»Die BRD ist ein
antifaschistischer Gesinnungsstaat«

DER SÜDAFRIKA-DEUTSCHE im Gespräch
mit Dr. Claus Nordbruch

 

SAD: Herr Dr. Nordbruch, wie ist das Logo auf Ihrer Internetseite [www.nordbruch.org] - ein grünes Eichenlaub, vor dem eine Feder und ein Gewehr sich kreuzen - zu verstehen?

Dr. C.N.: Das Logo symbolisiert Naturbewußtsein, Geistesfreiheit und Wehrhaftigkeit.

SAD: In der jüngsten Vergangenheit sind in bundesdeutschen und österreichischen Medien gewisse Behauptungen über Sie gefallen. Sie seien »rechtsradikal«, »ein Vordenker der Neonazis«, »ein Verbindungsglied zwischen den Konservativen und der extremen Rechten« usw. Wo stehen Sie politisch wirklich?

Dr. C.N.: Diese Frage ist nicht á la Schubladendenken zu beantworten. Ich bin weder »links« noch »rechts« eingestellt. Ich halte diese antiquaren Begriffe, die politische Position eines Menschen festlegen zu wollen, erstens für plakativ und zweitens für nichtssagend. Ich bin ideologisch unabhängig, im Sinne von dogmatisch frei. Ich bin selbständig denkend und damit weder partei- noch konfessionsgebunden. Ich bin naturbewußt und deutschfreundlich und stehe ein für einen authentisch demokratischen Staat.
Aus diesem Grunde ist mein publizistisches Spektrum, auch breit gefächert: es reicht von wissenschftlichen Periodika bis hin zur Neuen Zürcher Zeitung, von den »linksintellektuellen« Ketzerbriefen bis zu verschiedenen »rechtsintellektuellen« Blättern. Es finden sich darunter radikale Medien ebenso wie gemäßigtere.

SAD: Dagegen ist wohl kaum etwas einzuwenden. Woher kommt aber die Hysterie, wenn Sie in Deutschland auf Vortragsreisen gehen oder Medien Interviews mit Ihnen durchführen wollen?

Dr. C.N.: Vielleicht, weil ich ehemals genuin »linke« Themen besetze, ohne marxistisch zu argumentieren. So stehe ich beispielsweise entschieden ein für Geistesfreiheit und bin grundsätzlich gegen Gewaltanwendung und Krieg.

SAD: Sie sprachen eben vom »authentischen demokratischen Staat«. Ist die BRD Ihrer Meinung nach nicht ein solcher?

Dr. C.N.: Nein. Die BRD hat sich in den vergangenen Jahren zu einem antifaschistischen Gesinnungsstaat (Klaus Hornung) entwickelt.

SAD: Was verstehen Sie darunter?

Dr. C.N.: Sehen Sie: Als selbstverständliche Voraussetzung für den Schutz der Menschenwürde ist die physische Integrität unantastbar. In der BRD ist dies aber mitnichten der Fall. Hier stellen das Niederbrüllen oder »Pfeifkonzerte«, das Werfen mit Lebensmitteln oder Pflastersteinen sowie das Anspucken oder Zusammenschlagen einer unliebsamen Person eine wesentliche Agitation sogenannter Antifaschisten dar. Bereits mit einer Kritik an diesen Zuständen macht man sich heutzutage verdächtig. Wer dies kritisiert, dem wird entgegengehalten, daß solche »Mißfallenskundgebungen« nun einmal elementarer Bestandteil einer demokratischen Ordnung, der Grundrechte auf freie Meinungsäußerung und der Versammlungsfreiheit seien. Ich halte dies für Quatsch: Zur Meinungsfreiheit gehört der Respekt vor der Meinung und vor dem Glauben des Andersdenkenden und des Andersgläubigen. Oder mit den Worten Rainer Zitelmanns ausgedrückt, der in der WELT bereits 1996 feststellte: »Wer Andersdenkende mit Pfeifkonzerten am Reden hindert, kann sich kaum auf das Grundrecht der Meinungsfreiheit berufen, denn er bekundet ja gerade nicht eine Meinung, sondern hindert andere daran, ihre Meinung zu äußern.«

