Während in der BRD und in Österreich scheinheilige Hofhistoriker und nicht minder aalglatte Medien sich in ihren Oden an die »Befreiung« gegenseitig zu übertreffen versuchen, kommt die nüchterne Betrachtung historischer Tatsachen – wieder einmal – zu kurz. Die gegenwärtige Geschichtsschreibung gibt ausschließlich die Wahrheit »der Sieger« wieder. Dementsprechend einseitig sind auch die Darstellungen über die »Befreiung«.
In den letzten Monaten und Jahren sind in denjenigen Medien und Verlagshäusern, die sich den Luxus auf eigenständiges Denken noch leisten, einige lesenswerte Beiträge und Bücher erschienen, die die tatsächlichen Umstände der »Befreiung« dokumentieren und kommentieren. Aus diesem Grunde wollen wir im vorliegenden Beitrag darauf verzichten, die Greuel der angloamerikanischen und sowjetischen Befreier und ihrer Komparsen, ihre ungesühnten Völkerrechtsverletzungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit nochmals darzulegen.[i] Widmen wir unsere Aufmerksamkeit statt dessen einmal einer Frage, die im Schrifttum bislang viel zu gekommen ist: Von was sind die Deutschen eigentlich »befreit« worden?
Glaubt man den Erkenntnissen der systembraven unkritischen Geschichtsschreiber, ist das nationalsozialistische Deutschland gewissermaßen als ein Betriebsunfall in der deutschen Geschichte anzusehen; als ein dunkler Fleck sowieso – der dunkelste gar. Man könnte angesichts der hierzulande vorherrschenden Einseitigkeit überhaupt den Eindruck gewinnen, nationalsozialistische Politik, selbstredend von Verbrechern und Nichtskönnern gemacht, beschränkte sich auf die Verfolgung von Juden, dem Erbauen von Autobahnen (natürlich aus Gründen der Kriegsvorbereitung) und der Durchführung der Olympischen Spiele 1936 (selbstredend um die Welt propagandawirksam zu täuschen). Das Dritte Reich – ein Staat des Subversiven und Suggestiven also. Diese Sichtweise mag politisch korrekt sein, so einfältig ist sie aber auch.
Um einen Beitrag zur Beantwortung der Frage leisten zu können, von was das deutsche Volk »befreit« wurde, hat man sich vor allem auf die sechs Friedensjahre des Dritten Reiches und hier vorrangig auf die in dieser Zeit verwirklichte Sozialpolitik zu konzentrieren.
Um das Ausmaß der Leistungen dieser Sozialpolitik ermessen zu können, ist es notwendig, sich die Verhältnisse in Erinnerung zurückrufen, unter denen die Masse des deutschen Volkes in der Weimarer Republik zu leben hatte. Die Mehrzahl der Deutschen war während dieser 14 Jahre Demokratie den schwersten sozialen Nöten ausgesetzt. Charles C. Tansill erklärt in seinem Buch Back Door to War: »Mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandes vom 11. November 1918 wurde nicht die Blockade Deutschlands aufgehoben. Viele Monate lang nach Beendigung des Ersten Weltkrieges erlaubten die Regierungen der Verbündeten (die Alliierten) noch keine Lebensmittellieferungen zu den Millionen hungernden Menschen in Deutschland.« Der Historiker H. C. Peterson stellt in seinem Buch Propaganda for War ergänzend fest: »Bis 1918 kamen durch Unterernährung und Krankheit als Folge der Blockade schätzungsweise 763.000 Deutsche ums Leben«.[ii] Die vorstehend genannten deutschen Opfer waren Kinder, Frauen, Greise – eben die Schwächsten und Bedürftigsten unseres Volkes.
