisvollen Pfaffen auf:
"Selbstverständlich bin ich nicht wegen der Kirchensteuer aus der katholischen
Glaubensgemeinschaft ausgetreten; der Wegfall der Kirchensteuer ist lediglich eine
Begleiterscheinung, der ich mit Wohlwollen entgegensehe. Richtig, mein Kirchenaustritt ist
nur eine logische Konsequenz, die ich ziehen mußte. Lassen Sie mich die wesentlichen
Gründe aufzählen, [die mich zu diesem Schritt bewegt haben,] wobei ich den Pomp
und die Selbstverherrlichung der katholischen Kirche, den Selbstbetrug der Katholiken
(Stichwort Enthaltsamkeit, Nächstenliebe usw.) und die Absolutstellung des Papstes nur
nebenbei erwähnen möchte. Meine Zweifel und meine sich daraus rekrutierende
Ablehnung wurzeln in der Geschichte des Christentums. So ist beispielsweise die Bibel nicht
'Gottes Wort'. Vielmehr handelt es sich hierbei um ein Buch, in dem Halbwahrheiten,
Erlebnis(möchtegern)berichte, Erfindungen u.ä. von Zeitgenossen
zusammengefaßt worden sind. Auch die Entwicklungsgeschichte der Erde, die Geschichte
Adam und Eva und die Behauptung, Jesus sei der Sohn Gottes gehören in diesen Bereich
der Phantasie [...]
Werden wir geschichtlich genauer: Das 2. Ökumenische Konzil zu Konstantinopel wurde von
Kaiser Theodosius I. einberufen. Dieser Mann legte seinem Volk unerträgliche Lasten auf
und trieb Steuern mit Hilfe von Folterungen ein. Im Jahre 390 ließ er im Zirkus von
Thessaloniki in einem Blutbad 7000 aufständische Bürger umbringen. Er
erklärte die christliche Lehre zur Staatsreligion, die Kirche verlieh ihm den Beinnamen
'der Große'.
Das 3. Konzil, welches die Verehrung der Maria als Mutter Gottes beschloß, wurde neben
Kaiser Valtentianus III. von Kaiser Theodosius II. einberufen. Letzterer, ein
Schwächling und dekadent, stand unter der Fuchtel seiner Schwester Pulcheria, welche
machtbesessen und intrigant war und zur allgemeinen Belustigung der männlichen
Zeitgenossen vorgab, jungfräulich zu sein. Der byzantinische Geschichtsschreiber
Prokopius bezeichnet Kaiser Justitian, den Einberufer des 5. Konzils, als scheinheilig,
blutdürstig und grausam.
Diese wenigen Beispiele christlicher Repräsentanten sind bezeichnende Exponenten der
vermeintlichen humanen Heilslehre - finden Sie nicht? Wen wundern da noch die Massenmorde,
Brandschatzungen und Vergewaltigungen der Christen während der Kreuzzüge? Den
Soldaten der Roten Armee, "inhumanen Nichtchristen", stehen sie nicht nach. Allerdings
behauptet der Bolschewismus von sich selbst auch nicht, Nächstenliebe, Menschlichkeit
und ähnliche Postulate, die die Christen für sich beanspruchen, zu vertreten
[...]
Bleibt zuletzt noch 'Seine Heiligkeit, der Papst' [...] Dem polnischen Kirchenmann
möchte ich nicht unterstellen, daß er deswegen so viel auf Kirchenkosten in der
Welt herumreist, weil er als Pole bisher hierzu keine Möglichkeit hatte, aber ich
muß mir auf seinen Reisen nicht übers Fernsehen sagen lassen, wie böse die
Deutschen seien und welches Leid sie den Polen angetan hätten [...] Fassen Sie dieses
Schreiben als kleine Antwort auf Ihre Frage nach dem Grund meines Kirchenaustrittes auf. Und
weil ich die Scheinheiligkeit angesprochen habe: Mir ist aufgefallen, daß Sie es als
kirchlicher Vertreter noch nicht einmal jetzt für nötig empfinden, einen
persönlich abgefaßten Brief an Ihr 'entlaufenes Schaf' zu richten."
Tatsächlich: eine Photokopie, Adresse draufgetippt, unterschrieben, fertig. "Ihr
Schritt ist mir nicht gleichgültig." Wollte mich der Herr Pfarrer veräppeln?
