Man muß den Thesen von Verschwörungstheorikern nicht zustimmen, auch man muß kein ausgeprägtes metaphysisches Wissen besitzen und man braucht erst recht nicht blind vor Haß gegen die US-Regierung unter George W. Bush zu sein, um zu erkennen, daß die Erde vor einem atomaren Weltkrieg steht.
Es bedarf lediglich etwas politischen Gespürs und des Wissens von echten historischen Tatschen, um zu erkennen, daß 15 Jahre nach dem Zusammenbruch des angeblichen kommunistischen Widersachers der kapitalistischen USA die globale atomare Bedrohung mehr denn je zur Realität geworden ist.
Der Verursacher dieser riskanten Situation ist natürlich nicht der Iran oder seine gegenwärtige politische Führung, auch wenn die philosemitisch und prozionistisch geprägten Massenmedien nicht müde werden, eben dies zu behaupten. Als im Januar der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad angekündigt hatte, sein Land werde noch in diesem Jahr eine internationale Konferenz über »den Holocaust« einberufen, waren die Mitglieder der westlichen Wertegemeinschaft erwartungsgemäß bestürzt. Gemäß dem in diesem Dunstkreis allgemein vertretenen historiographischen Dogma sei es nicht notwendig, über »den Holocaust« zu diskutieren, da sämtliche Forschung hierüber bereits abgeschlossen sei. Quod erat demonstrandum! Freie Forschung, also ergebnisoffene wissenschaftliche Untersuchung – gerade über »den Holocaust« – gilt den westlichen Demokratien nicht nur als Tabubruch, sondern wird dort seit einigen Jahren als »Haßrede« oder gar als terroristischer Akt eingestuft. Eine solche selbstgerechte Einstufung, die etwa das Niveau einer theatralisch vorgebrachten Warnung vor nie existenten Massenvernichtungswaffen des Iraks hat, bietet für imperialistische Gutmenschen einen willkommenen Vorwand, gegen einen »Schurkenstaat«, der tatsächlich nichts anderes als ein Widersacher gegen ihre Expansionspolitik ist, aggressiv vorzugehen.
»Der
Holocaust« wird seit Jahrzehnten keineswegs nur aus materialistischen Gründen
als politisches Druckmittel benutzt, sondern auch, um zionistische und selbst
globalistische Ziele durchzusetzen bzw. zu rechtfertigen. Der bekannte New
Yorker antizionistische Rabbiner Dovid Weiss erklärte jüngst gegenüber dem
iranischen Fernsehen: »Die Zionisten benutzen das Holocaust-Thema zu ihrem
eigenen Vorteil. Wir, Juden, die im Holocaust zugrunde gingen, nutzen ihn nicht,
um unsere Interessen voranzubringen. Wir betonen, daß es hunderttausende Juden
in aller Welt gibt, die sich mit unserer Opposition gegen die zionistische
Ideologie identifizieren und die spüren, daß Zionismus nicht jüdisch ist,
sondern eine politische Agenda.« Und Rabbiner Aharon Cohen ergänzte, daß die
»Zionisten in fast jedes Verbrechen rund um den Globus involviert seien, aber
leider beanspruchten, daß sie das jüdische Volk repräsentieren würden«[i].
Beide Rabbiner haben Recht.
In Claus Nordbruchs Buch Der Angriff (Hohenrain 2003) werden zahlreiche Dokumente vorgelegt, die belegen, daß eine kritische Betrachtung der gängigen Geschichtsschreibung über die Judenverfolgung zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, geschweige denn abweichende Auffassungen zur offiziellen Version der Historie, sowohl die vitalen Interessen Israels als auch das Fundament, auf dem die BRD aufgebaut ist, in erheblichem Maße bedrohen. Es besteht kein Zweifel: wenn der Mythos, der an »dem Holocaust« haftet, fällt, stürzen nicht nur das politische System der BRD, sondern auch viele Staaten der westlichen Wertegemeinschaft in sich zusammen und eine völlig neue Welt wird anbrechen. Ein solcher revolutionärer Neuanfang liegt nicht in jedermanns Interesse.