Jeder, der es heute noch wagt, öffentlich eine nicht genehme Meinung zu vertreten, bekommt die politisch korrekte Art der Kritik zu spüren: Ausladung, Gewaltanwendung und Verleumdung. Ganz ähnlich wird die, vor allem vom sogenannten Verfassungsschutz propagierte geistig-politische Auseinandersetzung praktiziert: Den Berufs- und Hobbyzensoren aller Couleur, ist freie Meinungsäußerung ein Greuel. Sie laufen gegen jeden Sturm, der nicht ein Apogolet ihrer Auffassungen ist. Dabei geht es ihnen nicht um Meinungsaustausch oder gar um geistige Auseinandersetzung. Es geht ihnen lediglich darum, potentielle Widersacher ihres gleichschaltenden Systems auszuschalten. Und wenn sich die oftmals bewährte Waffe des Totschweigens zum Entsetzen der Meinungsunterdrücker mal als ungenügend erweist, greift man eben zu anderen Mitteln, wie z.B. zur öffentlichen Stigmatisierung und Kriminalisierung der Andersdenkenden bzw. des überhaupt noch Denkenden.

SAD: Sie sagen also, daß die Meinungsfreiheit in der BRD nicht mehr gewährleistet ist...

Dr. C.N.: Sie existiert nicht mehr.

SAD: ... können Sie das belegen?

Dr. C.N.: Bei der überwiegenden Mehrzahl von Bücher und Zeitschriften, die verboten oder indiziert werden, handelt es sich um solche, die unliebsame Meinungen oder bislang unbekannte Auffassungen verbreiten. Bezeichnenderweise sind diese so gut wie alle dem nationalen, freiheitlichen oder konservativen Spektrum zuzuorden. Angesichts der Tatsache, daß sich Kinder und Jugendliche heute in Deutschland problemlos mit Drogen und Hardcorefilme aller Art eindecken können, erscheinen die angeblich zum Jugendschutz aufgestellten Zensurgesetze bezüglich politischer und zeitgeschichtlicher Literatur geradezu grotesk. Es handelt sich bei diesen Publikationen in Wirklichkeit um solche, die der politischen Kaste ein Dorn im Auge sind bzw. den das alleinige Meinungsvertretungsrecht beanspruchenden Kräften entgegenstehen. Deshalb werden sie indiziert oder verboten - und nicht, weil sie die Jugend »sozial ethisch« gefährdeten.

Vielleicht noch ein paar autobiographische Beispiele aus der Praxis: Im April 1999 erhielten wir von einem Berufsphotographen aus Johannesburg eine Anfrage: Im Auftrage einer Mitarbeiterin beim Focus, Bettina Weiguny, wolle er einige Photos schießen, die Bestandteil eines Artikels über das von mir herausgegebene Buch Kreuzschmerzen [Claus Nordbruch (Hrsg.): Kreuzschmerzen. Standpunkte und Bekenntnisse von Heiden und Ketzern. - Pretoria: Contact 1999. (ISBN 0-9584131-9-3)] sein sollten. Das Nachwort zu dieser religionskritischen Anthologie verfaßte übrigens der bekannte Kirchenkritiker Prof. Dr. Horst Herrmann. Wie es auf dem Buchumschlag heißt, wurden erstmals in der Geschichte der anspruchsvollen Publizistik »weder auf politisch korrekte verordnete Tabus noch auf politische Weltanschauungen Rücksicht genommen. In Kreuzschmerzen finden sich deshalb national-völkische wie marxistische, atheistische wie polytheistische, germanisch-heidnische wie fernöstliche, wissenschaftliche wie esoterische Standpunkte und nebeneinander wieder.« Und zwar in 13 Kapiteln von 13 verschiedenen Autoren. In der Tat Grund genug für ein meinungsbildendes Medium zu berichten - sollte man meinen. Aber wir leben ja in der BRD! Der Photograph kam, schoß seine Bilder und erhielt für seinen Auftrag vom Focus DM 1.000 überwiesen. Nur die Reportage erschien nicht. Nach einigen Wochen riefen wir Frau Weiguny an, die ließ sich jedoch verleugnen. Monatelang hörte und las man nichts. Bis wir Anfang 2000 nochmals bei der Redaktion nachhakten und über Umwege den Bescheid erhielten, daß die Chefredaktion seinerzeit beschlossen hätte, den Beitrag nicht zu bringen. Warum wohl?!