Die Zeit der »ersten deutschen Demokratie« war für die Masse des deutschen Volkes geprägt von Arbeitslosigkeit, Elend und Hunger, dem Mangel an einer warmen Wohnung im Winter und einer in allen Aspekten des menschlichen Lebens aussichtslose Zukunft. Die soziale Not erreichte nie zuvor gekannte Ausmaße. In der amtlichen Broschüre über die Not in Berlin aus dem Jahre 1923 beispielsweise, sind erschütternde Berichte des Jugendamtes über das Elend unter Kindern und Jugendlichen dokumentiert: »Zahlreiche Kinder, auch im zartesten Alter, erhalten nie einen Tropfen Milch, kommen ohne warmes Frühstück zur Schule. Als Schulfrühstück erhalten sie trockenes Brot oder als Aufstrich gequetschte Kartoffeln. Die Kinder gehen vielfach ohne Hemd und warme Kleidungsstücke zur Schule oder werden aus Mangel an Leib- und Unterwäsche ganz vom Schulbesuch zurückgehalten. Die Not erstickt allmählich jedes Gefühl für Ordnung, Sauberkeit und Sitte und läßt nur noch dem Gedanken an Kampf gegen Hunger und Kälte Raum.«[iii]
Aus den Großstädten zogen ganze Heerscharen von Arbeitslosen auf das Land und bettelten um Lebensmittel für ihre Familien. In den Kleinstädten boten sich die Arbeitslosen nur für das bloße Essen als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft an. Auf den im Herbst bereits abgeernteten Kartoffelfedern stoppelten sie, das heißt, sie kratzten die letzten noch im Boden verbliebenen Kartoffeln heraus. Fatal wirkte sich ferner der Mangel an Heizmaterial aus. Kohle konnte die arbeitende Bevölkerung in Ermangelung von Geld nicht kaufen. Für den herannahenden Winter besorgte man sich deshalb einen sogenannten Holzschein beim Förster. Der Besitzer dieses Scheines hatte das Recht, in den Wäldern des Staatsforstes abgebrochene Zweige als Brennholz für den Winter zu sammeln. Täglich rollten ganze Menschenkolonnen, ihre Handwagen hinter sich herziehend, in Richtung Wald. Die Erniedrigung der Menschen konnte kaum tiefer sein! Zynische Journalisten und verlogene Historiker schwätzen heute nichtsdestotrotz von den »Goldenen 20er Jahren«. Für wen sollen diese »golden« gewesen sein? Für den damals hungernden und frierenden deutschen Menschen der arbeitenden Bevölkerung waren sie es wahrhaftig nicht!
Als Adolf Hitler
und sein Kabinett am 30. Januar 1933 die Führung des Deutschen Reiches übernahmen,
erbten sie einen in jeder Hinsicht bankrotten Staat mit sieben Millionen
Arbeitslosen, einer desolaten Wirtschaft und gähnend leeren Staatskassen. »Arbeit
und Brot« hatten die Nationalsozialisten versprochen. Nun, in der
Regierungsverantwortung, waren sie gefordert, dieses Wort zu halten; was nur möglich
war, wenn sie politisch und wirtschaftlich einen vollkommen neuen Weg als den
bisherigen zu gehen bereit waren.
Grundsätzlich standen die Nationalsozialisten auf dem
Standpunkt, daß das Prinzip der Neuverschuldung zur Finanzierung der Wirtschaft
abzulehnen sei, da das Volk ansonsten immer tiefer in die »Zinsknechtschaft der
internationalen Hochfinanz« gerate. Gerade aus dieser Abhängigkeit
herauszukommen, war die Voraussetzung zur Gesundung der Wirtschaft und damit zur
deutlichen Verbesserung des Lebensstandards der Menschen. Folglich stieg die
neue Regierung aus dem kapitalistischen Goldwährungssystem aus und entzog damit
ausländischen Kapitaleignern den Einfluß auf die deutsche Wirtschaft, da der
Handel mit dem Ausland nun zu einem gut funktionierenden Warenaustauschsystem
umgeformt wurde. Deutschland lieferte beispielsweise Maschinen und bekam dafür,
wie aus Spanien, Portugal, Brasilien, Argentinien und anderen Ländern, Erze,
Kaffee, Fleisch, Südfrüchte und wichtige Rohstoffe. Alle mit dieser
Handelsmethode gelieferten Produkte wurden den Spekulanten der Börse entzogen
Dies stieß bei der internationalen Hochfinanz auf entsprechende Kritik.
Vielleicht sollte in diesem Zusammenhang einmal das Motiv der diversen
Kriegserklärungen gegen das Deutsche Reich neu betrachtet werden.