Der
hochstilisierte Iran-Konflikt ist von grundsätzlicher Aussagekraft! Er
verdeutlicht keineswegs nur, auf welchem Fundament die BRD und die gesamte
westliche Wertegemeinschaft aufgebaut ist, er zeigt vor allem auf, wie sehr in
der »internationalen Gemeinschaft« zum Wohle des Weltfriedens gelogen wird! Am
2. Februar hieß es bei Spiegel Online, daß der Iran weder über Atomwaffen noch Material zur Herstellung derselben verfüge:
»Iran verfügt nach Einschätzung der US-Geheimdienste bisher weder über
Atomwaffen, noch über das dafür erforderliche Material.« Spiegel Online
gab diese Erkenntnis mittels
eines Zitats von dem Geheimdienstdirektor
John Negroponte vor dem
Geheimdienst-Ausschuß des US-Senats in Washington wieder:
»Wir schätzen, daß Teheran wahrscheinlich noch keine Atomwaffe
hat.« Iran habe wahrscheinlich auch noch kein für die Atomwaffen-Produktion
notwendiges spaltbares Nuklearmaterial produziert oder erworben.[ii]
Nur fünf Tage später schlagzeilte yahoo.de das exakte Gegenteil:
Washington sei der Auffassung, daß der Iran sehr
wohl Atomwaffen produzieren könne! »Der Iran
verfügt nach Einschätzung des US-Außenministeriums über die
wissenschaftlichen und technischen Voraussetzungen zur eigenständigen
Produktion von Atomwaffen. Das Land habe ›enorme Ressourcen‹ sowohl in
finanzieller als auch in wissenschaftlicher und technischer Hinsicht, sagte der
im Ministerium für die Nicht-Verbreitung von Atomwaffen zuständige Beamte
Robert Joseph. Mit diesen Mitteln sei Teheran in der Lage, Atomwaffen zu
entwickeln und zu nutzen.«[iii]
Na und? Außer Israel, haben mindestens die USA, Rußland, Frankreich,
Britannien, China, Indien und Pakistan ebenfalls Atomwaffen entwickelt und
bereits »genutzt«. Wer will aufgrund welcher Befugnis, dem souveränen Staat
Iran das unbestreitbare internationale Recht auf Entwicklung und Nutzung der
Kernenergie streitig machen?
Die westlichen Massenmedien bezeichnen indes im Chor freilich den Iran als eine «Bedrohung des Weltfriedens». Sogar die Antikriegsbewegung hat diese Medienlügen anstandslos geschluckt. Die internationalen Kriegstreiber haben es noch nicht einmal mehr nötig, im Verborgenen zu agieren. Bereits am 11. Dezember 2005 hatte die britische Sunday Times berichtet, daß die israelischen Streitkräfte von Ariel Scharon angewiesen worden seien, bis Ende März 2006 darauf vorbereitet zu sein, mögliche Militärschläge gegen geheime iranische Urananreicherungsanlagen durchzuführen. Am 5. März 2006 berichtete die Sunday Times unter Berufung auf israelische Quellen weiter, daß Israels Special Forces bereits in den Iran eingesickert seien, um »dringend zu versuchen, geheime Urananreicherungsquellen ausfindig zu machen«. Sie würden mit Billigung der Amerikaner von einer Basis im Nordirak aus operieren und von israelischen Soldaten gedeckt. [iv]
Die Wochenzeitung Freitag, gewiß nicht im Verdacht stehend, eine nationalgesinnte Publikation zu sein, führte am 27. Januar 2006 zu den Kriegsvorbereitungen aus: »Bereits im November 2005 hatte das US Strategic Command eine Übung für einen ›Global Lightening‹ genannten Operationsplan abgehalten, bei der Angriffe mit konventionellen und atomaren Waffen gegen einen ›fiktiven Feind‹ simuliert wurden. Danach gab das US-Oberkommando einen ›fortgeschrittenen Bereitschaftszustand‹ bekannt.« Der Zeitpunkt der Operation habe nahegelegt, daß ein Militärschlag gegen den Iran durchgespielt wurde. »Die aufgerufene Kriegsagenda beruht auf der Doktrin des ›präemptiven Nuklearkriegs‹, wie sie von der Bush-Administration mit der Nuclear Posture Review (NPR) von 2002 formuliert wurde, und schließt den Einsatz von Kernwaffen gegen den Iran bei ›chirurgischen Schlägen‹ nicht aus. Nach einer Entscheidung des US-Senats von 2003 scheint die Zeit inzwischen reif zu sein, eine neue Generation taktischer Kernwaffen - der ›low yield mini-nukes‹ mit einer Explosionskraft von bis zu sechs Hiroshima-Atombomben - einzusetzen, die als ›sicher für Zivilisten‹ apostrophiert werden, da die Waffe unter der Erde detoniert.«[v]