Am 28. April 2000 gegen 15 Uhr klingelte bei mir das Telephon. Frau Mühlenkamp vom Hessischen Rundfunk war an der Strippe und erzählte mir, wie begeistert sie von meinem Buch Der Verfassungsschutz [Claus Nordbruch: Der Verfassungsschutz. Organisation, Spitzel, Skandale. - Tübingen: Hohenrain 1999] sei. Ob ich als »Experte bereit wäre, in einer Live-Sendung ein paar Fragen über die Ämter für Verfassungsschutz zu beantworten«. War ich. Die Sendung würde aber schon um 16.20 Uhr ausgestrahlt werden. Macht nichts. Daraufhin faxte uns die Dame einige Unterlagen und mögliche Fragen zu, die sie mir stellen wollte. Gegen 16 Uhr klingelte es wieder. Etwas überpünktlich, dachten wir uns. Frau Mühlenkamp bedankte sich nochmals für unsere Bereitschaft an dem Interview teilzunehmen, mußte uns aber »leider« die Mitteilung machen, daß es doch nicht zu dem Gespräch kommen könne. Aha, und warum? Man habe nochmals unsere Internetseite besucht und da sei man auf einen Verweis zu David Irving gestoßen »und das ist mit dem Hessischen Rundfunk nicht zu machen«.

Anfang Januar 2001 wurde ich zu einem Chatevent bei www.dol2day.com eingeladen. Einen Tag vor der Livediskussion, die übrigens gestern stattfinden sollte, wurde eine »Abstimmung« in der Community durchgeführt, ob dieses Gespräch denn stattfinden dürfe! Durfte es natürlich nicht. Der Geschäftsführer von A. Hauser hatte wenigstens den Anstand, mich hierüber in Kenntnis zu setzen: »Sehr geehrter Herr Nordbruch! Wie Sie eventuell mitbekommen haben, gab es bezgl. ihrer Person heftige Diskussionen bei dol2day. Auch wenn wir (die Redaktion) uns für den Chat entschieden hatten, müssen wir diesen nun doch absagen. Für die sehr kurzfristige Mitteilung möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen. Die Gründe : Dol2day soll eine demokratische Plattform sein. In diesem Zuge werden brisante Entscheidung immer häufiger durch Umfragen von der Community geregelt. In diesem Fall hatten wir uns zwar für den Chat entschieden, da ich die Meinung vertrete, daß eine Diskussion in jedem Fall vorzuziehen ist, allerdings hat die Community, wenn auch sehr knapp, sich anders entschieden. Ich bitte für diese Entscheidung für Verständnis.« Worauf ich ihm u.a. antwortete: »Nana. Nicht flunkern: Sie wissen so gut wie ich, daß die ›Abstimmung‹ über keine Legitimation verfügt. Oder wollen Sie ernsthaft behaupten, daß Sie sich künftig von Zufallsmehrheiten von 50,1% vorschreiben lassen werden/müssen, mit wem Sie sich unterhalten oder wessen Buch Sie lesen dürfen?«