Der wesentliche Schritt zur nationalen Gesundung war die Schaffung der Vollbeschäftigung. Es ist eine Geschichtslüge zu behaupten, die Nationalsozialisten hätten die Vollbeschäftigung erstrangig durch Ankurbelung der Rüstungsindustrie erreicht. Diese Behauptungen entpuppen sich als Seifenblase, wie allein schon ein einfacher Blick auf die Statistik belegt. Die Ausgaben für die Wehrmacht und die Rüstung betrugen:
1933/34: 1,9 Milliarden RM = 4% des Volkseinkommens
1934/35: 1,9 Milliarden RM = 4% des Volkseinkommens
1935/36: 4,0 Milliarden RM = 7% des Volkseinkommens
1936/37: 5,8 Milliarden RM = 9% des Volkseinkommens
1937/38: 8,2 Milliarden RM = 11% des Volkseinkommens
1938/39: 18,4 Milliarden RM = 22% des Volkseinkommens[iv]
Angesichts des verheerenden Erbes der Weimarer Republik, war die Schaffung der Vollbeschäftigung ein unlösbar anmutendes Problem. In Angriff genommen – und gelöst! – wurde es unter anderem durch massive staatliche Bauvorhaben und öffentliche Bauarbeiten: Deiche zur Flutkontrolle, Reparaturarbeiten an öffentlichen und privaten Gebäuden, die Pflege denkmalgeschützter Kulturgüter, das Erbauen von Brücken, Kanälen, Hafenanlagen, Straßen und – als Weltneuheit – von Autobahnen. Millionen von bis dahin arbeitslosen Menschen wurden auf diese Weise wieder in den aktiven Arbeitsprozeß integriert. Hierbei ging ein Prozeß Hand in Hand mit dem nächsten. Diese Entwicklung läßt sich gerade am Bau der Autobahnen sehr gut verdeutlichen:
Der Bau von Straßen und Autobahnen wurde aus heimischen, also mit deutschen Werkstoffen und Materialien, in Angriff genommen. Da Gelder zur Anschaffung von Teer und Bitumen, also Erdölprodukten, die aus dem Ausland eingeführt und mit Devisen bezahlt hätten werden müssen, nicht vorhanden waren, machte man aus der Not eine Tugend: unter der Leitung von Dr.-Ing. Fritz Todt und Dr. Julius Dorpmüller wurde die Betonplatten-Bauweise erfunden. Die Fahrbahndecke bestand aus aneinanderliegenden Betonplatten, die an Ort und Stelle auf verfestigtem Boden gegossen wurden. Alle hierzu notwendigen Werkstoffe standen in Deutschland zur Verfügung. Um die Straßen und Autobahnen auch nutzen zu können, bedurfte es freilich entsprechender Fahrzeuge. Diese waren nicht vorhanden, bzw. waren für die Masse des Volkes unerschwinglich. Die Preise für einen gewöhnlichen Personenkraftwagen lagen etwa zwischen 1.500 und 2.000 Reichsmark. Diese Kosten galt es zu reduzieren! Es sollte daher nach den Vorstellungen des Reichskanzlers ein neues und modernes Auto für das Volk geschaffen werden. 1934 konstruierte Ferdinand Porsche dieses neue Auto, den sogenannten Volkswagen, übrigens eine Bezeichnung, die von Adolf Hitler persönlich geprägt worden war. Das Endprodukt, der »Käfer«, kostete 995 Reichsmark. Autos brauchen Reifen, die bekanntlich aus Gummi bestehen, also Erdölprodukte sind. Aus den bekannten Gründen mußte auch in der Autoreifenherstellung auf vorhandene heimische Werkstoffe zurückgegriffen werden. Diese fand man in der Kohle, die in den Werken in Merseburg durch entsprechende chemische Behandlung zu künstlichem Kautschuk verwandelt wurde. Selbst der Kraftstoff, das Benzin, ein Destillationsprodukt aus Erdöl, konnte mittels Kohleverflüssigung weitgehend selbst hergestellt werden.