In der proisraelischen Tageszeitung Die Welt vom 25. Januar 2006 hetzte George Weidenfeld: »Dieses Regime [gemeint ist die iranische Regierung, CN] ist ein Gemisch aus populistischer Gossen-Demagogie und religiösem Fanatismus, Bilderstürmerei und dem Lechzen nach moderner Technologie - ein tödliches Elixier des Teufels. Teherans Fixierung auf die Vernichtung Israels, die Dämonisierung des Weltzionismus und die Holocaust-Leugnung sind wohl ernst gemeint, aber nur eine erste Haltestelle auf dem Weg zu einem islamistischen Weltreich.«[vi] Sind derartige Äußerungen des jüdischen Verlegers und Zionisten Weidenfeld, der im übrigen im Mai 2003 die Aufnahme Israels in die EU gefordert hat, nicht als Aufstachelung zum Angriffskrieg zu werten?[vii]
Michel Chossudovsky, weltbekannter Wirtschaftsprofessor und Globalisierungskritiker, erklärte am 9. März 2006, daß alle hochrangigen israelischen Repräsentanten Ende März 2006 als Beginn für den Militärangriff gegen den Iran festgelegt hatten: »Die Lancierung eines uneingeschränkten Krieges gegen den Iran, bei dem nukleare Sprengköpfe eingesetzt werden, steht jetzt in der letzten Planungsphase. Die Koalitionspartner, einschließlich der USA, Israel und der Türkei, befinden sich in «einem fortgeschrittenen Bereitschaftsstadium». Verschiedene militärische Übungen wurden seit Anfang 2005 durchgeführt.«[viii]
Chossudovsky führt weiter aus: »Die verschiedenen Komponenten der militärischen Operation stehen streng unter amerikanischem Kommando und werden vom Pentagon und dem US-Strategic Command Headquarters (USSTRATCOM) auf der Offutt-Luftwaffenbasis in Nebraska koordiniert. Die Aktionen, die Israel angekündigt hat, sollen in enger Koordination mit dem Pentagon durchgeführt werden. Die Kommandostruktur der Operation ist zentralisiert, und letztlich wird Washington entscheiden, wann die Militäroperation begonnen wird. Amerikanische Militärquellen haben bestätigt, daß ein Luftangriff auf den Iran mit umfangreichen Einsätzen stattfinden würde, vergleichbar den amerikanischen ›Shock and Awe‹-Bombardierungen des Irak im März 2003: Amerikanische Luftangriffe auf den Iran überträfen das Ausmaß des israelischen Angriffs auf das Nuklearzentrum von Osirak im Irak 1981 weit und würden eher den ersten Tagen des Luftkriegs gegen den Irak im Jahr 2003 gleichen. Mit der vollen Kraft von B-2-Stealth-Bombern, die von Diego Garcia oder direkt von den USA aus eingesetzt werden, möglicherweise ergänzt durch F-117 Stealth-Fighter, die in Udeid in Katar oder andernorts auf dem Kriegsschauplatz stationiert sind, würden die zwei Dutzend verdächtiger nuklearer Anlagen angegriffen werden. […] In der Europäischen Union haben sich keine politischen Stimmen dagegen erhoben. Konsultationen zwischen Washington, Paris und Berlin sind im Gange. Im Gegensatz zur Invasion im Irak, die auf der diplomatischen Ebene von Frankreich und Deutschland abgelehnt wurde, hat Washington einen «Konsens» innerhalb der Atlantischen Allianz sowie im UN-Sicherheitsrat aufgebaut. Dieser Konsens schließt auch die Durchführung eines