Ein weiterer Beweis dafür, daß die Einschränkung der Meinungsfreiheit vor allem gegen »rechts« gerichtet ist, greift die GESELLSCHAFT FÜR FREIE PUBLIZISTIK auf. In einem Rundbrief vom 6.4.1999 schreibt der Vorsitzende, Rolf Kosiek, daß seit einiger Zeit zu beklagen sei, daß aufgrund der im Dezember 1994 in Kraft getretenen Verschärfung des Sondergesetzes zur Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit auf dem Gebiet der Zeitgeschichte - hierüber im folgenden Kapitel mehr - verstärkt gegen Verleger und Autoren juristisch vorgegangen würde. Kosiek kritisierte die »unverhältnismäßig hohen Haft- oder Geldstrafen«, mit denen besagte Berufsgruppe belegt würde. Diese Art der Strafverfolgung sei ein neuerlicher, gegen den Geist des Grundgesetzes gerichteter Versuch, »zur Abschaffung der Presse- und Meinungsfreiheit mit dem Ziel, die rechte Publizistik zum Schweigen zu bringen und sie wirtschaftlich zu vernichten.« In ganz ähnlicher Weise hatte bereits zwei Jahre zuvor der Eurokurier sein Augenmerk auf die Strafverfolgung unliebsamer Verleger gelegt. Mit dem verstärkten politischen Druck auf rechte Verlage und Maßnahmen gegen rechte Bücher, so das Mitteilungsblatt für aktuelle Buch- und Verlagsnachrichten, wolle man offenbar die Existenz freiheitlich gesinnter Verlagshäuser vernichten.

A pro pos Existenzen vernichten: Frank Rennicke gilt in der patriotischen Musikszene als Insidertip. Mittlerweile kann der 35jährige Sänger auf ein eindrucksvolles Gesamtwerk von immerhin 14 Tonträgern und über 600 Konzerte zurückblicken. Sein Repertoire reicht von eher volkstümlicher Musik und modern inszenierten Parodien bis hin zu Landknechts-, Freiheits- und Soldatenlieder. Die meisten von ihnen wurden Hoffmann von Fallersleben, Ernst Moritz Arndt, Friedrich Ludwig Jahn, Ludwig Uhland, Fritz Reuter u.v.a. geschrieben bzw. komponiert. Klar, daß es sich bei so dreister Nichtkommerzmusik ganz offensichtlich um einen politisch inkorrekten Barden handelt. Und als ein solcher Bösewicht selbstredend von den meinungsmachenden Medien totgeschwiegen wird, versteht sich. Mitte 1999 - alsonicht zu Zeiten des Stalinismus - richtete Rennicke einen ebenso verzweifelten wie entschlossenen Aufruf an die Öffentlichkeit, in dem es u.a. hieß: »Am 20. Juli 1999 erlebten meine Familie und ich eine umfangreiche Hausdurchsuchung. Was anfänglich wie ein schlechter Scherz oder ein Irrtum erschien, entpuppte sich als gezielter Schlag und systematische Verfolgung durch das BRD-System. Insgesamt 13 Hausdurchsuchungen bei meiner Familie, Verwandten (Sippenhaft!) und mehreren Händlern und inzwischen einsehbare Ermittlungsakten von über 3.000 Seiten (!) lassen erkennen, hier soll eine planmäßig vorbereitete Unterdrückung gegen die nationale Opposition erfolgen.« Nun drängt sich die Frage auf, was eigentlich seitens der Obrigkeit gesucht wurde? Erbeutet wurde nämlich nichts. Was sollte bei dem Barden auch schon den Staat oder die Jugend gefährdendes gefunden werden? Bomben? Waffen? Drogen? Oder vielleicht Kinderpornos? Belege von Schwarzkonten? Offenstehende Flugrechnungen? Ganz so lustig ist diese Angelegenheit allerdings nicht. Vor wenigen Wochen wurde Rennicke wegen seines »Heimatvertriebenenliedes« zu 10 Monaten Haft auf Bewährung und seine Frau zu 1.000 DM verurteilt, da sie telephonisch CD-Bestellungen entgegengenommen habe! Das Festgeld der Familie in Höhe von 70.000 DM wurde beschlagnahmt.