Um die größte Not im deutschen Volk zu lindern, war unmittelbar nach der Machtübernahme ein Soforthilfsprogramm mit Namen ›Winterhilfswerk des Deutschen Volkes‹ ins Leben gerufen worden, das unter dem Motto stand: »Keiner soll hungern und frieren«. Dieses soziale Hilfsprogramm wurde aufgrund seines gewaltigen Erfolges im Dezember 1936 zur Dauereinrichtung erklärt: »Für alle Zeiten werden arm und reich, jung und alt zusammenwirken, um in jedem Winter als Zeugnis sozialistischer Solidarität der ganzen Nation denen zu helfen, die das Schicksal mit geringeren Gütern des Lebens bedacht hat oder denen es die Arbeitsfähigkeit nahm.«[v] In durchaus ähnlichem Sinne ist die Schaffung des Reichsarbeitsdienstes (RAD) zu sehen, dem allerdings neben der wirtschaftlichen Bedeutung vor allem die erzieherische Wirkung zukam. Männer und Frauen, gleichgültig welchem Berufsstand sie entstammten, ob arm oder reich, erlebten und verwirklichten eine Volkskameradschaft, in der sie gemeinnützige Arbeit zu achten lernten. Es gab kein effektiveres Erziehungsmittel, den einseitigen Klassengeist, soziale Vorurteile und standesdünklerische Arroganz zu überwinden und gleichzeitig echte soziale Gesinnung zu erwecken und damit sozialen Frieden zu schaffen. Darüber hinaus hatte der RAD allein bis zum Kriegsausbruch Milliardenwerte geschaffen, von denen beispielsweise die Neulandgewinnung an der Nordsee und in den großen Sumpfgebieten im Emsland, in Schlesien und Ostpreußen, die Verwandlung von Ödland in fruchtbare Felder, die Aufforstung von Wälder und die Betreuung kinderreicher Mütter vor allem auf dem Lande genannt werden müssen.[vi]
Im nationalsozialistischen Deutschland standen Arbeiter und Unternehmer zusammen in einer Front gegen die gemeinsamen Feinde Kapitalismus und Kommunismus – das mag sich pathetisch und plakativ anhören, entspricht aber nichtsdestotrotz den Tatsachen. Was heißt das konkret? Im Nationalsozialismus wurde der Grundsatz vertreten, daß Arbeiter und Unternehmer zu einer geschlossenen Einheit gehörten und nicht gegeneinander aufgehetzt oder ausgespielt werden dürften. »Arbeiter der Stirn«, also beispielsweise Lehrer, Dozenten und Journalisten, und »Arbeiter der Faust«, wie Bauarbeiter, Kraftfahrer und Handwerker, gehörten mit einem nationalbewußten Unternehmertum zu einer Aktionsgemeinschaft. Weder Klassenkampf noch Standesdünkel, sondern die Schaffung einer Volksgemeinschaft galt als das anzustrebende Ziel. Im Mai 1933 trat an Stelle der Gewerkschaften die Deutsche Arbeitsfront (DAF), die als erste Organisation der Welt Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu einheitlicher Gemeinschaftsarbeit zusammenfaßte. Das nationalsozialistische Motto »Gemeinnutz geht vor Eigennutz« bestimmte allem voran die Wirtschaft: In den Betrieben arbeiteten Arbeiter, Angestellte und Unternehmer als Gefolgschaft gemeinsam zur Förderung der Betriebszwecke und zum gemeinsamen Nutzen von Volk und Staat.
Die nationalsozialistische Regierung war sich, im Gegensatz zu den späteren Repräsentanten der »Gesellschaft der westlichen Wertegemeinschaft«, über den gravierenden Unterschied zwischen Spaß und Freude ganz klar bewußt. So war den neuen Machthabern auch der ethische Wert der Freude und ihre Bedeutung für die Wirtschaft, für das gesamte Gemeinwohl und für die Stabilität des gesamten Staates keine unbekannte Größe. Es ist nur konsequent, daß die neue Regierung in Deutschland deshalb daran ging, die Firmen und Betriebe von Grund auf zu reinigen. Düstere Ecken, lieblos angelegte Pflanzungen und überall aufgeschichtete Kohlehaufen wurden entfernt und durch Parkanlagen, Schwimmbäder, Sportmöglichkeiten und Erholungsstätten ersetzt. Das gesamte berufliche Umfeld wurde so nicht nur unter hygienischen Gesichtspunkten sauber, sondern auch »humanisiert«, will sagen, durch eine neue und helle, saubere, frische Umgebung, die möglichst viel Sonnenschein und frische Luft einfallen ließ, menschenfreundlicher und –würdiger gestaltet. Den neuen Machthabern war klar, daß nur ein gesunder Mensch, physisch wie psychisch, seinen Teil als Rad im großen Getriebe erfüllen konnte. Aus diesem Grunde führten die Nationalsozialisten eine weitere revolutionäre Innovation zugunsten der schaffenden Bevölkerung ein: das Programm »Kraft durch Freude« (KdF). Die Idee, die hinter diesem Programm stand, war einfach: diejenigen die arbeiteten, Werte schufen und produzierten, sollten nicht nur durch ein angemessenes Gehalt bezahlt, sondern darüber hinaus mit besonderen Annehmlichkeiten belohnt werden, die das Leben lebenswert machen. Mit diesem Programm wurde es zum ersten Mal in der Geschichte Arbeitern ermöglicht, mit ihren Familien Zugang zu künstlerischer und kultureller Unterhaltung aller Art zu finden. Dies war mitnichten nur auf den Besuch von Museen oder Sportstätten begrenzt. Sie bekamen erstmals in ihrem Leben die Möglichkeit, aus ihrer Region herauszukommen und ihren geistigen Horizont durch Reisen zu erweitern, keineswegs nur innerhalb Deutschlands, sondern jenseits der deutschen Grenzen. Mit den großen Kreuzfahrtschiffen ›Wilhelm Gustloff‹, ›Robert Ley‹, ›Cap Arkona‹ und anderen Dampfern und Segelschiffen konnten deutsche Arbeiter es sich leisten, in Urlaub zu fahren und Seereisen zu unternehmen. Die portugiesische Atlantikinsel Madeira sowie die skandinavischen und spanischen Inseln und Hafenstädte waren die beliebtesten Reiseziele. Das Anlaufen der deutschen Schiffe in englische Häfen wurde übrigens von der englischen Regierung untersagt. Die Gründe sind allein in der Angst zu suchen, daß der englische Arbeiter wohl dem Sozialneid verfallen wäre.