Dies ist gut möglich, denn ein wesentliches Charakteristikum der allein selig machenden
christlichen Religion ist die Art und Weise, mit der sie mit Menschen umzugehen pflegt, wie
sie ganze Völker verblödet oder aber dumm hält. Und hierbei meine ich in
erster Linie noch nicht einmal die Maßnahmen, die die christlichen Kirchen
gegenüber hervorragenden, ihrer Zeit weit voraus denkenden und schaffenden
Wissenschaftlern und herausragenden Persönlichkeiten ergriffen hat. Stellvertretend
für die Tausenden dieses Potentials seien an dieser Stelle lediglich Nicolaus
Coppernicus (1473-1543), Giordano Bruno (1548-1600), Galileo Galilei (1564-1642) und Johann
Kepler (1571-1630) genannt. Das wirkliche Wesen des christlichen Verständnisses von
Toleranz, Mitgefühl und Aufgeschlossenheit, vor allem aber der Grad seines
humanistischen Interesses spiegelt sich gerade im persönlichen Schicksal dieser
vortrefflichen Menschen wider. Der Umgang der christlichen Kirchen mit jedem einzelnen von
ihnen gleicht einem Affront gegen den Anstand, die Kultur, ja die gesamte Entwicklung des
menschlichen Geistes. Er kommt einem Rückfall in die Barbarbei gleich.
Wie sehr haben die Christen sich anmaßend, ja verbrecherisch gegenüber diesen
Exponenten höheren Menschentums verhalten! Ganz zu schweigen von den Millionen anderer
Zeitgenossen, die, obgleich nicht so revolutionär und bahnbrechend für die
Allgemeinheit, von ihrem Verstand Gebrauch machten und eigenverantwortlich ihr Leben
gestalteten. Als die christlichen Ignoranten einsehen mußten, daß sie aufgrund
mangelnder geistiger Kompetenz es niemals vermögen würden, jenen - im wahrsten
Sinne des Wortes - Übermenschen das Wasser zu reichen, wurden unzählige von ihnen
im "Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes" erpreßt, verbannt,
gefoltert oder schlicht auf Scheiterhaufen verbrannt! Wenn es nach der Lehre des allein
selig machenden Christentum gegangen wäre, drehte sich die Sonne heute immer noch um
die Erde! Gemäß allein gültiger Doktrin hieße es dann wohl heute noch,
die Erde als von Gott gegebene Scheibe zu betrachten und die Genesis als historische
Tatsache zu akzeptieren!
Das Christentum und seine kleinkarierten Repräsentanten haben meist bewiesen, im
Vergleich zu dem Wissen und Können vorchristlicher Völker und Kulturen
hoffnungslos ins Hintertreffen zu geraten. Um wie viel mehr stellten sie immer und immer
wieder unter Beweis, nicht die Krone, sondern vielmehr der Narr der Schöpfung zu sein!
Die Christen debütierten noch auf dem Parkett der Geistesgeschichte mit ihren
Phantastereien und warteten auf mit ihren Märchen vom "lieben Gott" als Schöpfer
der Erde, von der "Erbsünde", von der jungfräulichen Empfängnis, vom Humbug
der Dreieinigkeit, vom Wahnglauben des Auserwähltseins, vom Irrsinn der Missionierung
und endlich von der Anmaßung der Unfehlbarkeit des Papstes, da hatten Kulturnationen,
beispielsweise die Atlanter, die Sumerer, die Babylonier, die Ägypter, die Griechen,
die Chinesen, die Wikinger oder viele amerikanische Ureinwohner, bereits auf den Gebieten
der Philosophie, der Architektur, der Mathematik, der Astronomie und in vielen anderen
Bereichen der Geistes- und Naturwissenschaften Elementares erkannt und Unvergängliches
vollbracht. Diese Völker und Kulturen hatten es schon lange vor der nun zu Ende
gehenden Epoche des Christentums zu Weisheit und Wahrheit gebracht. Sie stehen als Fanal
dafür, daß nicht nur Hochkulturen lange vor der Christianisierung überhaupt
existiert haben, sondern daß diese in vielerlei Hinsicht gerade dem Christentum
während seines größten Einflusses weit überlegen waren. Denken wir nur
an die sumerischen Rollsiegel, die prähistorischen Batterien aus Bagdad, die
vorindustrieellen Glühbirnen aus dem oberägyptischen Dendera, die vorzeitlichen
mittelamerikanischen "Landebahnen" (Nazca,), die chinesisch-tibetanischen Jade-Scheiben, die
ägyptischen Pyramiden, ebenso die der Mayas (Palenque) und deren Kristallschädel
(Lubaantun, Belize), die Großstadt Teotihuacán der Azteken, die exakten
Berechnungen in verschiedenen monolithischen Anlagen und Dolmen - u.a. in Stonehenge -, die
Entdeckungsreisen der Wikinger, die konzentrierten Weisheiten über den Kosmos und den
Menschen schlechthin (Gilgamesch, Edda) und unzählige Beispiele mehr. Viele dieser
teilweise uralten Errungenschaften und Erkenntnisse, unschätzbares Wissen haben nicht
zuletzt Christen zerstört. Einfältig, wie das Christentum ist, wurden von seinen
Vertretern uraltes Kulturgut und Weisheiten nicht nur vernichtet oder negiert, sondern auch,
je nach dem, ob es in die christliche Ideologie paßte, umfunktioniert und
usurpiert.