SAD: Aber fungieren nicht gerade die Medien, »die vierte Gewalt«, als Korrektiv? Wie steht es Ihrer Meinung nach um die Meinungsfreiheit auf publizistischer Ebene?

Dr. C.N.: Das von den bundesdeutschen Massenmedien präsentierte Angebot praktizierter Informationsfreiheit sticht - allen gegenteiligen Propagandabehauptungen zum Trotz! - eben nicht durch Vielfältigkeit, sondern durch destruktive Homogenität hervor. Trotz dieses Defizits suggerieren diejenigen, die es eigentlich besser wissen müßten, das Märchen von der Vielfalt des bundesdeutschen Blätterwaldes. Mit recht dämlichen Werbesprüchen klopft beispielsweise das Innenministerium mit seiner Broschüre für Eigenwerbung Demokratie live auf den Putz. Unzensiert sei die Presse. An jedem Kiosk gebe es viele Angebote, für jeden Geschmack sei etwas dabei und wenn ein Blatt nicht gefiele - null problemo! - dann nehme man eben ein anderes zur Hand. (Steht ohnehin dasselbe drin, hä?!) In der Tat mangelt es der real existierenden bundesdeutschen Pressewelt an großen, d.h. einflußreichen Medien, die eine kritische oder gar oppositionelle Meinung gegenüber der Lehr- oder veröffentlichten Meinung vertreten. Etwa nicht? Hand aufs Herz! Wie viele Redakteure und Journalisten finden den Mut oder verfügen über die Kenntnis, ihren Lesern »eine andere Meinung« mitzuteilen? Es ist doch völlig wurscht, welchen Themas man sich annimmt. Ob in der Ausländerfrage, der Aufnötigung einer »gemeinsamen« Währung, der Debatte über den Beitritt Polens und der Tschechei in die EG, der »Bericht«erstattung im Kosovo-Krieg, die journalistische Haltung gegenüber der israelischen Palästinenserpolitik oder die EU-Hetze gegen die demokratisch legitimierte Regierungskoalition aus FPÖ und ÖVP in Wien - wo sind die Zeitungen mit Großauflagen, die eine oppositionelle oder wenigstens eine tatsächlich kritische Haltung gegenüber der veröffentlichten Meinung einnehmen? Eine »Pressefreiheit«, bei der im wesentlichen nur das verbreitet wird, was der gängigen Lehrmeinung oder der verordneten Einheitsmeinung entspricht, ist keine dem Grundgesetz entsprechende Pressefreiheit.

Es gibt freilich auch eine andere Seite der praktizierten Meinungsäußerungsfreiheit, die in der BRD nicht nur ungehindert möglich ist, sondern darüber hinaus den alltäglichen Gepflogenheiten vieler Damen und Herren Volksvertreter sowie der ihnen dienenden Massenmedien entspricht. Ich spreche hier von Unterstellungen und Unwahrheiten, die keine Gegendarstellung erfahren, vom falschen oder zusammenhangslosen Zitieren, von der offensichtlich legalen Verunglimpfung Andersdenkender und vom Bruch journalistischer und redaktioneller Verantwortung. Die Medienhetze bezüglich der Vorkommnisse Solingen, Lübeck, Düsseldorf und vor allem Sebnitz sprechen diesbezüglich Bände.