Der propagierte »Sozialismus der Tat« schlug sich im wahrsten Sinne des Wortes in seinen Taten nieder. Der Bau von Eigenheimen und Wohnungen für Kleinverdiener war im neuen Deutschland überall sichtbar – während 1932 rund 141.000 Wohnungen gebaut worden waren, waren es 1936 annähernd 300.000. Die Finanzierung war äußerst günstig. Neuverheiratete Paare und solche mit Kindern erhielten großzügige Kredite (Ehestandsdarlehen) mit einer Rückzahlungsverpflichtung zu 10 Jahren. Bei Geburt eines Kindes wurde ein Viertel des Darlehens gestrichen; ab vier Kindern wurde die Rückzahlung ganz erlassen. Die Häuser und Wohnungen wurden nach dem höchsten Stand und unter dem Aspekt der öffentlichen Gesundheit gebaut, waren also mit den späteren Plattenbauten und Arbeiterghettos der DDR nicht vergleichbar. Bei den im Dritten Reich gebauten Häusern für Arbeiter handelte es sich in der Regel um Einfamilienhäuser mit einem kleinen Garten. Die Monatsmiete durfte für einen Arbeiter, gesetzlich vorgeschrieben, 26 Reichsmark nicht übersteigen, das war etwa ein Achtel des damaligen Monatslohnes. Angestellte mit höheren Gehältern zahlten bis zu 45 Reichsmark, was die Höchstgrenze darstellte.[vii] Noch bevor das Jahr 1933 zu Ende ging, hatte die neue nationalsozialistische Regierung über 200.000 Wohnungen gebaut. Es gab in Deutschland keine Slums mehr, die Deutschen lebten erstmals in wahrhaft menschenwürdigen Verhältnissen.
Diese Tatsache spiegelte sich nicht zuletzt auch in der sozialen Verantwortung gegenüber Kindern, Kranken und Senioren wider. Die Kranken- und Rentenversorgung war gesichert. Die Krankenhäuser, ausgestattet mit der modernsten Technik, standen jedem Deutschen unabhängig seines Gehalts offen. Die Patienten hatten das Recht, den Arzt ihres Vertrauens zu konsultieren. Die Ausbildung an den Höheren Schulen und Universitäten war jedem Deutschen unabhängig seines eigenen Finanzbudgets zugänglich, sofern er natürlich die intellektuelle Qualifikation hierfür mitbrachte. Die Urlaubsfrage für Arbeiter, die vor 1933 völlig vernachlässigt worden war, wurde ab 1934 in allen Tarifverordnungen festgelegt, ebenso wie Sonderzuwendungen zu Weihnachten, Urlaubsbeihilfen und andere finanzielle Vergünstigungen, die früher nur bei Angestellten üblich waren.[viii]
Der neue Geist, der in Deutschland nun vorherrschte, wird nicht zuletzt durch die Tatsache dokumentiert, daß die Nationalsozialisten – als eines der ersten gesetzlichen Verordnungen überhaupt! – bereits am 10. März 1933 grundlegende Tier- und Naturschutzgesetze erlassen hatten. Die Umweltschutzgesetze zielten auf Maßnahmen ab, die einer Beeinträchtigung der Natur durch menschliche Betätigung entgegenwirkten und waren auf die Schonung und den Schutz bedrohter und aussterbender Tier- und Pflanzenarten gerichtet. Im November 1933 wurde der Tierschutz gesetzlich geregelt, demzufolge es verboten wurde ein Tier unnötig zu quälen oder roh zu behandeln, die Haltung, Pflege und Unterbringung zu vernachlässigen, ein Tier zu Arbeitsleistungen, Abrichtungen, Filmaufnahmen und Schaustellungen zu verwenden, wenn dies mit erheblichen Schmerzen verbunden war, ein Haustier auszusetzen, schmerzhafte Eingriffe beispielsweise Kastration und Kupieren ohne Betäubung vorzunehmen, schmerzhafte Versuche an lebenden Tieren vorzunehmen. Am 28. August 1933 erklärte Hermann Göring in einer Radioansprache, daß es nicht dem deutschen Empfinden und vor allem nicht der nationalsozialistischer Auffassung über die Geisteshaltung des deutschen Menschen entspreche, »das Tier einer leblosen Sache gleichzusetzen und seinem Besitzer das absolute Verfügungsrecht zuzuerkennen.