Dem Christentum sind aber nicht nur ebenso massive wie kurzsichtige Schläge gegen die
Forschung oder den Wissensdurst hervorragender einzelner Menschen vorzuwerfen. Vielmehr ist
ihm nicht zu verzeihen, ganze Völker für dumm zu verkaufen oder dumm zu halten.
Informationsfreiheit, freie Meinungsbildung und -äußerung, die geistige
Weiterentwicklung des Menschen standen seit jeher im Widerspruch zum christlichen
Verständnis des natürlichen Dranges des Menschwerdung. Wenden wir uns
diesbezüglich einigen plastischen Beispielen der Gegenwart zu, die verdeutlichen
sollen, wie schädlich sich das Christentum eben auf diesen Prozeß der
Höherentwicklung auswirkt. Die angeführten Belege erhalten ihre überzeugende
Aussagekraft vor allem dadurch, da sie - kulturgeschichtlich betrachtet - von einem
ausgesprochen christlichen Volk stammen: den Buren.
In einem Leserbrief in der südafrikanischen Wochenzeitung DIE AFRIKANER vom 20.
November 1998 heißt es unter der bezeichnenden Überschrift Gott schuf die
Apartheid: "Der Bibel zufolge hat der Schöpfer während des Baus des Turms von
Babel die Menschen gemäß ihrer Sprachen geordnet. Weiters hat er die Tiere,
Vögel, Fische und andere Geschöpfe nach ihrer Art geschaffen. Was war das Werk des
Schöpfers anderes als Apartheid? [...] Der Mensch ist mit Verstand erschaffen worden,
um [...] der Schöpfungsordnung gehorsam gegenüber zu sein. [...] Es ist kein
Wunder, daß wir so schwer gestraft werden: Schaut euch nur an, wie Gott die Israeliten
bestraft hat, die sich mit anderen Völkern gemischt hatten. [...] Gott schläft
nicht." Selig sind die geistig Armen!
In der Monatszeitschrift ONS EIE vom September 1998 heißt es in einem Leserbrief unter
der Überschrift Kehre zurück zum Licht unter anderem: "Ich danke dem Herrgott,
daß Er im Herzen unserer Menschen das Bedürfnis geweckt hat, zurück zu dem
Gott Israels und dessen Wort zu kommen. Wir, das Volk der Buren, müssen nun aufpassen,
daß wir nicht mehr unser Kalvinistisches Religionserbe vernachlässigen und darauf
achten, die Träger des Lichtes und der Wahrheit Wort Gottes zu sein. [...] Der Herrgott
wird mit denjenigen Nationen abrechnen, die sich gegen Israel und die Juden gewandt haben
[...] Laßt uns, das Burenvolk, den Juden beistehen [...] Das Ende der Zeit steht bevor
und wir haben nur noch das Recht, als Volk fortzubestehen, wenn wir wahrhaftig den Willen
Gottes erfüllen und nicht länger durch das Festhalten an Überlieferungen
fehlbarer Menschen Sein Wort schwächen. Laßt uns die Bibel lesen, wie sie
geschrieben ist und glauben, daß das Heilige Wort auch meint was es sagt."
Derartiger Mumpitz ist nun nicht mit der Entschuldigung abzutun, es handle sich hierbei
lediglich um die Aussage eines religiös, wenn auch einfältigen, Menschen. Die
Aussage sei nicht auf den allgemeinen geistigen Zustand der Christen zu projizieren und
könne deshalb nicht als repräsentativ gelten. In Südafrika jedenfalls sind
die Leserbriefrubriken in - keinesfalls explizit christlichen - Wochenzeitungen und
Magazinen, gerade aber in denjenigen, die auf dem "rechten" politischen Spektrum anzusiedeln
sind, gespickt mit derartigen Äußerungen. Verstärkt treten diese seit April
1994 auf, also dem Zeitpunkt der Machtübernahme durch den ANC und seiner Genossen. In
vielen Zuschriften wird öffentlich die Zwangstaufe propagiert und hier und dort die
Wiedereinführung der Scheiterhaufen gefordert; an anderer Stelle wiederum echauffiert
man sich über das Abhalten von Wintersonnenwendfeiern zu weihnachtlicher Zeit. In
vielen Leserbriefen folgt ein Bibelzitat dem nächsten, lösen biblische
Interpretationen biblische Prophezeiungen und Drohungen ab und umgekehrt, stehen christliche
Rechtfertigungsversuche fragwürdigen Lobpreisungen auf "den Herrn" nicht nach. Alle
diese Äußerungen verbindet ein merkwürdiges Gemisch aus Haß,
Verzweiflung, Anmaßung und grenzenloser Selbstüberschätzung. Und aus allen
diesen Tiraden tritt mehr oder weniger stark der fatale Verlust des Realitätssinns
dieser Menschen zutage.