Der Redakteur der Monatszeitschrift Nation & Europa, Harald Neubauer, machte diesen heute in Deutschland vielfach vorherrschenden Ethos der Presse deutlich: »Nehmen wir als aktuelles Beispiel das SZ-MAGAZIN. Es liegt der Süddeutschen Zeitung bei und hat sich, wie jetzt aufflog, jahrelang die Freiheit genommen, Gespräche und Reportagen zu veröffentlichen, die schlankweg erfunden waren. Freiheit der Presse. Der Autor Tom Kummer, von der Redaktion als Sündenbock präsentiert, spricht von einer 'Implosion des Realen' und läßt über seinen Anwalt erklären: 'Gehen Sie davon aus, daß die Verantwortlichen beim SZ-Magazin genau wußten, daß es sich nicht um übliche Prominenten-Interviews handelte.' Aber auch Stern und Spiegel, Tempo und Amica, Woche und FAZ griffen gern auf Kummer zurück. Mit wüsten Storys, etwa über den Ku-Klux-Klan, wurden die Leser genasführt. In der Branche war Kummers Arbeitsweise seit 1990 ein offenes Geheimnis. Doch die 'Wächter der Demokratie', wie sich Deutschlands Blattmacher gern feiern, verstehen unter Wahrheit etwas anderes als der Normalbürger. Christian Kämmerling, Chefredakteur des SZ-Magazins, sagt unverblümt: 'Was ist wahr, was ist nicht wahr, das war nicht die Frage.' Und anstatt sich bei den Lesern zu entschuldigen, sorgt sich Kämmerling: 'Unser Motto war es immer, die Grenzen auszuloten. Daß jetzt diese Thematik reinkommt - stimmt das? stimmt das nicht? - wird einen Großteil unserer Arbeit nicht mehr möglich machen. ' Dem Manne sei für seine Offenherzigkeit gedankt. Endlich erfahren wir aus berufenem Mund, daß ein 'Großteil' (!) der Arbeit jener Journaille aus Lug und Trug besteht. Dazu zählen erfundene Interviews, gefälschte Photos, Geschichten, die hinten und vorne nicht stimmen. […] Sogar der Holocaust wird dafür instrumentalisiert. Die angeblichen KZ-Memoiren des 'Binjamin Wilkomirski' sind kürzlich von dem Schweizer Schriftsteller Daniel Ganzfried als Hirngespinst entlarvt worden. Niemand gibt den Käufern des - preisgekrönten - Buches das Geld zurück. Auch die vom SZ-Magazin Geleimten haben keinen Anspruch auf Entschädigung. Pressefreiheit - das bedeutet: frei von Verantwortung.«

Dieses dekadente Verhalten in den Redaktionsbüros ist noch zu steigern! Selbst Verbrechen, wie schwere Körperverletzung und versuchter Mord, finden inzwischen eine wohlwollende »Berichterstattung«. Am 30. August 1995 knüppelten sechs vermummte antifaschistische Gutmenschen den nationalbewußten Rechtsanwalt Jürgen Rieger vor dem Hamburger Landgericht nach dem Ende einer Verhandlung auf offener Straße nieder und fügten ihm schwere Verletzungen zu. In den Medien - ebenso wie in der Justiz - wurde dieses Verbrechen nicht verurteilt. Die tageszeitung »begrüßte« sogar die feige Tat als »längst überfällige Aktion«. Der Deutsche Presserat sah noch nicht einmal die Notwendigkeit gegeben, das Blatt zu rügen. Oder: Als Ende Januar 2000 die NPD in Berlin demonstrierte und dabei genehmigterweise auch durch das Brandenburger Tor zog, kam dies für viele Gutmenschen einem Affront gleich. Einer, der sich mit seiner Empörung besonders hervortat, war er ehemalige Leiter der Jüdischen Volkshochschule Berlin, Gad Beck. Die tageszeitung bot Beck eine Plattform: »Ich als Israeli wüßte Mittel, um solche Nazi-Demonstrationen zu verhindern. Wenn ich noch jünger wäre, würde ich eine Pistole nehmen - ich habe noch einen Waffenschein - und auf solche Demonstranten schießen. Eine schöne Dekoration: deutsches Blut, von einem Juden vor dem Brandenburger Tor vergossen. Das wäre apart.« Kann man sich auch nur im entferntesten vorstellen wie das Medienecho und vor allem die juristischen Folgen wären, würde - ein ebenso stumpfsinniger Mitbürger! - einen derartigen Text mit vertauschten Begriffen veröffentlichen?