Atomkriegs ein, der möglicherweise einen großen Teil der nahöstlichen und zentralasiatischen Region in Mitleidenschaft ziehen würde. […] Mit einer Propagandakampagne, die sich die Unterstützung von «maßgebenden» Nuklearwissenschaftern gesichert hat, werden die ›mini-nukes‹ als ein Instrument des Friedens statt des Krieges präsentiert. Die ›low yield nukes‹ wurden für den «Gebrauch auf dem Schlachtfeld» freigegeben. Sie sind dafür vorgesehen, im nächsten Stadium des amerikanischen «Krieges gegen den Terrorismus» neben konventionellen Waffen eingesetzt zu werden.«[ix]
Die Atomkrieger sind längst in Stellung gegangen. Israel hat in Erwartung eines Angriffs gegen den Iran in den USA hergestellte und oftmals von der BRD bezahlte konventionelle und nukleare Waffensysteme eingelagert. Darunter befinden sich Lieferungen, die mehrere tausend »intelligente aus der Luft abzufeuernde Waffen« umfassen, einschließlich etwa 500 bunkerbrechende Bomben, die auch mit taktischen Atombomben bestückt werden können.[x] Zum Zeitpunkt als diese Zeilen geschrieben wurden, ist der Iran von den prozionistisch-imperialistischen Streitkräften zwar noch nicht überfallen worden, aber die Vorbereitungen für einen Überfall sind abgeschlossen und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ihn die selbstgerechten Gutmenschen ausüben.
Wir befinden uns an einem gefährlichen Scheideweg: Die alliierten Kriegsplaner glauben mittlerweile ihre eigene Propaganda. In Militärfachbüchern behaupten sie, daß die neue Generation von Atomwaffen für den Gebrauch auf dem Schlachtfeld »sicher« ist. Atombomben sind damit nicht länger die Waffen des letzten Auswegs. Es gibt für ihren Einsatz keine Hindernisse oder politischen Hürden mehr. Die sogenannte internationale Gemeinschaft hat längst einen Atomkrieg im Namen des »Weltfriedens« abgesegnet. Die Behauptung, »die Welt sicherer zu machen«, ist die Rechtfertigung, eine militärische Operation in Gang zu setzen, die möglicherweise in einem atomaren Holocaust enden könnte.
Gegenwärtig gibt es mit Afghanistan, dem Irak und Palästina drei separate Kriegsschauplätze: Die bevorstehenden Luftangriffe gegen den Iran, vor allem, wenn sie atomar erfolgen, könnten dazu beitragen, einen Krieg im gesamten Bereich des Vorderen Orient und in Zentralasien auszulösen. Europa und Nordamerika würden dieses Mal von nuklearen Kollateralschäden, die die abschließenden Maßnahmen zur Vollendung der One World mit sich bringen, nicht mehr unberührt bleiben, zumal die westliche Wertegemeinschaft die Möglichkeit eines nuklearen Holocaust als Preis für den »Weltfrieden« akzeptiert hat.
© Dr. Claus Nordbruch 2/2006, veröffentlicht in Euro-Kurier (Tübingen), Nr. 2/2006, S. 6-8.
[i] Zitiert nach Ralph Kutza, »Vor dem Abgrund oder vor dem Untergang?«, in: Saar-Echo v. 17.3.2006.
[ii]
»Iran hat weder Atomwaffen noch Material dafür«, in:
Spiegel Online
vom 2.2.2006
[iii]
»Washington: Iran kann Atomwaffen produzieren« in: www.yahoo.de v. 7.2.2006,
08:30 Uhr
[iv]
Ralph Kutza,
»Vor dem Abgrund oder vor dem Untergang?«, in: Saar-Echo
v. 17.3.2006.
[v] http://www.freitag.de/2006/04/06040701.php
[vi] http://www.welt.de/data/2006/01/25/835953.html
[vii] Diese Frage bejaht zumindest die Neue Rheinische Zeitung http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=1290
[viii] Michel Chossudovsky, »Atomkrieg gegen den Iran«, zitiert nach http://www.zeit-fragen.ch/ARCHIV/ZF_137c/T01.htm
[ix]
ebenda
[x]
Siehe hierzu Claus Nordbruch,
»Zündeln am Pulverfaß«, in: Deutschland
in Geschichte und Gegenwart, Heft. 1/2006.