« Stets habe das deutsche Volk Tiere als »Geschöpfe Gottes gesehen. Für den deutschen Menschen sind die Tiere nicht nur Lebewesen im organischen Sinne, sondern Geschöpfe, die ein eigenes Empfindungsleben führen, die Schmerz empfinden, Freude, Treue und Anhänglichkeit zeigen. Niemals hätte es dem Volksempfinden entsprochen, das Tier einer leblosen, toten und unempfindlichen Sache gleichzusetzen, das Tier nur als ein empfindungs- und seelenloses Objekt der Ausbeutung zu betrachten, als ein Hilfsmittel der Arbeit, das man vielleicht aus Gründen der Nützlichkeit gebrauchen und aus eben solchen Nützlichkeitsgründen quälen oder vernichten kann.«[ix]
Der ehemalige britische Ministerpräsident David Lloyd George erklärte nah seinem Deutschlandbesuch 1936 gegenüber dem Daily Express: »Ich bin eben von einem Besuch in Deutschland zurückgekehrt. Ich habe jetzt den berühmten deutschen Führer gesehen und auch etliches von dem großen Wechsel, den er herbeigeführt hat. Was immer man von seinen Methoden halten mag – es sind bestimmt nicht die eines parlamentarischen Landes‚ es besteht kein Zweifel, daß er einen wunderbaren Wandel im Denken des Volkes herbeigeführt hat. Zum ersten Mal nach dem Krieg herrscht ein allgemeines Gefühl der Sicherheit. Die Menschen sind fröhlicher. Über das ganze Land verbreitet sich die Stimmung allgemeiner Freude. Es ist ein glücklicheres Deutschland. Dieses Wunder hat ein Mann vollbracht. Die Tatsache, daß Hitler sein Land von der Furcht einer Wiederholung jeder Zeit der Verzweiflung und der Demütigung erlöst hat, hat ihm im heutigen Deutschland unumstrittene Autorität verschafft. Es ist nicht die Bewunderung, die einem Volksführer gezollt wird, es ist die Verehrung eines Nationalhelden, der sein Land aus völliger Hoffnungslosigkeit und Erniedrigung errettet hat.«[x]
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten ging die alte vom Versailler Diktat geprägte Zeit jäh zu Ende und eine neue, revolutionäre brach unwiderruflich an. Es dürfte kaum eine Zeitung geben, die im Dritten Reich den Nationalsozialisten gegenüber kritischer eingestellt gewesen war und trotzdem die umwälzenden Geschehnisse jener Zeit klar erfaßt hatte, als die Jüdische Rundschau: Im Jahre 1933 brach etwas vollkommen Neues auf, »eine neuer Lebenswille eines Volkes, nicht streng theoretisch fundiert, aber elementar, vital, aus den Tiefen der Seele. Das ›Prinzip der völkischen Lebensganzheit‹ (Krieck) wurde realisiert.«[xi] Diese Darstellung trifft exakt den Kern. Aufgrund der erfolgreichen Sozialpolitik im Dritten Reich sollte sich eine Prophezeiung Hitlers erfüllen, die er bereits am 11. Februar 1933 in seiner ersten Rede als Reichskanzler im Berliner Sportpalast verkündet hatte: »Denn ich kann mich nicht lossagen von dem Glauben an mein Volk, kann mich nicht lossagen von der Überzeugung , daß diese Nation wieder einst auferstehen wird; kann mich nicht entfernen von der Liebe zu diesem meinem Volk und hege felsenfest die Überzeugung, daß einmal doch die Stunde kommt, in der die Millionen, die uns heute verfluchen, dann hinter uns stehen und mit uns begrüßen werden das gemeinsam geschaffene, mühsam erkämpfte und bitter erworbene neue Deutsche Reich der Größe und der Ehre und der Kraft, der Herrlichkeit und der Gerechtigkeit. Amen!«[xii]