SAD: Wie definieren Sie die political correctness?

Dr. C.N.: Die politische Korrektheit ist ein System der verordneten Denkschablonen, oder vielleicht besser: ein System der zunächst propagierten und später oktroyierten Denkverbote. Ich habe hierzu viele Beispiele in meinem Buch Sind Gedanken noch frei? [München 1999, 2., erw. Aufl. 2001) aufgeführt. Um Wiederholungen zu vermeiden ein neues Beispiel: Die angemessenste Art, dem politisch korrekten Schwachsinn zu begegnen, ist ihn bloßzustellen. Als Ende 1999 der Künstler Hans Haacke drohte, den Schriftzug Dem Deutschen Volke am Berliner Reichstag gegen Der Bevölkerung auszutauschen, regte sich zarter Widerstand. Hierzu ein beispielhaftes Vorgehen in Form eines Leserbriefes aus der Jungen Freiheit vom Dezember 1999: »Recht so Herr Haacke, haben Sie nicht nur neben dem runig-dümpelnden Begriff Volk gleich das schwerbelastete Wort deutsch mit auf den Index gesetzt. Doch muß ich Sie leider der Inkonsequenz zeihen. Ist den in dem gutgemeinten Begriff Be-völk-erung nicht auch das ominöse Wort Volk enthalten? Selbst die Artikel der oder dem sind nicht ganz koscher, sind sie denn nicht schon einmal im Zusammenhang mit nazistischen Gedankengut mißbraucht worden, wie: 'Der Führer spricht' oder 'Dem Führer gewidmet'? Allmählich kommt's einem so recht: auch Worte wie Führer, sprechen und gewidmet sollten verboten werden; konsequenterweise vielleicht die ganze deutsche Sprache? Ich glaube, um wirklich jeden Fehler auszuschließen, sollten auf dem Fries des Reichstagsgebäudes (eigentlich sollte dieser Name ja auch verboten werden) die eindrucksvollen Worte for Fix and Foxi prangen. Würde damit nicht auch die geistige Beschaffenheit unseres Bundestages im wesentlichen aufs Trefflichste wiedergegeben?« Ein immerhin zu erwägender Gedanke, nicht?

SAD: Ich danke Ihnen für dieses Gespräch. Ein Abschlußwort?

Dr. C.N.: Ein freiheitliches Staatssystem zeichnet sich u.a. dadurch aus, daß seine Staatsbürger die Freiheit haben, in Wort und Schrift ihre Meinung zu äußern sowie das Recht auf Unversehrtheit und Würde genießen. Meinungen können in einem wirklich pluralistischen Staat niemals gleich sein. Nur aus dem fortwährenden Konflikt der Meinungen erwächst einem freiheitlichen System die Fähigkeit, dem immerwährenden Suchen nach Antworten auf Fragen Lösungen folgen zu lassen. Rede und Gegenrede sind der Dreh- und Angelpunkt eines solchen freiheitlichen Systems - auch und gerade, wenn Meinungen bewußt kontrovers gehalten und scharf formuliert sein mögen. Ein Pseudoliberalismus aber, der im liberalen Gewand Gesinnungsgutachten verteilt, ständig moralisierend die »Faschismuskeule« schwingt, Andersdenkende aus dem Diskurs auszugrenzen versucht und vor der Öffentlichkeit verunglimpfend demontiert, ist in Wirklichkeit Totalitarismus. In dieser Hinsicht ist die BRD totalitär. Und einen solchen Zustand lehne ich ab.

Die Fragen stellte Chefredakteur Peter Kolb