Die meisten praktizierenden Christen - nicht die missionierenden! - handeln während
ihres irdischen Daseins - jedenfalls nach außen - so, wie es ihnen ihre Religion von
klein auf aufgezwängt hat: in Demut und gottesfürchtig. Diese Lebenshaltung hat
weitreichende Folgen, nicht nur für die betroffene Person, sondern für das gesamte
Gemeinschaftsleben. Existentielle Probleme werden ausgesessen, sich aufdrängende
lebenswichtige Fragen werden ignoriert und Kritik wird aus dem Weg gegangen, oder aber
diffamiert. In jedem Fall aber wird Verantwortung von sich gewiesen: Die Christen gehen in
die Kirche und beten. Der Herr wird's schon richten. Und wirft man in die Kollekte auch noch
ein paar Münzen oder Scheine, dann kann im Grunde genommen eigentlich nichts mehr
schief gehen: Alles sal reg kom - Alles wird sich schon wieder von selbst einrenken.
Nebenbei: Die US-Amerikaner - ebenso ausgewiesene Christen! - setzen freilich noch eins
drauf. Sie sichern sich mit ihrem Gottvertrauen gleichsam ab und entledigen sich auf diese
Weise ihrer Verantwortung: Auf ihrem liebsten Kultur- bzw. Exportprodukt, ihren Geldnoten,
haben sie ein fragwürdiges Bekenntnis gedruckt: In God we trust! - worauf sich
offensichtlich ihre vermeintliche Berufung zum Weltpolizisten ableitet und alle von ihnen
begangenen Verbrechen im voraus, wenn auch nicht geheiligt, so doch gerechtfertigt
sind?!
Das gefährliche, ja verhängnisvolle an dieser ebenso lethargischen wie naiven, bei
den missionierenden Christen aber auch arroganten und aggressiven Lebensauffassung ist,
daß die Menschen geistig abstumpfen und sich damit gegenüber den meisten sich im
irdischen Leben aufdrängenden Fragen und Aufgaben vor allem inaktiv verhalten bzw.
diesen verständnislos gegenüberstehen. Die Christen legen nach ihrem Gebet
beruhigt - da ihrem Herrn vermeintlich Respekt gezollt wurde - die Hände in den
Schoß und überlassen ihr Schicksal "dem lieben Gott". Sie warten tatenlos auf
ihren "Erlöser" - und das bereits seit 2000 Jahren. (Von was soll dieses Wunschbild sie
eigentlich erlösen? Doch wohl vom "Jammertal der Erde", was ein bezeichnendes Licht auf
die Lebensphilosophie der Christen wirft und für deren verkümmerten
Verantwortungssinn gegenüber nachfolgenden Generationen und der Erde spricht. [Siehe
hierzu auch das Geleitwort des vorliegenden Buches]).
Die Haltung der Christen macht die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes zu abgestumpften,
unselbständigen und einfältigen Geschöpfen, die taten- und willenlos ihrer
selbst ernannten Obrigkeit folgen. Kann man als freier Mensch für eine solch
lebensverneinende und sklavische Haltung etwas anderes empfinden als Verachtung? Schon in
vorchristlicher Zeit haben heidnische Völker zwei oberste Grundsätze im Leben
erkannt: Achte die Naturgesetze und nimm dein Leben selbst in die Hand! Nichts davon ist den
Christen gemein. Sie meinen im Gegensatz dazu, sich auf ebenso kurzsichtige wie
überhebliche Weise die Erde untertan machen zu müssen und legen dabei ihr eigenes
Schicksal in die "Hände" einer Phantasievorstellung.
Der eigennützliche christliche Widerstand gegen die geistige Entfaltung und
Selbstfindung des Menschen war und ist nichts anderes als eine Beleidigung gegenüber
der menschlichen Intelligenz. Um abschließend die Frage, warum ich kein Christ bin,
frei nach Friedrich Nietzsche zu beantworten: Was ein Christ als wahr empfindet, das
muß falsch sein: man hat daran beinahe ein Kriterium der Wahrheit. Es ist sein
unterster Selbsterhaltungstrieb, der verbietet, daß die Realität in irgendeinem
Punkte zu Ehren oder auch nur zu Worte käme.
© Dr. Claus Nordbruch