Die Regierung des Dritten Reiches hatte mit der erfolgreichen Durchführung ihres revolutionären Programms vor aller Welt gezeigt, daß es möglich war, eine Wirtschaft zum Wohle des Volkes aufzubauen, selbst wenn hierfür keine Gelder zur Verfügung standen. Der nationalsozialistischen Volkswirtschaftslehre zufolge war der arbeitende Mensch mehr als ein auswechselbares ökonomisches Teil. Sie betrachtete den Menschen als eine Einheit, als ein produktives und kreatives Teil seines Volkes. Der hier zugrunde liegenden Wertvorstellung sollte der arbeitende, der schaffende Mensch nicht nur über einen sicheren Arbeitsplatz und anständiges zu Hause verfügen, er sollte auch mit Würde und Respekt (»Arbeit adelt«) behandelt werden.
Zur Beantwortung der Frage, von was die Deutschen 1945 »befreit« wurden, ist aus den oben dargelegten historischen Fakten folgendes zu schließen: Die Friedensjahre des nationalsozialistischen Deutschland waren für die überwältigende Mehrheit seiner Bewohner gekennzeichnet durch eine funktionierende Wirtschaft und eine funktionierende Gesellschaftsordnung. Ist es überhaupt geistig zu erfassen, wie das Deutsche Reich nach 15 oder 20 Jahren Aufbauarbeit – diese Zeitspanne hatte sich der Reichskanzler noch 1939 erbeten – ausgesehen hätte? Das Herz Europas wurde jedoch mit einem Krieg überzogen, den alle Kulturnationen verlieren sollten. Die Deutschen wurden darüber hinaus von ihrem Staat »befreit«, der der Masse des Volkes »Arbeit und Brot« und den sozialen Frieden gebracht hatte und der nicht zuletzt deshalb von der überwältigenden Mehrheit des Volkes bis zum bitteren Ende getragen wurde.
© Deutschland in Geschichte und Gegenwart, Heft 2/2005
[i] Anmerkung der Redaktion: Dem Urteil vieler Rezensenten zufolge hat der Verfasser mit Der deutsche Aderlaß (22003) zu diesem Thema »ein Standardwerk« vorgelegt.
[ii] Zitiert nach Friedrick Kurreck, »Das Leben im Dritten Reich«, in Der Schlesier vom 26. Juli bis 16. August.2002. Dem Verfasser liegt ein undatierter, sechszehnseitiger Sonderdruck vor, S. 4.
[iii] Zitiert nach Arthur Rosenberg, Geschichte der Weimarer Republik, Frankfurt am Main 151973, S. 130.
[iv] Nach Friedrick Kurreck, »Das Leben im Dritten Reich«, op. cit., S. 4.
[v] Alfred-Ingemar Berndt, Gebt mit vier Jahre Zeit!, München 1937, S. 161.
[vi] Vgl. Wiebke Stelling und Wolfram Mallebrein, Männer und Maiden, Preußisch Oldendorf 1979.
[vii] Vgl. Friedrick Kurreck, »Das Leben im Dritten Reich«, op. cit., S. 8f.
[viii] Vgl. Max Klüver, Vom Klassenkampf zur Volksgemeinschaft, Leoni 1988.
[ix] http://globalfire.tv/nj/03de/zeitgeschichte/ns_tierschutz.htm
[x] Zitiert nach Friedrick Kurreck, »Das Leben im Dritten Reich«, op. cit., S. 12f.
[xi] »Ein Jahr Regierung Hitler«, in: Jüdische Rundschau v. 30.1.1934, S. 1.
[xii] Zitiert in Alfred-Ingemar Berndt, Gebt mit vier Jahre Zeit!, München 1937, S. 13.